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Anklage gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Das Dilemma des Jürgen Fitschen

Mit der Anklageerhebung gegen Jürgen Fitschen stellt sich die Frage nach seiner Zukunft an der Spitze der Deutschen Bank: Fitschen muss nicht gehen. Aber er kann.

Kirch gegen Deutsche Bank
Der Fall Leo KirchFebruar 2002Rolf Breuer, der Chef der Deutschen Bank, stellte vor 10 Jahren die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe infrage. In einem TV-Interview, dass am 4. Februar bei Bloomberg TV ausgestrahlt wurde, sagt er, nach allem, was man „darüber lesen und hören“ könne, sei der Finanzsektor nicht mehr bereit, „auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“. Quelle: AP
Interview im Wortlaut Quelle: AP
Insolvenz Quelle: AP
Taurus-Holding Quelle: AP
BGH Quelle: dpa/dpaweb
Rücktritt Quelle: REUTERS
Abgewiesen! Quelle: dpa

Jürgen Fitschen muss nicht zurücktreten. Dafür ist der Druck nicht hoch genug. Auch jetzt, da offiziell feststeht, dass sich der Co-Chef der Deutschen Bank ab Ende April vor Gericht wegen versuchten Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren wird verantworten müssen, kann er im Amt bleiben. Sein Aufsichtsrat wird ihn kaum nachdrücklich zum Rückzug drängen, auch die Finanzaufsicht Bafin kann ihn nicht zur Demission zwingen.

Mit voraussichtlich einem Verhandlungstag pro Woche ist der zeitliche Aufwand des Prozesses in München zwar beachtlich, aber doch so überschaubar, dass Fitschen noch Zeit für das Tagesgeschäft bleibt. Zudem gilt die Unschuldsvermutung. Und angesichts der bisher bekannten Beweislage ist es durchaus möglich, dass der Prozess letztlich das bestätigt, was der Co-Chef der Bank immer gesagt hat. Dass er „weder gelogen noch betrogen“ hat und den Gerichtssaal als freier Mann verlässt. Fitschen, das ist klar, will kämpfen, er fühlt sich schlicht ungerecht behandelt und will seine Unschuld beweisen.

Die Protagonisten im neuen Kirch-Prozess

Jenseits formaler Dimensionen und des Wunsches nach Gerechtigkeit stellt sich aber die dringende Frage, ob ein Verbleib im Amt für die Bank in ihrer jetzigen, ohnehin schwierigen Situation sinnvoll ist. Es gibt durchaus Gründe, die dafür sprechen. So hat Fitschen in den bisherigen drei Jahren seiner Amtszeit sehr gut mit seinem Partner Anshu Jain harmoniert. Bei einem Fitschen-Ersatz könnte das deutlich weniger gut klappen.

Zudem genießt er bei den Unternehmenskunden großes Ansehen und ist innerhalb der Bank zudem vermutlich der Vorstand, der über alle Lager hinweg die höchste Akzeptanz genießt.

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Andererseits stellt sich die Frage, ob Fitschen das Bemühen der Deutschen Bank um Kulturwandel und Rückgewinnung verlorener Reputation noch glaubhaft nach außen verkörpern kann, wenn er Woche für Woche wegen einer Straftat vor Gericht steht.

Hinzu kommt: Er ist 66 Jahre alt. Fitschen ist kein Mann der Zukunft, wie es Josef Ackermann war, als der als amtierender Deutsche-Bank-Chef wegen möglicher Untreue bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone auf der Anklagebank saß. Ursprünglich sollte Fitschens Amtszeit ohnehin 2015 enden. Und jetzt, da die Bank nach einer neuen Strategie sucht, könnte diese auch durch einen personellen Neubeginn an der Spitze symbolisiert werden. Ohne, dass der Schritt notwendigerweise ein Schuldeingeständnis ist.

Fitschen ist für die Bank wichtig, aber nicht unersetzbar. Er hat eine klare Aussage zu seiner Zukunft bisher vermieden, aber vieles deutete darauf hin, dass er bleibt. Er muss auch nicht zurücktreten. Aber er muss es sich gut überlegen.

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