Agrarrohstoffe Deutsche Bank fährt Rohstoffhandel zurück

Die Deutsche Bank will ihre Beteiligung am Rohstoffhandel drastisch reduzieren: Energie- und Agrarrohstoffe sollen aus dem Portfolio verschwinden, nur Edelmetalle und Derivate sollen bleiben.

Tops und Flops der Rohstoffwetten im Selbstversuch

Die Deutsche Bank fährt ihren Handel mit Rohstoffen drastisch zurück. Die Bank werde sich aus dem Geschäft mit Öl, Gas, Kaffee, Getreide, Metallen und Massengütern wie Erz oder Kohle zurückziehen, teilte der Branchenprimus am Donnerstag mit. Bleiben sollen nur Rohstoff-Derivate und Edelmetalle. In den vergangenen Jahren hatte sich die Bank im Rohstoffhandel von Platz acht oder neun auf Platz vier der Welt vorgepirscht. Doch das Geschäft hat an Attraktivität für Banken verloren: Die Margen werden geringer, und der Handel absorbiert viel Kapital. Erst im Sommer hatte JPMorgan den Handel mit physischen Rohstoffen zum Verkauf gestellt, Morgan Stanley sucht seit fast zwei Jahren einen Käufer für sein Rohstoff-Geschäft.

Die bei Verbraucherschützern umstrittenen Wetten auf die Preise von Nahrungsmitteln und deren Grundstoffen sind von der Entscheidung nicht berührt. Ein Sprecher betonte, aufgegeben werde nur der Handel mit physischen Rohstoffen. Die Derivate gehörten weiterhin zum Kerngeschäft der Deutschen Bank. "Das ist keine strategische Entscheidung gegen solche Geschäfte."

So funktioniert der Rohstoffhandel

Colin Fan, der Co-Chef des Investmentbankings der Deutschen Bank, erklärte, der Teilausstieg aus dem Rohstoffgeschäft sei Teil der bis 2015 laufenden strategischen Überprüfung der Bank. "Wir haben attraktivere Wege gesehen, unser Kapital und unsere Bilanz einzusetzen", sagte Fan. "Der Schritt ist das Ergebnis regulatorischer Änderungen in der Branche. Er wird auch die Komplexität unseres Geschäfts verringern." Die Bank hatte den Rohstoffhandel lange zu den Wachstumssegmenten gezählt. Doch der Eigenhandel, der in diesem Bereich lange eine große Rolle spielte, ist inzwischen verpönt, die Institute müssen für en Handel nach den neuen Rehulierungsstandards deutlich mehr Kapital hinterlegen.

Das Derivate- und Edelmetall-Geschäft soll in die Sparte für festverzinsliche Papiere und Devisen eingegliedert werden. Rund 200 Mitarbeiter werden die Deutsche Bank im Zuge der Umstrukturierung verlassen, wie ein Insider sagte. Mehr als 40 kämen in anderen Bereichen unter. Deutschland sei davon nicht betroffen, sagte ein Sprecher. Allenfalls ein Teil der nun aufgegebenen Geschäfte könnte verkauft werden.

Die US-Notenbank Fed überprüft derzeit die Rolle von Banken im Handel mit physischen Rohstoffen. Der Schritt der Deutschen Bank habe damit direkt aber nichts zu tun, hieß es.

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Termingeschäfte und andere spekulative Transaktionen auf Basis von Nahrungsmitteln sind vor allem in Deutschland in die Kritik geraten, weil diese nach Ansicht von Nichtregierungsorganisationen zum Hunger in der Welt beitragen können. "Wenn die Deutsche Bank es dieses Mal ernst meint, ist dieser Schritt zu begrüßen", sagte Globalisierungs-Experte David Hachfeld von Oxfam. "Ob die Bank tatsächlich alle Fonds und ihren spekulativen Eigenhandel vollständig einstellen will, oder ob sie nur einen kleinen Teil ihres Geschäftes meint, muss geprüft werden."

Die Deutsche Bank und der Versicherer Allianz hatten die Geschäfte stets verteidigt. Studien hätten keine Belege für einen Zusammenhang mit einer Nahrungsmittel-Knappheit erbracht, hatte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen Anfang des Jahres gesagt. Agrar-Derivate erfüllten für die Landwirtschaft vielmehr eine wichtige Funktion im Handel. Mit dem Kauf der an Börsen gehandelten Papiere können sich Bauern gegen fallende Preise absichern. Zahlreiche andere deutsche Banken haben sich dennoch öffentlichkeitswirksam aus dem Geschäft zurückgezogen.

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