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Banken drohen Milliardenausfälle Wirecard-Skandal: KfW drohen Verluste von 100 Millionen Euro

Markus Braun, Wirecard-Chef, gibt seinen Posten mit sofortiger Wirkung auf. Quelle: REUTERS

Wirecard hatte am Donnerstag Insolvenz angemeldet. Das trifft neben Investoren auch einige Banken, die Wirecard in den vergangenen Jahren Kredite stellten. Eine davon ist die staatliche Förderbank KfW.

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Der staatlichen Förderbank KfW drohen nach dem Insolvenzantrag des Zahlungsdienstleisters Wirecard AG Verluste in Höhe von 100 Millionen Euro.

Die KfW-Tochter Ipex Bank hatte dem Unternehmen im September 2018 eine Kreditlinie in Höhe von 100 Millionen Euro gewährt. Die Finanzierung wurde im vergangenen Jahr verlängert und vollständig in Anspruch genommen, teilte ein Sprecher von Ipex in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur Bloomberg mit. Es gebe keine Absicherungsgeschäfte, um die Bank vor Verlusten zu schützen.

Anderen Banken drohen indes Ausfälle in Höhe von rund 1,6 Milliarden Euro, hatte Bloomberg berichtet. Die Gruppe aus mehr als einem Dutzend Instituten – darunter ABN Amro Bank NV, Commerzbank AG und ING Groep NV – war demnach zuletzt in Verhandlungen mit Wirecard gewesen, um das Unternehmen über Wasser zu halten, wurde dann aber von dem Insolvenzantrag überrascht.

Ein Sprecher der KfW sagte in einem separaten Telefonat, dass sein Haus mit den anderen Banken in Kontakt stehe. Der 100-Millionen-Euro-Kredit sei jetzt bei der Restrukturierungsabteilung von Ipex. Vertreter von Wirecard konnten außerhalb der regulären Geschäftszeiten nicht erreicht werden.

Wirecard galt einst als eines der erfolgreichsten aufstrebenden Unternehmen Deutschlands. Der Absturz des Fintechs hatte sich Anfang vergangener Woche beschleunigt, als bekannt wurde, dass 1,9 Milliarden Euro an Mitteln wahrscheinlich nicht existieren. Mittlerweile hat auch die Bundesregierung erste Konsequenzen aus dem Skandal gezogen und die Zusammenarbeit mit der „Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung“ (DPR), auch Bilanzpolizei genannt, werde beendet, bestätigte das Justizministerium am Sonntag in Berlin. „Wir haben uns mit dem Finanzministerium auf eine Kündigung verständigt“, sagte ein Sprecher. Finanzstaatssekretär Jörg Kukies bestätigte in der „Financial Times“, dass künftig die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) direkt selbst ermittle, anstatt die DPR zu beauftragen. Die Selbstkontrolle der Branche über Wirtschaftsprüfer habe nicht funktioniert. Daher müsse es Änderungen bei der Kontrolle geben. Berliner Rechtsanwaltskanzleien kündigten Sammelklagen gegen die Bundesrepublik wegen Versäumnissen der Behörden an.

Staatssekretär Kukies nannte die Affäre einen Weckruf, um schon lange bestehende Probleme anzugehen. Es müssten radikale Lösungen gefunden werden. Nur so könnten die Folgen des Wirecard-Falls eingedämmt werden. Kukies nannte es in der „Financial Times“ auch einen Fehler, dass Wirecard als Technologie-Unternehmen behandelt wurde und daher nicht direkt der Finanzaufsicht unterstanden habe. Aus Sicht der Bundesregierung brauche man eine europäische Aufsicht für solche Zahlungsdienstleister. Dafür habe sich Deutschland schon lange eingesetzt, betonte er. Die Ereignisse rund um Wirecard würden das jetzt sicher beschleunigen.

Die Berliner Rechtsanwälte Wolfgang Schirp sowie Marc Liebscher erklärten, sie seien von Wirecard-Investoren beauftragt worden, eine Sammelklage gegen die Bundesrepublik einzureichen. Grund sei das Versagen der Aufsichtsbehörden. Bafin sowie die „Bilanzpolizei“ DPR hätten krasse Fehler gemacht. „Dafür werden wir die Bundesrepublik für unsere Mandanten auf Schadenersatz verklagen“, sagte Marc Liebscher. Zu prüfen ist den Anwälten zufolge auch, ob wegen unzureichender Aufsicht auch gegen EU-Recht verstoßen wurde.

Das Münchner Amtsgericht hat den Rechtsanwalt Michael Jaffé als Sachverständigen für das Insolvenzverfahren bestellt, einen der bekanntesten Insolvenzverwalter Deutschlands. (Mehr dazu lesen Sie hier.) Dieser muss nun im ersten Schritt das Insolvenzgutachten erstellen. Trotz des Insolvenzantrags werde der Geschäftsbetrieb fortgeführt, teilte Wirecard am Samstag mit. Dies sei im besten Interesse der Gläubiger. Die Wirecard Bank sei derzeit nicht Teil des Insolvenzverfahrens und elektronische Überweisungen der Wirecard Bank nicht betroffen.

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Der Zahlungsdienstleister Wirecard ist insolvent. Rund zwei Milliarden Euro fehlen, die es wohl nie gab, ein bedeutender Teil des Umsatzes könnte vorgetäuscht sein. Wirtschaftsprüfer, Aufseher und Investoren haben über Jahre Alarmsignale ignoriert.

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