WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Wiwo Web Push

Axel Weber „Keines der Probleme Europas lässt sich nur geldpolitisch lösen“

Seite 4/4

„Ich würde noch nicht den Stab brechen über der amerikanischen Administration“

Also sollte Europa von selbst die Regeln lockern?

Generell gilt: Solche Diskussionen sollten nicht unilateral geführt werden, sondern im Basler Ausschuss für Bankenaufsicht der wichtigsten Industrieländer. Davon abgesehen könnte man durchaus den Mut haben, Regulierungen, die sich als nicht besonders sinnvoll und stabilitätsfördernd erwiesen haben, zurückzudrehen.

Die US-Regierung wirkt nicht übermäßig an einem koordinierten Vorgehen interessiert.

Ich kenne Gary Cohn, der den Präsidenten in diesen Fragen berät, sehr gut und lange. Und ich habe ihn als einen sehr differenzierten, an Details interessierten Kollegen kennengelernt, als er noch Präsident von Goldman Sachs war. Ich würde noch nicht den Stab brechen über der amerikanischen Administration.

Sie sehen keinen Wettbewerbsnachteil für Europas Banken?

Zehn Jahre nach der Krise ist auch in Europa ein guter Zeitpunkt, um innezuhalten und zu fragen: Bringt das Mehr an Regulierung wirklich zusätzliche Stabilität? Ich glaube, an manchen Stellen ist jetzt der Zeitpunkt erreicht, wo eher das Gegenteil der Fall ist. Wer immer mehr reguliert, macht es immer schwieriger, Wachstum zu finanzieren.

Europas Banken werden immer noch als angeschlagene Branche wahrgenommen. Sind Sie stark genug, um Gehör zu finden?

Zunächst einmal: Wir sind eine Schweizer Bank, und ich mache mir um die Solidität und Stabilität unserer Bank keine Sorgen. Wir sind gut aufgestellt und handeln über Buchwert. Ich glaube dennoch, dass der zusätzliche Beitrag von weiteren Regulierungen, die in der Basler Pipeline sind, durchaus hinterfragt werden kann. Aber es stimmt schon: Einige europäische Banken sind noch nicht so weit, wieder zu alter Größe zu finden. Wir haben ja über die letzten Wochen gesehen, dass es noch Bereinigung in Bankbilanzen braucht. Anders als bei uns werden viele Geschäftsmodelle im Markt kritisch gesehen.

Eine Antwort darauf wäre, sich durch Zusammenschlüsse zu stärken.

Wir sind zurzeit wirklich auf organisches Wachstum sowie die Kostenseite der Bilanz konzentriert und weniger auf Übernahmen.

Sie hatten Interesse an der Commerzbank

Ganz generell gilt doch: Wenn eine der systemrelevanten großen Banken derzeit versuchen würde, durch Übernahmen zu wachsen, würden das die Regulatoren auf beiden Seiten des Rheins sehr kritisch sehen.

Aber keine europäische Bank ist groß genug, vorne mitzuspielen.

Ich glaube, dass dies noch nicht die Zeit für eine große Konsolidierung durch Übernahmen im europäischen Markt ist. Es gibt in Europa zu viele Banken, aber das Gebot der Stunde lautet: Jeder muss an seinen Kosten arbeiten. Wir haben per Ende 2016 Nettokostenersparungen von 1,6 Milliarden Franken erreicht. Wir sind auf einem guten Weg, das auf 2,1 Milliarden bis Ende des Jahres zu erhöhen. Das ist eine deutliche Steigerung der Profitabilität der UBS. Wenn wir das über die Kosten machen können, überlasse ich das Träumen über Fusionen gerne anderen.

Wie weit lässt sich noch sparen?

Wir sind mittendrin und schauen uns diverse Optionen an, unter anderem auch das oft diskutierte Zusammenlegen von gewissen Backoffice-Funktionen verschiedener Banken.

Also eine Art Halb-Fusion?

Sie werden meines Erachtens in so einer Situation nach wie vor unabhängige Frontoffices der verschiedenen Banken haben. Aber es gibt dann durchaus Möglichkeiten, in gewissen Bereichen Kooperationen voranzubringen. Innovation und weitgehende Standardisierung bei IT-Lösungen, ähnlich wie bei der Erfindung der Container im Transportwesen, dürften perspektivisch zu massiven Kosteneinsparungen führen.

Wie akut sind diese Pläne?

Das steckt aktuell noch in den Kinderschuhen, wird aber über die nächsten fünf bis zehn Jahre erheblich an Dynamik gewinnen.

Neben diesen strukturellen Fragen beschäftigt die digitale Disruption die Finanzbranche. Nutzen Sie zum Beispiel Bitcoin?

Nein.

Warum nicht?

Weil ich Notenbanker war und das Angebot bei Währungen durch Notenbanken bestimmt wird. Es gibt niemanden, der das Angebot an Bitcoin steuert, und deswegen halte ich Bitcoin für keine stabile Währung.

Sie glauben nicht, dass die Blockchain-Technologie Banken angreift?

Ich glaube durchaus, dass die Blockchain-Technologie bei uns Einzug halten wird, sie hat großes Potenzial. Aber bei der Währung Bitcoin bin ich skeptisch.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%