Banken Kreditvergabe in der Euro-Zone steigt

Seit März pumpen die Währungshüter jede Woche Milliarden in das Finanzsystem. Das zeigt offenbar Wirkung. Die Vergabe von Krediten in der Euro-Zone steigt an.

Geldhaufen Quelle: dpa

Die von Banken ausgereichten Kredite nehmen im Euro-Raum wegen der Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) zu. Die Institute vergaben im Juli an Firmen 0,9 Prozent mehr Darlehen als ein Jahr zuvor, wie die EZB am Donnerstag mitteilte. Die Kreditvergabe an Haushalte erhöhte sich um 1,9 Prozent. Im Juni war waren an Firmen noch 0,2 Prozent und an Haushalte 1,7 Prozent mehr Kredite ausgereicht worden.

Die Währungshüter pumpen seit März mit dem Kauf von Staatsanleihen jede Woche Milliarden in das Finanzsystem, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen und die nach ihrer Ansicht unerwünscht niedrige Inflation nach oben zu treiben. Anleihen sollen dadurch für Banken als Investment unattraktiver werden. Stattdessen sollen sie mehr Darlehen an die Wirtschaft vergeben, was die Konjunktur positiv beeinflussen würde.

Woran Sie denken sollten, wenn Sie einen Kredit brauchen
Vor Ausbruch der Finanzkrise gaben Banken so gut wie jedem einen Kredit, heute sind sie eher knauserig. Die Vorgaben für die Kreditvergabe, an die sich die Geldinstitute nun strikt halten (müssen), besagen nämlich, dass das geliehene Geld mit einem entsprechenden Prozentsatz Eigenkapital besichert werden muss. Je weniger Eigenkapital der Schuldner hat, desto riskanter ist es für die Bank, ob sie das Darlehen je zurückgezahlt bekommt. Dementsprechend gilt: Je schlechter die Bonität eines Antragsstellers, desto teurer wird der Kredit. Quelle: Fotolia
Völlig egal, ob es sich um einen Unternehmenskredit oder Geld für das neue Auto oder das Häuschen geht: Je ehrlicher der Antragsteller sagt, wofür er das Geld braucht und welche Sicherheiten es gibt und je besser er vorbereitet ist, desto besser sind seine Chancen, das Darlehen auch zu bekommen. Quelle: dpa
Dementsprechend wichtig ist es, dass Kreditnehmer alle ihre Unterlagen beim Gespräch dabei haben und nicht zig Mal entscheidende Papiere nachreichen müssen. Wer gleich mit den Bilanzen der vergangenen drei Jahre oder dem Businessplan zu seiner Bank geht, spart sich nicht nur Rennerei, sondern zeigt auch, wie ernst es ihm mit dem Darlehen ist. Quelle: Fotolia
Grundsätzlich wird jeder, der ein Darlehen beantragt, gründlich unter die Lupe genommen. Je höher der Kredit, desto genauer fällt die Prüfung aus: Zum einen analysiert die Bank die wirtschaftliche Situation des Antragsstellers sowie seine Sicherheiten. Zum anderen ist die Zuverlässigkeit beim Abbezahlen alter Schulden wichtig für eine positive Entscheidung. Handelt es sich um ein Unternehmen, spielt auch die zukünftige Entwicklung in der jeweiligen Branche eine Rolle. Gleiches gilt auch für die Erfolge des Betriebes und die Fluktuationsrate bei Mitarbeitern, Stichwort
Es kommt gerade in einem solchen Gespräch nicht gut an, bei einer Frage nervös herumzustammeln. Bereiten Sie sich im Vorfeld des Gesprächs auf die klassischen Fragen vor: Wofür soll der Kredit sein, wie lange soll er laufen, womit soll er zurückgezahlt werden. Unternehmer sollten auch schlüssige Antworten auf Fragen nach Marktanteilen, Gewinnzone und geplanten Investitionen parat haben. Quelle: Fotolia
Da die Bank auf jeden Fall fragen wird, welche Sicherheiten der Kreditnehmer anbieten kann, sollte man vor dem Gespräch darüber nachdenken, welche Vermögenswerte derzeit verfügbar sind. Und noch viel wichtiger: Welche er auch tatsächlich mit einer Hypothek belegen kann. Es nutzt niemanden etwas, wenn nachher die Eigentumswohnung der Bank gehört oder das gesamte Privatvermögen weg ist. Quelle: Fotolia
Gerade wenn es um hohe Summen geht, beispielsweise für die Anschaffung einer neuen Maschine, kann es ratsam sein, den Steuerberater oder jemand aus dem Unternehmensbeirat (sofern vorhanden), mit zum Gespräch zu nehmen. Natürlich können auch Privatpersonen einen Berater mit zu seiner Bank nehmen. Wichtig ist, dass dieser das Gespräch nicht an sich reißt, sondern nur bei Bedarf seine Meinung äußert. Quelle: Fotolia

Die für den Währungsraum wichtige Geldmenge M3 nahm im Juli um 5,3 Prozent zu. Experten hatten mit einem Anstieg von 4,9 Prozent gerechnet. In der Geldmenge M3 sind unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit enthalten. Steigt M3 stark an wird dies von Experten als Anzeichen für zunehmende Inflationsrisiken gedeutet. Zurzeit besteht diese Gefahr aber nicht, denn die Teuerung in der Euro-Zone lag im Juli bei nur 0,2 Prozent. Stabile Preise sehen die Währungshüter aber bei einer Inflation von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

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