Banken in Europa Deutsche-Bank-Chef fordert rasche Vollendung der Kapitalmarktunion

Christian Sewing verweist auf die erforderlichen Milliardeninvestitionen für die grüne Wende in der Wirtschaft. Ohne die Kapitalmarktunion werde es den Green Deal der EU nicht geben.

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Nach wie vor fehlt beim Konzept eines einheitlichen Bankenmarktes in Europa eine gemeinsame Einlagensicherung. Quelle: Bloomberg

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing fordert mehr Tempo bei der Schaffung einheitlicher Kapitalmärkte in Europa. „Der Fortschritt ist zu langsam, und die Zeit drängt“, sagte Sewing am Dienstagabend auf einer Veranstaltung des Wirtschaftsrates der CDU. Um den wirtschaftlichen Wandel zu gestalten, sei sehr viel Kapital erforderlich. „Die erforderlichen Investitionen sind gewaltig.“ Der Staat werde das allein nicht annähernd stemmen können. „Auch wir Banken können es nicht allein.“

Sewing verwies auf die nötigen Ausgaben, um die Kohlendioxid-Emissionen der Wirtschaft bis 2050 auf netto null zu reduzieren. Die Wirtschaftsberater von McKinsey schätzten, dass die dazu erforderlichen Investitionen im Schnitt eine Billion Euro pro Jahr betragen bis 2050.

„Wahrscheinlich die Hälfte oder auch etwas mehr davon können wir dadurch stemmen, dass Investitionen aus anderen Industrien jetzt umgeschichtet werden.“ Damit bliebe aber immer noch ein Finanzierungsbedarf von 200, 300 oder 400 Milliarden Euro. Privates Kapital werde daher dringend gebraucht. „Wenn wir es nicht schaffen, die Kapitalmarktunion in Europa auf den Weg zu bringen, wird es den Green Deal so nicht geben“, warnte er.

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) erwiderte, er teile die Einschätzung der Bedeutung der Kapitalmarktunion. Auch beim Werben für eine Bankenunion stimme er Sewing zu, sagte Lindner. „Das ist ein Beitrag dazu, die Wettbewerbsfähigkeit des Banken- und Finanzplatzes Europa insgesamt zu verbessern.“

Er sei für die Kapitalmarkt- und auch für die Bankenunion. „Aber nicht um den Preis, die Stabilität unserer Sparkassen und genossenschaftlichen Banken mit ihren eigenen Institutssicherungssystemen zu opfern“, merkte er an. „Eine Vergemeinschaftung der Staatsverschuldung über den Umweg der Bilanzen der privaten Institute kann es nicht geben“, sagte er. Denn dann gebe es nicht mehr, sondern weniger Stabilität in Europa.

Nach wie vor fehlt beim Konzept eines einheitlichen Bankenmarktes in Europa eine gemeinsame Einlagensicherung. Insbesondere der Umgang mit den Sicherungssystemen von Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken, die in Deutschland eine wichtige Rolle spielen, gilt als strittig.

Als mögliche Eckpunkte für Fortschritte galten zuletzt unter anderem eine gemeinsame Rückversicherung für Einlagen und der Abbau von Risiken aus Staatsanleihen in den Bankbilanzen. Anfang Mai hieß es dazu nach einem Sondertreffen der EU-Finanzminister, die Euro-Länder wollten sich im Juni auf einen Zeitplan zur Vollendung der Bankenunion einigen.

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