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Angst vor peinlichen Enthüllungen UBS-Zocker muss sich für Milliardenschaden verantworten

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Drohender Gesichtsverlust

Zwölf prominente "Verzocker"
Vince McMahon Quelle: AP
Eike Batista Quelle: dpa
Kweku Adoboli Quelle: REUTERS
Nick Leeson Quelle: REUTERS
Nelson Bunker Hunt; Herbert William Hunt
Jerome Kerviel Quelle: REUTERS
John Paulson Quelle: REUTERS

Und genau das wird wohl auch während des Adoboli-Prozesses eine der Kernfragen sein. Dem Diplomatensohn aus Ghana wird in zwei Anklagepunkten Betrug vorgeworfen, in zwei weiteren Bilanzfälschung. Wenn er auspacken und demonstrieren sollte, wie leicht er und die anderen Mitarbeiter seiner Abteilung mit dem militärisch anmutenden Namen "Delta One", die interne und externe Aufsicht über seine betrügerischen Machenschaften mit Termingeschäften täuschen konnte,  wird es nicht nur für die UBS peinlich, sondern auch für die britische Finanzaufsichtsbehörde FSA. Den übrigen Investmentbanken in der City droht ein weiterer Reputationsschaden, denn der Fall Adoboli wird der Öffentlichkeit erneut vor Augen führen, wie viel faul ist an einer Finanzkultur, deren Praktiken vor allem auf hemmungsloses und egoistisches Gewinnstreben ausgerichtet war. Kein Wunder, dass der neue UBS-Chef Sergio Ermotti seinen Untergebenen schon vor Beginn des Gerichtsverfahrens ein Email schickte, um den Schaden zu begrenzen: "Die während des Gerichtsverfahrens zur Sprache kommenden Details beschreiben einen vergangen Zustand. Nun sollten wir den Blick nach vorne richten", schrieb er beschwörend.

Das Umdenken beginnt

Die Bank hat Konsequenzen gezogen, Ermottis Vorgänger Oswald Grübel wurde gefeuert, die Risikokontrollen wurden verschärft und das Investmentbanking geschrumpft. Die UBS wird 1.400 der 18.000 Jobs im Investmentbanking streichen, zieht sich aus dem Eigenhandel und dem Geschäft mit komplexen strukturierten Produkten zurück. Auch bei ihrer Konkurrenz hat als Folge der Finanzkrise und der verschärften Kapitalanforderungen für riskante Geschäfte ein Umdenken begonnen. Das gilt zum Beispiel auch für für die Credit Suisse und die Deutsche Bank, die am Dienstag ihre neue Zukunftsstrategie vorstellen wird. Allein die Deutsche Bank will 1.500 Stellen im Investmentbanking abbauen.  

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Nun sollen also die Exzesse des Investmentbanking am größten Finanzplatz Europas gezähmt werden. Der britische Think-Tank CEBR erwartet, dass allein in London 2012 mindestens 25 000 Stellen gestrichen werden. In der Londoner City, die lange für ihre laxe "Light touch"-Regulierung berüchtigt war, steht eine Reform des Banken- und Aufsichtswesens an. Künftig werden strengere Regeln gelten als in anderen europäischen Ländern. Aber im Adoboli-Prozess werden erst einmal die Fehler der Vergangenheit zur Sprache kommen.

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