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Banken Das Schattenreich der Finanzindustrie

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Schweiz beschließt höhere Eigenkapitalvorschriften

Verbindlichkeiten von Geschäfts- und Schattenbanken

Einzelne Länder führen zudem Bankenabgaben auf unterschiedlichem Niveau ein, die EU verfolgt weiter den Plan einer Finanztransaktionssteuer. „Immer noch kein gleiches Spielfeld“, stellt die Investmentbank Goldman Sachs folglich in einer aktuellen Analyse fest. Dabei bezieht sie sich auf das Verhältnis des Eigenkapitals zu den sogenannten „risikogewichteten Aktiva“, die in vielen Ländern unterschiedlich berechnet werden. Strengere Anforderungen schmälern die Renditen. Die Schweiz hat für ihre Großbanken UBS und Credit Suisse Eigenkapitalvorschriften beschlossen, die deutlich höher sind als die in Basel III festgelegten.

Für die Banken bieten Differenzen Vorteile. Selbst kleine Unterschiede zwischen den Ländern können sie nutzen, um Produkte zu erfinden, die von diesen profitieren. Das zahlt sich etwa dann aus, wenn bestimmte Konstruktionen in einem Land mit weniger Kapital unterlegt werden müssen. „Es ist ein ständiger Wettlauf zwischen Hase und Igel“, sagt ein Wirtschaftsprüfer.

Die Ausweichmanöver können riskante Folgen haben. „Regulatorische Ineffizienzen könnten das Ziel stabiler Finanzmärkte unterminieren, wenn sie Marktteilnehmer dazu veranlassen, ihre Geschäfte außerhalb der regulierten Märkte abzuwickeln“, heißt es in einer aktuellen Analyse der Deutschen Bank. Zumal die Banken durch die bereits beschlossenen Vorschriften unter Kostendruck stehen und deshalb jede Möglichkeit nutzen, Kapital zu sparen.

Schattenbanken

Dabei ist die Flucht in andere Länder nicht der einzige Ausweg. Risiken könnten sich auch ins „Schattenbankensystem“ verlagern, warnte etwa Bundesbank-Präsident Axel Weber kürzlich und forderte, die Regulierung auszudehnen.

Das ist bisher kaum geschehen, obwohl die Krise 2007 in dieser Grauzone ihren Ursprung hatte. Unter Schattenbanken versteht man alle Unternehmen, die zwar wie Banken Geld leihen und verleihen oder mit Finanzprodukten handeln, aber weniger oder gar nicht reguliert sind. Hierzu zählen Geldmarktfonds, Zweckgesellschaften, Private-Equity-Firmen, Hedgefonds sowie die US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac.

Vor der Krise hatte sich diese Parallelwelt enorm aufgebläht. Mit einem Kreditvolumen von 20 Billionen Dollar im März 2008 war sie fast doppelt so groß wie das gewöhnliche Kreditgeschäft in den USA. Durch die Krise ist dieser Wert zwar geschrumpft, lag aber Anfang 2010 immer noch bei 16 Billionen Dollar.

Wie weit sind die Regulierer bei der Zähmung der Risiken an den großen Finanzplätzen rund um den Globus gegangen? Wir wirkt sich das auf die Bankgeschäfte aus? Wo reagieren Geldhäuser schon mit der Flucht ins Dunkel?

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