Außerordentliche Hauptversammlung Deutsche Bank vor Pflichtveranstaltung im Boxring

Die drei Tagesordnungspunkte der außerordentlichen Hauptversammlung der Deutschen Bank könnten schnell abgehakt sein. Aber Vorstand und Aufsichtsrat droht eine lautstarke Abrechnung durch wütende Aktionäre. Für den designierten Aufsichtsratschef Paul Achleitner ist es eine Feuerprobe.

Die Liste der Rechtsstreitigkeiten und Vorwürfe gegen die Deutsche Bank ist lang. Viele der an der außerordentliche Hauptversammlung teilnehmenden Aktionäre dürften auf Stellungnahmen zu den ganzen Vorwürfen hoffen. Quelle: dpa

Die Deutsche Bank hat wahrlich genug Baustellen. Die Beteiligung am Geschäft mit Steueroasen, der Skandal um Zinsmanipulationen, Hypothekenklagen in den USA, mutmaßliche Bilanztricksereien - die Liste der Rechtsstreitigkeiten und Vorwürfe gegen die Deutsche Bank ließe sich beliebig fortsetzen. Viele der teilnehmenden Aktionäre dürften auf Stellungnahmen zu den ganzen Vorwürfen hoffen, wenn am Donnerstag, dem 11. April, die außerordentliche Hauptversammlung des größten deutschen Geldhauses in der Frankfurter Jahrhunderthalle beginnt. Dabei geht es bei dem Aktionärstreffen eigentlich nur um drei Tagesordnungspunkte eher formellen Charakters. Es sollen gerichtlich angefochtene Beschlüsse der regulären Hauptversammlung von 2012 bestätigt werden.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa

Im Einzelnen geht es um die Wahl des alten und wohl auch neuen Abschlussprüfers KPMG, die Bestätigung der drei neuen Aufsichtsratsmitglieder Klaus Rüdiger Trützschler, Peter Löscher und dem genannten Paul Achleitner sowie um die Ausschüttung einer Dividende von 0,75 Euro je Aktie. Wichtige Stimmrechtsvertreter wie Institutional Shareholder Services, die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Fondsgesellschaft Union Investment haben bereits ihre Zustimmung zu diesen Punkten signalisiert. Eigentlich könnte das Aktionärstreffen also schnell vorbei sein.

Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Bank

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass es deutlich länger dauert - und womöglich sogar laut wird. In der Bank bereitet man den Vorstand um die neuen Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain sowie den neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner prophylaktisch auf unangenehme Fragen zu den erwähnten Themen vor, um neuen Klagen keinen Vorschub zu leisten. "Wir werden den Finger voll in die Wunde legen", hat ein kritischer Aktionär angekündigt, der nicht namentlich genannt werden will. Fragen seien unter anderem: Hat die Bank alles richtig bilanziert? Wie hat sie Spielräume genutzt? Wie genau haben die Prüfer hingeschaut?

Diese Fragen dürften vor allem für die Bestellung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG eine Rolle spielen - auch wenn sie sie letztlich kaum verhindern werden. Grund für die Einberufung des Treffens ist der Dauerstreit der Deutschen Bank mit der Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch. Ein Anwalt der Erben hatte - erstinstanzlich erfolgreich - Beschlüsse der Hauptversammlung 2012 angefochten, weil er sich in seinem Rederecht behindert sah - darunter die Wahl von KPMG zum Wirtschaftsprüfer. Ohne diesen Beschluss gibt es keinen testierten Geschäftsbericht. Das Landgericht Frankfurt hatte der Klage stattgegeben und die Entscheidungen für nichtig erklärt.

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