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Ausgliederung Commerzbank spart mit Servicetöchtern

Exklusiv

Im Interview mit der WirtschaftsWoche stellt Commerzbank-Personalvorstand Frank Annuscheit das Konzept mit konzerneigenen Servicetöchtern vor.

Die Baustellen des Commerzbank-Chefs
Stellenabbau auf der FührungsebeneDer Streichung von 5200 Stellen quer durch die Bank und in den Filialen folgt nun der radikale Abbau von Führungspersonal: Personalvorstand Ulrich Sieber muss gehen. Der Aufsichtsrat beschloss am 6. November, ihn zum Jahresende von seinem Posten abzuberufen. Verfehlungen wirft sie dem auch für die interne Abbaubank NCA zuständigen Manager nicht vor. Hintergrund ist ein Streit darüber, wie viel Abfindung ihm zusteht. Sieber will gegen die Entscheidung des Aufsichtsrats juristisch vorgehen. Siebers Vorstandskollege Jochen Klösges entgeht seiner drohenden Abberufung durch einen Wechsel zur Hamburger Reederei Erck Rickmers. Nicht nur die beiden Posten im derzeit neunköpfigen Vorstand der Bank will Blessing abschaffen. Auch auf Ebene der zahlreichen Bereichsvorstände sollen Manager wegfallen. Eine Stufe tiefer hat die Bank bereits zahlreiche Posten von Bereichsvorständen gestrichen und will auch die Ebene der Bereichsleiter ausdünnen. Quelle: dpa
Umbau der PrivatkundensparteSie ist Blessings wohl wichtigstes Projekt. 1.200 Filialen und elf Millionen Kunden hat die Sparte. Martin Blessing und sein Privatkundenvorstand Martin Zielke vergleichen die Herausforderungen im Filialgeschäft gern mit der Situation der Printverlage, die ihr Geschäftsmodell für die digitale mediale Zukunft wappnen müssen. Auch Bankfilialen sehen sich mit Kundenschwund konfrontiert, seit Bankgeschäfte über das Internet von zuhause aus oder mit Mobilgeräten sogar unterwegs erledigt werden können. Die Commerzbank will reagieren, indem sie ihre Filialen onlineaffin macht. Quelle: dpa
Besserer ServiceDie Filialen sollen zwar beibehalten werden, doch deren Service soll unabhängiger von den Öffnungszeiten werden. Kunden sollen Standardprodukte wie Girokonten oder Konsumentenkredite auch online abschließen können, ohne dafür eine Filiale aufsuchen zu müssen. Das gilt auch für Baufinanzierungen. Mit einer Servicehotline will die Commerzbank 24 Stunden täglich und sieben Tage die Woche erreichbar sein. Quelle: dpa
Altlasten der EurohypoNeben den aktuellen Umbauaktionen darf der noch ausstehende Rückbau von Altlasten vor allem aus der untergegangenen Ex-Tochter Eurohypo (jetzt Hypothekenbank Frankfurt) nicht in Vergessenheit geraten. Blessing und seine Mannschaft können Erfolge beim Schrumpfen notleidender gewerblicher Immobilienfinanzierungen verzeichnen. Im Juli verkaufte sie gewerbliche Immobilienkredite von fünf Milliarden Euro, sowie das gesamte operative Geschäft der Eurohypo an die US-Großbank Wells Fargo und den Finanzinvestor Lone Star. Doch damit ist es noch nicht getan. Griechische Staatsanleihen hat die Commerzbank zwar aus ihrer Bilanz verbannt, muss aber noch Finanzierungen anderer europäischer Krisenstaaten loswerden. Quelle: dpa
Sorgenkind SchiffsfinanzierungDie Commerzbank sitzt noch auf einem Berg milliardenschwerer Schiffs- und Staatsfinanzierungen. Die wackligen Schiffskredite stehen noch mit einem Betrag von 17 Milliarden Euro in den Büchern (Stand, 8. August 2013). Das Portfolio an Schiffskrediten soll bis 2016 um 40 Prozent reduziert werden. Um hohe Abschläge bei einem Verkauf zu vermeiden, hat sich die Bank dazu entschlossen, einige Schiffe selbst zu betreiben und hierzu die Hanseatic Ship Asset Management gegründet. Quelle: dpa

Während in den Filialen und der Zentrale mehrere tausend Jobs verschwinden, setzt die Commerzbank auf billigere Servicetöchter. „Mittlerweile arbeiten dort über 2000 Mitarbeiter und noch im laufenden Jahr planen wir einen weiteren Ausbau um circa 300 neue Mitarbeiter“, sagte Commerzbank-Personalvorstand Frank Annuscheit im Interview mit der WirtschaftsWoche. Die Commerzbank verlagere zunehmend Aufgaben in konzerneigene Servicegesellschaften, sodass diese laut Annuscheit immer mehr Geschäft abwickelten.

Die Standorte lägen meist in Regionen mit niedrigerem Lohnniveau als der Hauptsitz Frankfurt und zunächst seien dort vorwiegend standardisierte Tätigkeiten wie Zahlungsverkehr oder einfache Kontoführung bearbeitet worden. „Die Servicetöchter übernehmen nun aber immer anspruchsvollere Aufgaben wie Softwaretests, Teile der Wertpapierabwicklung oder Aufgaben aus der Kreditsachbearbeitung“, sagte Annuscheit dem Magazin. Die Commerzbank hatte im vergangenen Jahr angekündigt, 5200 Stellen bis 2016 streichen zu wollen. Davon sei ein gutes Drittel bereits geschafft, sagte Annuscheit.

Der Personalvorstand bevorzugt das Konzept der Commerzbank mit konzerneigenen Servicetöchtern gegenüber dem Auslagern an externe Dienstleister. So müsse sich die Bank die Kostenersparnis mit keinem Fremdanbieter teilen und behalte zudem die Kontrolle über die Prozesse.

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