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Deutsche Bank-Commerzbank-Fusion wäre ein schlechter Kompromiss Quelle: dpa

Der Fluch des Mittelmaßes

Die Sehnsucht nach der Superbank ist fatal. Das Fusionsprodukt aus Commerzbank und Deutsche Bank kann nur ein fauler Kompromiss sein.

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Die jüngste Episode im Fusionspoker sagt alles. Da wird bekannt, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs die Commerzbank in den Gesprächen mit der Deutschen Bank begleiten soll. Es ist dasselbe Haus, für das Jörg Kukies bis vor einem Jahr in führender Stellung gearbeitet hat. Jetzt amtiert er als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium (BMF), das den 15-Prozent-Anteil des Staates an der Commerzbank verwaltet. Aus Sicht des BMF ist das alles nicht weiter schlimm. Kukies habe ja bei Goldman die meiste Zeit im Handel gearbeitet, weit weg vom Beratungsgeschäft.

Klare Verhältnisse sehen anders aus. Und hier liegt das Problem. Aus Angst vor den Ausländern will Deutschland im Banking einen Champion schaffen. Doch das Vorhaben kann nur scheitern, die Interessen der Beteiligten sind zu widersprüchlich.

Die Gemengelage wirkt gruselig. Eine unsanierte und skandalgebeutelte Deutsche Bank verliert gerade im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung eine Liga aus den Augen, die die Commerzbanker seit Jahren eh nur noch vom Hörensagen kennen. Die lächerlich kleinen Börsenwerte der beiden größten Banken der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt spiegeln das bitterste Urteil wider, das der Finanzmarkt zu vergeben hat: no fantasy.

Die amerikanische Konkurrenz wurde nach der Finanzkrise brachial saniert und deklassiert heute im Investmentbanking jeden. Die Schweizer Konkurrenz besann sich nach dem Beinahekollaps auf ihre Wurzeln und macht heute die Reichen noch reicher. Die deutschen Privatbanken können weder das eine noch das andere richtig. Firmenkredite, Girokonten und ein bisschen seriöse Handelsfinanzierung beeindrucken keinen. Zudem nimmt die Dominanz von Sparkassen und Genossenschaftsbanken dem Heimatmarkt jede Dynamik.

Der Fluch des Mittelmaßes liegt über dem Versuch, die „Deutsche Commerz“ zu bauen. Wie in „Bauer sucht Frau“ fehlen die Voraussetzungen für ein Traumpaar. Höchstens nach einem Blutbad an der Jobfront ließe sich etwas Sinnvolles bauen. Doch das kann der Großaktionär niemals durchwinken. Um dem neuen Linkskurs seiner Partei gerecht zu werden, dürfte der zuständige Bundesfinanzminister Olaf Scholz möglichst viele Stellen retten wollen. So ist das eben mit der Industriepolitik. Statt einer Superbank entstünde ein superfauler Kompromiss. Ein ewig renditeschwaches Systemrisiko ohne klare Strategie. Exjuso Kukies müsste das ahnen.

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