Banken im Umbruch Sparkassen bremsen beim neuen Onlinezahldienst

Dass die Digitalisierung nicht aufzuhalten ist, darüber sind sich die deutschen Kreditinstitute einig. Doch ausgerechnet beim Starttermin für ihren neuen Onlinezahldienst Paydirekt gehen die Vorstellungen der Branche auseinander.

In der Branche herrschen unterschiedliche Vorstellungen über das Tempo, mit dem das Projekt Digitalisierung vorangetrieben werden soll. Quelle: dpa

Nach den großen Krisen der vergangenen Jahre drehten sich Finanzkongresse meist um Regulierungs- und Aufsichtsfragen. Seit Mittwoch aber widmet sich die 20. Handelsblatt Jahrestagung „Banken im Umbruch“ 2015 vor allem dem wichtigen Thema der Digitalisierung. Großprojekt zur digitalen Aufrüstung der Banken ist Paydirekt, der neue Onlinebezahldienst der deutschen Kreditwirtschaft.

Welche Zahlungsmittel Europäer bevorzugen
Das Geschäft mit dem Versenden von Geld über Smartphone-Apps lockt jetzt auch etablierte Banken an. Die Deutsche Kreditbank (DKB) kooperiert dafür mit dem Startup Cringle. Pro Monat kann ein Nutzer bis zu 100 Euro über die Cringle-App verschicken, abgewickelt wird die Zahlung per Lastschrift von der DKB. Pro Transaktion werden 20 Cent fällig, zum Start wurde die Gebühr auf 10 Cent gekappt. Das neue Angebot trifft bereits auf Wettbewerb im Markt. So bietet der Online-Bezahldienst PayPal seit Juli das Versenden von Geld über seine Smartphone-App in Deutschland an. Für Kunden, die ihren PayPal-Account mit einem deutschen Bankkonto verknüpft haben, ist das Angebot kostenlos, bei Kreditkarten wird eine Gebühr fällig. In vielen europäischen Ländern tun sich moderne Bezahlsysteme jedoch noch so schwer... Quelle: dpa
ÖsterreichOhne Bargeld geht in Österreich gar nichts. 86 Prozent bezahlen an der Kasse in bar, 12 Prozent mit EC-Karte. Eine Kreditkarte kommt nur in einem Prozent der Fälle zum Einsatz. Auf sonstige Alternativen wie Schecks, PayPal, Lastschrifteinzug oder Ähnliches entfällt insgesamt nochmal ein Prozent. Quelle: Deutsche Bundesbank; Europäische Kommission; Deloitte (Stand: 2014) Quelle: dpa
PolenIn Polen werden 80 Prozent der Bezahlvorgänge an der Kasse bar beglichen. Eine EC-Karte nutzen –ähnlich wie in Österreich – 13 Prozent der Bevölkerung. Immerhin werden auch drei Prozent der Bezahlvorgänge durch Kreditkarten abgewickelt. Auf die alternativen Zahlungsmittel entfallen vier Prozent. Quelle: dpa
DeutschlandAuch die Deutschen haben ihr Geld beim bezahlen lieber in fester Form in der Hand – in 79 Prozent der Fälle wird bar bezahlt. Zwölf Prozent der Käufe werden mit der EC-Karte beglichen, weitere sechs Prozent per mit Lastschrifteinzug, Scheck und anderen alternativen Zahlungsmethoden. Quelle: dpa
ItalienZwar ist Bargeld mit 69 Prozent noch immer das beliebteste Zahlungsmittel in Italien, aber auf Platz zwei kommen auch schon alternative Zahlungsmittel mit 17 Prozent. So sind Schecks, Kundenkarten, PayPal und andere Alternativen zusammen genommen bei den Italienern beliebter als die EC-Karte mit neun Prozent und die Kreditkarte mit sechs Prozent. Quelle: dpa
Sagrada Familia Quelle: AP
London Tower Bridge Quelle: dpa

Wie wichtig ihnen das Projekt ist, betonen die teilnehmenden Geldhäuser immer wieder gern. Allerdings herrschen in der Branche unterschiedliche Vorstellungen über das Tempo, mit dem das Projekt vorangetrieben werden soll. Theodor Weimer, Chef der Münchner HypoVereinsbank, drängt seit Monaten zur Eile. Sein Unternehmen ist Vorreiter und hat kürzlich die Pilotphase des Zahldiensts eingeläutet. Einsatzbereit soll Paydirekt eigentlich bis zum Weihnachtsgeschäft dieses Jahres sein, also rechtzeitig zu den heißen Wochen im Einzelhandel, wenn massenhafte Geschenkeinkäufe die Umsätze auch der Internetshops in die Höhe schnellen lassen.

Paydirekt will mit den 50 Millionen Kontoverbindungen der privaten Banken, Volksbanken und Sparkassen dem Zahldienstmarktführer PayPal Händler und Nutzer abjagen. Ein später Gegenschlag, aber immerhin kommt er. Commerzbank-Chef Martin Blessing erläutert auf der Handelsblatt Tagung einen aus seiner Sicht wichtigen Vorteil von Paydirekt: Onlineshopper zahlen direkt über das Girokonto bei ihrer Bank, sodass sofort erkennbar sei, ob der Einkauf mit Guthaben gedeckt ist. Das sichere Händler gegen Zahlungsausfälle von Kunden mit schlechter Bonität ab.

Auch Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon lobt die Vorteile von Paydirekt. Er unterstreicht aber, dass die Sparkassen wegen ihres hohen Marktanteils die einzige Bankengruppe seien, die über eine eigene Lösung für das Onlinezahlen nachdenken konnte. Damit rechtfertigt er den späten Einstieg der Finanzgruppe in das Paydirekt-Projekt.

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Auch was den Starttermin betrifft, bremst Fahrenschon jetzt die Erwartungen. Seine Sparkassen wollen sich etwas länger Zeit lassen, bis sie mit Paydirekt richtig loslegen. „Wir sollten nach dem Weihnachtsgeschäft mit dem neuen Zahlungsverfahren durchstarten“, sagt der Sparkassen-Präsident. Sicherheit und Qualität gehen ihm vor Schnelligkeit. Die Verzögerung ist eine schlechte Nachricht für Paydirekt. Denn ohne die 34 Millionen Konten der 416 Sparkassen wird eine breite Nutzung des Zahlsystems im Onlinehandel nicht möglich sein.

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