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Banken Das Schattenreich der Finanzindustrie

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London

Teilansicht der Londoner Quelle: REUTERS

Eine halbe Milliarde Euro lässt sich die Schweizer Großbank UBS ihr neues zwölfstöckiges Hochhaus nahe dem Bahnhof Liverpool Street in der Londoner City kosten. Der Kubus, den eine schimmernde Fassade aus Aluminium umhüllen soll, wird Handelsräume für insgesamt 3000 Händler beherbergen. Dass die von der globalen Finanzkrise schwer getroffene UBS nun in London investiert, findet Michael Bear, Bürgermeister des Londoner Finanzdistrikts, „sehr ermutigend“.

Finanzminister George Osborne will zwar die Abhängigkeit der britischen Wirtschaft vom Finanzsektor verringern, aber nicht die goldene Gans schlachten, die für die Konjunktur wichtig ist. Entsprechend halten sich Regulierungsbemühungen zusätzlich zu den EU-Beschlüssen in Grenzen. Eine Bankenabgabe soll es dennoch geben. Osborne hat aber bereits wissen lassen, dass er die Bonussteuer seines Vorgängers nicht verlängern wird.

Die 2009 eingeführte 50-prozentige Steuer auf Prämien von mehr als 25 000 Pfund brachte dem Fiskus 2,5 Milliarden Pfund. Doch das eigentliche Ziel, die Höhe der Boni zu beschränken, ist nicht erreicht worden, weil die meisten großen Häuser wie Goldman Sachs oder Deutsche Bank die Steuer für ihre Angestellten bezahlten.

Zudem umgehen die Banken die Verschärfung der Bonusregelungen durch höhere Grundgehälter. Bei Investmentbanken stiegen diese 2010 um durchschnittlich 20 Prozent, berichtet die Personalvermittlung Astbury Marsden.

Auch bei der Einkommensteuer kommt die Regierung den Finanzhäusern entgegen. Zwar hatte die Labour-Regierung den Spitzensteuersatz für Top-Verdiener auf 50 Prozent aufgestockt. Aber es gibt weiter ein Schlupfloch für ausländische Banker, Hedgefonds- und Private-Equity-Manager: Sie müssen nur ihr Einkommen in Großbritannien versteuern. Das im Ausland angelegte Vermögen und Einkünfte, die dort generiert werden, bleiben vom Zugriff des Finanzamtes verschont.

Zudem konnten die britischen Großbanken eine höhere Transparenz verhindern: Osborne legte die noch unter Labour beschlossene Regelung auf Eis, Empfänger von Boni von mehr als einer Million Pfund im Jahresbericht zu nennen.

Unklar sind die Auswirkungen weiterer neuer Regelungen: Um die Aufsicht zu verbessern, wird die unter Labour eingeführte Finanzaufsichtsbehörde aufgelöst und in die Bank of England integriert. Im Auftrag der Regierung prüft außerdem eine Expertenkommission, ob eine Aufspaltung der Universalbanken in Geschäfts- und Investmentbanken sinnvoll wäre. Das Ergebnis wird im September erwartet.

Trotz des Entgegenkommens der Politik wächst in London die Sorge, die City könne angesichts höherer Steuern und der insgesamt strengeren Regulierung einen Aderlass erleben. So haben die Fonds Brevan Howard und Bluecrest Capital wichtige Teile in die Schweiz verlegt.

Nach einer Umfrage der Denkfabrik Policy Exchange unter Londoner Finanzhäusern spielt rund ein Viertel der Befragten mit dem Gedanken, Teile ihrer Organisation ins Ausland zu verlagern. Das dürfte auch Teil einer Drohkulisse sein, um die eigene Position in den Verhandlungen mit der Politik zu stärken. „Ein Massen-Exodus aus der City steht nicht unmittelbar bevor, aber London könnte einen schleichenden Niedergang erleben“, warnt Ted Sumpster, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Policy Exchange. So droht etwa die Standard Chartered, die 85 Prozent ihres Gewinns in den wachstumsstarken Schwellenländern erwirtschaftet, immer wieder mit Abwanderung.

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