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Axel Weber „Keines der Probleme Europas lässt sich nur geldpolitisch lösen“

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„Unsere DNA ist die Vermögensverwaltung und die Universalbank in der Schweiz“

In Deutschland laufen Verfahren gegen Kunden jetzt erst richtig an. Sie schließen aus, dass daraus weitere Konsequenzen für die UBS drohen?

Das schließe ich aus. Wir haben mit den deutschen Behörden in der Steuersache bereits vor drei Jahren eine Einigung erzielt. Wir haben eine klare Agenda für die globale Vermögensverwaltung in der Bank, und die treiben wir voran. Dafür haben wir unsere komplette Kundenbetreuung neu organisiert. Wir unterscheiden nicht mehr zwischen dem Offshore-Geschäft hier in der Schweiz und dem Onshore-Geschäft, sondern betreuen globale diversifizierte Portfolien von Kunden mit unserer einzigartigen Expertise infolge unserer globalen Präsenz, selbstverständlich unter Einhaltung aller rechtlichen oder regulatorischen Auflagen des jeweiligen Landes.

Sie sehen Ihre Neuorganisation ganz schön positiv. Amerikanische Banken, die sich nicht auf Vermögensverwaltung sondern auf Investmentbanking spezialisiert haben, verdienen heute wieder richtig Geld.

Unsere DNA ist die Vermögensverwaltung und die Universalbank in der Schweiz. Mit dieser DNA können Sie nicht gleichzeitig eine dominante Rolle als Investmentbank spielen. Die Regulierung führt dazu, dass wir auf Dauer in dem Bereich, den Sie im engeren Sinne als Investmentbanking verstehen, nicht mehr die alten Renditen erreichen. Wir haben mit unserer fokussierten Investmentbank die richtige Strategie und sie funktioniert.

2016 ist Ihr Gewinn aber eingebrochen …

Die UBS-Gruppe hat letztes Jahr mit mehr als drei Milliarden Gewinn ein solides Ergebnis erzielt. Im Vorjahr profitierten wir von Steuergutschriften, aber operativ war 2016 in einem schwierigeren Umfeld in etwa gleich mit 2015. Wenn Sie sich unsere Geschäftsergebnisse anschauen, sehen Sie trotz teilweise widrigen Umfelds sehr gute und kontinuierliche Erträge. Wir haben die richtige Balance zwischen Investmentbanking und Vermögensverwaltung getroffen. Vor 2012 hat die Investmentbank etwa zwei Drittel des Kapitals der Bank gebunden, um etwa ein Drittel zum Ergebnis beizutragen. Heute bindet die Investmentbank noch etwa ein Drittel des Kapitals und trägt auch fast ein Drittel zum Ergebnis der Bank bei. Das ist deutlich effizienter. Wir wachsen im Bereich der Vermögensverwaltung derzeit jedes Jahr ordentlich, sodass wir alle fünf Jahre bis zehn Jahre über organisches Wachstum Assets im Umfang einer mittleren Privatbank hinzubekommen.

... aber in Sachen Größe und Wahrnehmung eilen Ihnen die amerikanischen Banken davon.

Sie können das nicht eins zu eins vergleichen. Amerika erlaubt seinen Banken, vieles an den Kapitalmarkt auszulagern, was wir in der Bilanz halten müssen, und das ermöglicht effizienteres Banking. Wir haben am amerikanischen Kapitalmarkt teil, aber spielen dort nur bei der Vermögensverwaltung in der gleichen Liga wie die amerikanischen Platzhirsche.

Sie haben sich lange auf Asien statt Amerika konzentriert. Ein Fehler?

Asien ist und bleibt ein Wachstumsmarkt. Wir bauen unser Geschäft dort ebenso aus wie in den USA. Wir haben gut 20.000 Mitarbeiter in den USA, sind dort größer als Goldman Sachs, an 300 Standorten vertreten. Je stärker die USA wachsen, desto mehr Chancen bietet der amerikanische Markt für uns.

Die neue amerikanische Regierung scheint die Regeln für US-Banken lockern zu wollen. Dadurch geraten Sie weiter in Rückstand.

Banken brauchen ein Mindestmaß an weltweit gültigen Spielregeln. Ich fand es absolut richtig, dass die Regulierung des Bankensektors nach der Krise strenger wurde. Wenn das für alle gilt, entstehen daraus auch keinem Wettbewerbsnachteile. Das ändert sich natürlich, wenn jetzt ein Land oder eine Region Teile der Regeln nicht umsetzen würde.

Vertrauen Sie noch darauf, dass man mit der Regierung Trump über solche Fragen verhandeln kann?

Man muss jetzt sehr genau schauen, was von der amerikanischen Administration infrage gestellt wird. Sollte man feststellen, dass dort primär solche Regeln überarbeitet werden, die Wachstum und Entwicklung stark hemmen, ohne einen deutlichen Stabilitätsbeitrag zu liefern, kann man durchaus etwas zurückbauen. Aber dann bitte nicht in nationalen Alleingängen und nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und in der Schweiz.

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