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Bank der Untoten Monte dei Paschi, Italiens Sündenfall

Quelle: imago

Vor zwei Jahren rettete der italienische Staat Monte dei Paschi mit Milliarden vor dem Untergang. Doch noch immer gehen von der Bank Risiken aus, die bezeichnend sind für das Land. Portrait einer Institution, die seit 500 Jahren nicht totzukriegen ist.

Sie hatten ihm geraten, sich warm anzuziehen. Dennoch hat Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan an diesem Tag nur einen Blazer über das am Kragen offene Hemd gezogen. Schließlich möchte er auf keinen Fall den Eindruck erwecken, hier im toskanischen Siena etwas befürchten zu müssen. Aber seine ersten Sätze, die er hier unter Parteifreunden an einem Tag Ende Januar spricht, klingen nach Rechtfertigung. „Monte dei Paschi ist eine Erfolgsgeschichte und wird noch viel zum Wachstum von Siena und ganz Italien beitragen“, sagt Padoan in ein schweigendes Halbrund an Zuhörern. Als er merkt, dass die Herzen ihm nicht gerade zufliegen, spricht er weiter, wird eindringlicher: „Ich bin zuversichtlich, dass die Bank schon bald keine Staatshilfen mehr braucht. Schon bald wird sie wieder alleine bestehen können.“

Italiens Finanzminister ist von jeher nicht um seine Aufgabe zu beneiden: die hohen Staatsschulden, die Ausgabenfreude seiner Ministerkollegen, der Druck der europäischen Partner. Pier Carlo Padoan aber hat in diesen Tagen zudem einen besonderen Kampf auszutragen: Sein Spitzenkandidat, der Sozialdemokrat Matteo Renzi, hat ihm aufgetragen, sich für die Parlamentswahlen am Sonntag im Wahlkreis Siena für ein Direktmandat zu bewerben.

Ausgerechnet Padoan in Siena. Dort residiert eben jene Banca Monte dei Paschi, die älteste Bank der Welt, und seit zwei Jahren Europas größte Sorgenbank. Nur mit viel Einsatz von Staatsgeld konnte Padoan die Bank vor eineinhalb Jahren vor dem Zusammenbruch bewahren. Allerdings mussten Sparer, Institutionen und Unternehmen aus der Region Siena ebenfalls einen Teil tragen. Was den Minister nicht beliebter machte.

Das eine Lager in Siena trägt ihm nach, dass sein Rettungskurs, der den Staat zum größten Aktionär der Bank machte, Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region koste. Das andere Lager bemängelt, dass er nicht konsequent genug mit den alten Seilschaften, die die Pleite der Bank herbeiwurstelten, aufräumt.

Das Hin und Her zeigt, dass die älteste Bank der Welt alles Mögliche ist, aber sicher nicht endgültig gerettet. Im Gegenteil: Zwar ist es Padoan, ehemals Chefökonom der Industrieländer-Organisation OECD und Wirtschaftsprofessor, gelungen, Italiens Bankensektor insgesamt zu stabilisieren und konsolidieren. Zum Teil durch kreative Auslegung Brüsseler Richtlinien, als er der zweitgrößten italienischen Bank Intesa Sanpaolo mit Steuergeld bei der Übernahme einiger nordöstlicher Volksbanken half. Zum Teil durch brachialen Druck, als er etwa die Genossenschaftsbanken zum Zusammenschluss zu zwei Großverbänden zwang. Doch ausgerechnet die größte Bankenbaustelle des Landes, Monte dei Paschi, gilt als eher notdürftig verarztet.

Wer schaut, was in Siena passierte und wie das Problem seitdem behandelt wurde, lernt nicht nur viel über den Zustand in Italiens Bankenbranche. Sondern über den Lauf der Dinge im ganzen Land, das sich am Sonntag bei den Parlamentswahlen wohl eine einmalige Hängepartie zusammenwählen wird.

Ein Drama in drei Akten.

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