Aufsichtsrat Deutsche Bank sperrt Boni für Top-Manager

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, dass frühere und aktive Vorstände des Geldhauses erhebliche Abstriche bei ihrer Vergütung machen müssen.

Was Topmanager als Kinder werden wollten
Ursula Soritsch-Renier, Leiterin der IT bei SulzerIm Vorschulalter wollte ich Rosenverkäuferin werden. Ich wollte soviel wie möglich von diesen wunderschönen Blumen haben. Natürlich habe ich damals überhaupt nicht verstanden, dass ich diese Rosen hätte verkaufen müssen. Über die Zeit wollte ich dann Arzt, so wie mein Vater werden, bevor ich gegen Ende meiner Gymnasialzeit bereits in den Wirtschaftsbereich übergesiedelt bin und lauthals verkündet habe, dass ich mit 40 in irgendeinem Vorstand sitze.
Bernhard Mattes, Deutschlandchef Ford"Am liebsten Fußballer. Ich spielte nicht nur im Verein, ich war jeden Nachmittag, egal, wie das Wetter war, auf dem Platz. Meine Freunde und ich suchten nach immer neuen Gegnern, und in den Ferien veranstalteten wir sogar ein Trainingslager." Quelle: dpa
Simone Menne, Finanzvorstand Lufthansa"Fotografin. Als ich zehn war, habe ich einem Bekannten einmal in einer Dunkelkammer bei der Entwicklung von Schwarz-Weiß-Bildern zugesehen. Das hat mich fasziniert, und meine Eltern haben mir zum 16. Geburtstag eine Spiegelreflexkamera geschenkt. Ich mochte daran, dass es ein künstlerischer Beruf ist, aber eben auch ein Handwerk." Quelle: REUTERS
Nathalie Roos Quelle: PR
Günther Fielmann Quelle: dpa
Klaus Fischer Quelle: dpa
Alain Caparros, CEO der Rewe-Gruppe"Als ich als Kind mit meinen Eltern nach Lothringen gezogen bin, ging ich zuerst auf eine Jesuiten-Schule. Das hat mich sehr geprägt. Deshalb war damals für einige Zeit mein Berufswunsch Pfarrer." Quelle: dpa
Wolfgang Grupp Quelle: dapd

Die Deutsche Bank knöpft sich wegen der milliardenschweren Zinsaffäre die Top-Manager vor. Der Aufsichtsrat unter Leitung von Paul Achleitner habe bei seiner jüngsten Sitzung in New York beschlossen, dass frühere und aktive Vorstände des Geldhauses abermals erhebliche Abstriche bei ihrer Vergütung verschmerzen müssten, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Die langfristigen erfolgsabhängigen Gehaltskomponenten aus früheren Jahren, die 2015 teilweise zur Auszahlung anstünden, würden eingefroren. Davon ausgenommen sind nur jene Manager, die neu in den Vorstand aufgerückt sind: Vorstandschef John Cryan, Finanzchef Marcus Schenck und Privatkundenchef Christian Sewing. Ein Banksprecher wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

In diesen Branchen kriegen die Chefs am meisten

Einen solchen Bonus-Aufsichtsratsbeschluss gab es bereits im vergangenen Jahr wegen der unzähligen Rechtsstreitigkeiten. Nun geht es den Insidern zufolge konkret um die Affäre mit manipulierten Zinssätzen, die die Bank zuletzt eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar nur für die angelsächsischen Regulierer kostete. Zusammen mit dem früheren Beschluss liegt einem der Insider zufolge eine Summe von etwa 16 Millionen Euro auf Eis. Im Top-Management macht das Fixgehalt seit Jahren nur noch einen geringen Teil der Gesamtvergütung aus. Die einbehaltenen Prämien sind für die Betroffenen noch nicht verloren, sie könnten das Geld zu einem späteren Zeitpunkt bekommen. Die Bank will zunächst aber ausführlich prüfen, wer bei den unzähligen Skandalen welche Rolle gespielt hat.

Für die jüngste Entscheidung im Aufsichtsrat spielt der Bericht der Finanzaufsicht BaFin zum Zinsskandal eine wichtige Rolle. Darin wird teils deutliche Kritik an Einzelpersonen geübt. Neben dem inzwischen abgetretenen Co-Vorstandschef Anshu Jain gehören dazu unter anderem die weiter amtierenden Vorstände Stefan Krause, Stephan Leithner und Henry Ritchotte.

Zu Milliardenstrafen an die Behörden, etwa im Zuge des Zinsskandals, kommen für den Konzern weitere Belastungen hinzu, die sich quasi zu dauerhaften Kosten entwickelt haben: So zahlt die Bank pro Jahr 150 Millionen Euro für ihre gut beschäftigte interne Rechtsabteilung und 350 Millionen Euro für externe Anwälte, wie einer der Insider sagte. Die Rückstellungen für künftig erwartete Strafzahlungen liegen noch immer bei 3,8 Milliarden Euro, Tendenz steigend, wie die Deutsche Bank erst am Donnerstag mitgeteilt hatte. Cryan, der am 1. Juli den glücklosen Anshu Jain abgelöst hatte, sprach von verschwenderisch hohen Kosten - auch weil die Bank viel zu komplex und ineffizient sei.

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Er feilt derzeit an den Details der neuen "Strategie 2020", die spätestens Ende Oktober bekanntgegeben werden sollen. Beschlossen ist einem der Insider zufolge inzwischen der Rückzug aus sechs Ländern, in denen die Deutsche Bank keine große Repräsentanz hat: Finnland, Dänemark, Norwegen, Malta, Peru und Neuseeland. Der Rückzug aus bis zu sechs weiteren Ländern werde noch geprüft. Die Bank wollte sich zu diesen Informationen nicht äußern sondern bekräftige, Entscheidungen würden bis Ende Oktober veröffentlicht.

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