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Ausstieg bei der Postbank Halber Befreiungsschlag der Deutschen Bank

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Idee der Universalbank wird weiter leben

Das ist nachvollziehbar, aber doch auch ein Zeichen der Mutlosigkeit. Neben der ausreichenden Kapitalstärke vermissten die Investoren bei der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren auch die klare strategische Fokussierung. Daran ändert sich nun kaum etwas. Es bleibt der Eindruck einer Bank, die irgendwie alles machen will und deshalb nichts so richtig macht. Eine komplette Trennung vom Geschäft mit Privatkunden wäre hier der eindeutigere Schritt gewesen.

Er hätte auch die kulturellen Konflikte innerhalb des Instituts beendet, die dieses so tief wie kaum je zuvor spalten. Auch wenn die Bank das Investmentbanking weiter stutzt und mitteilt, dass sie ins Privatkundengeschäft investieren will, ist der von Rainer Neske geführte Bereich der klare Verlierer der Neuausrichtung. Bei den Filialen der Deutschen Bank droht eine deutliche Schrumpfkur, zudem wird die Bank wohl ihren Anteil an der chinesischen Hua Xia Bank verkaufen, den Neske stets verteidigt hat.

Es erscheint auch gut möglich, dass sie sich aus europäischen Märkten zurückzieht. Das Geschäft, das Josef Ackermann in den Jahren unmittelbar nach der Finanzkrise zum nahezu gleichwertigen Gegengewicht zum volatilen Investmentbanking ausbauen wollte, wird künftig wohl kaum mehr als ein Anhängsel im Großkonzern sein. Wie das zu der gerade auch von Deutsche-Bank-Managern immer wieder gemachten These passt, dass hier künftig länderübergreifende Größe über den Erfolg entscheidet, müssen diese erst einmal erklären.

Banken



Die schon jetzt überall spürbare Frustration in dem Geschäftsbereich wird in den kommenden Monaten wohl weiter wachsen. Mit Investitionen in die Vermögensverwaltung stärkt die Bank zwar einen stabilen Bereich, doch seit der Jain-Vertraute Michele Faissola hier das Sagen hat, gilt dieser als Kontrollgebiet von „Anshus Army“. Schon bisher meinten die Privatkundenbanker, dass sie mit Sparrunden für die Sünden der ungleich besser bezahlten Investmentbanker büßen müssen.

Die Rekordstrafe, die die Bank gerade erst für die Manipulation von Referenzzinsen zahlen musste, gibt den immensen Vorbehalten neues Feuer. Tatsächlich haben nicht zuletzt die immensen Prozesskosten die strategische Neuausrichtung überhaupt nötig gemacht. Wie sich die tiefen Risse kitten jemals kitten lassen sollen, ist kaum absehbar. Die Idee der Universalbank mag bei der Deutschen Bank vorerst weiter leben. Das Konzept der „einen Bank“ mit einheitlicher Kultur und Wertegerüst ist seit Freitagabend erst einmal Geschichte.

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