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Bankenfusionen im Anmarsch "Europäische Banken sind notorisch ineffizient"

Die Situation bei vielen Banken ist angespannt. Die Kosten steigen, die Erträge sinken und den digitalen Wandel drohen die Geldhäuser zu verschlafen. Eine neue Studie sieht für die Banken nur einen Ausweg.

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Als vergangene Woche bekannt wurde, dass der amerikanische Finanzinvestor Cerberus bei der Deutschen Bank einsteigt, brodelte es in der Gerüchteküche. Steht nun doch eine Fusion zwischen Deutschlands größtem Bankhaus und der Commerzbank bevor? Dort hatte sich Cerberus bereits im Sommer mit fünf Prozent der Aktien eingekauft.

Was nun die Anleger beschäftigt, könnte laut einer Studie der Strategieberatung PwC Strategy&, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt, in Zukunft häufiger vorkommen. „Wir erwarten mehrere Transaktionen, die auf Kostensynergien abzielen“, sagt Philipp Wackerbeck, Geschäftsfüher bei PwC Strategy&. Die Zahl der Fusionen werde in Zukunft rapide zunehmen, prognostiziert die Studie.

Grund dafür sei, dass viele Banken nicht mehr ausreichend profitabel an den Märkten agierten. „Europäische Banken sind notorisch ineffizient“, stellen die Autoren der Studie fest. Durch die Fusionen könnten die Geldhäuser Synergien schaffen und defizitäre Sparten abbauen. Außerdem ermögliche die Fusion den Banken in neuen Geschäftsfeldern und Regionen aktiv zu werden.

Höheres Tempo beim Filialsterben
Die Gründe für die Schließung der FilialenIn den letzten beiden Jahren wurden in Deutschland etwa 2.200 Bankfilialen geschlossen. Ein Hauptgrund dafür ist die zunehmende Digitalisierung. Diese bringt zum Beispiel neue Technologien mit sich. Dadurch ändern sich auch die Kundenanforderungen, auf welche die Banken dann reagieren müssen. Neben diesen Gründen wollen die Banken selbstredend ihre Effizienz steigern. Außerdem spielt auch der demographische Wandel eine nicht unbedeutende Rolle. (Quelle: KfW Research) Quelle: dpa
Die ZahlenVon 2001 bis 2015 nahm die Anzahl der Bankfilialen in Deutschland durchgehend ab. Durchschnittlich wurden pro Jahr etwa zwei Prozent der Standorte geschlossen. 2002 wurden mit 5,6 Prozent prozentual die meisten Filialen aufgegeben. Zwischen 2006 und 2012 schwankten die Zahlen zwischen 0,5 Prozent und 1,7 Prozent. Seit 2013 steigen die Zahlen wieder, sodass 2015 vier Prozent der Standorte wegfielen. Quelle: dpa
Alle Kreditinstitutstypen sind betroffenDass ein Kreditinstitutstyp besonders von dem Abbau betroffen ist, lässt sich nicht feststellen. Beispielsweise im Jahr 2015 wurden bei den Genossenschaftsbanken 3,9 Prozent der Filialen geschlossen, bei den Kreditbanken waren es 3,8 Prozent und bei den Sparkassen 4,2 Prozent. Auch in den vorherigen Jahren sind die Unterschiede nicht gravierender. Quelle: REUTERS
Fast alle Regionen betroffenDer innerdeutsche Vergleich zeigt, dass die meisten Regionen in Deutschland von den Schließung der Filialen betroffen sind. Es besteht allerdings ein Unterschied zwischen ländlichen Regionen – seit 2000 wurden hier durchschnittlich 27 Prozent der Bankfilialen geschlossen – und Städten – hier waren es „nur“ 23 Prozent. Entgegen des allgemeinen Trends konnten auch einige Regionen einen Anstieg verzeichnen. Der Spitzenreiter dieser Regionen ist Frankfurt am Main (Bild) mit einem Anstieg von 59 Prozent. Quelle: dpa
Europäischer DurchschnittIm Vergleich zu den anderen europäischen Staaten liegt Deutschland bei der Filialdichte angeht – mit 3,5 Filialen pro 10.000 Einwohner – im Mittelfeld. Spitzenreiter ist Spanien mit 6,7 Standorten und Schlusslicht sind die Niederlande mit einer Filiale, hier wurden zwischen 2000 und 2015 66 Prozent der Zweigstellen geschlossen. In Ländern wie Frankreich und Portugal wurde das Filialnetz entgegen des Trends sogar deutlich ausgebaut. Quelle: dpa
Immer weniger StandorteSetzt sich der Trend weiter fort und das Tempo, in welchem die Banken geschlossen werden, bleibt weiterhin so hoch, werden im Jahr 2035 etwa 52 Prozent der Filialen geschlossen sein, die noch im Jahr 2000 existierten. Nebenbei müssen die Kreditinstitute die fortschreitende Digitalisierung bewältigen und versuchen, dass trotz des Rückbaus der Filialnetzes die Qualität und Quantität der Versorgung der Kunden nicht leidet. Quelle: dpa

Die Lage sei für viele Banken ernst. Nach Berechnungen der Studienautoren hätten alleine die Banken, die im STOXX Europe 600 gelistet sind, im Jahr 2016 129 Milliarden Euro mehr verdienen müssen, um die Lücke zwischen Profit und Eigenkapitalkosten schließen zu können. Für viele Banken sei es aber aus eigener Kraft nicht machbar ihre Erträge ausreichend zu steigern. Gerade auf kleinere Geldhäuser treffe dies zu. Ein weiterer Grund für die Misere der Banken seien die gestiegenen Anforderungen an die Eigenkapitalquote und höhere Kosten wegen strengeren Regulierungsvorschriften.

Bankenzusammenschlüsse sind riskant

Eine Fusion könnte da die Lösung sein. Wenn zwei Banken zu einer verschmelzen braucht es nur noch eine kostspielige IT-Infrastruktur. Auch die Zahl der Bankfilialen könnte sinken. Die Banken müssten bei der Fusion darauf achten, dass das andere Institut ähnlich groß sei. Dann wären die positiven Effekte der Verschmelzung besonders groß. Außerdem braucht es eine ausführliche Analyse der Kosten und der möglichen Zugewinne. Nicht jede Fusion ist eine gute Lösung. Konsolidieren die falschen Partner, könnte das neue Bankhaus auch Kunden verlieren.

Auch in Deutschland sehen die Macher der Studie Handlungsbedarf. „Mit Beteiligung deutscher Institute könnten innerhalb der nächsten fünf Jahre Transaktionen im Gesamtwert von 35 bis 50 Milliarden Euro erfolgen“, sagt Wackerbeck. Die ersten Fusionen sind dabei bereits auf dem Weg. Bei Münster wollen beispielsweise die Vereinigte Volksbank Münster, die Volksbank Greven und die VR-Bank Kreis Steinfurt in Zukunft näher zusammenrücken. Bis 2020 soll aus den drei Banken dann endgültig eine werden. Auch bei den Sparkassen kommt es regelmäßig zu Fusionen selbstständiger Institute. Demnächst könnten dann die Großbanken folgen.

Bei der Commerzbank ist nicht nur eine mögliche Fusion mit der Deutschen Bank im Gespräch. Mit Crédit Agricole und der BNP Paribas zeigten sich gleich zwei französische Banken interessiert an einem Einstieg bei Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus. Auch wenn Crédit Agricole mittlerweile wieder abgewinkt hat, zeigt es doch das Interesse der Großbanken an möglichen Konsolidierungen.

Die Ergebnisse der Studie dürften dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, John Cryan, gefallen. Er sagte erst kürzlich auf einer Tagung in Frankfurt, dass Europa und vor allem Deutschland zu viele Banken habe. „Europa wäre gut bedient, wenn es eine Handvoll Institutionen gäbe, die auf globaler Ebene konkurrieren könnten.“ Behalten die Autoren der Studie Recht, könnte dieses Szenario schneller als gedacht eintreten.

Weniger Filialen, weniger Mitarbeiter
Kreditbanken Alle deutschen Privatbanken – sowohl die Großbanken, Regionalbanken wie auch die Zweigstellen ausländischer Banken – haben die Zahl ihrer Beschäftigten drastisch verringert. Von 171.200 Beschäftigten im Jahr 2014 waren Ende 2016 noch 166.050 übrig: Das ist ein Abbau von rund 5.000 Beschäftigten in drei Jahren. Bei der Entwicklung der Institutszahlen und der Zweigstellen ergibt sich jedoch kein einheitliches Bild. Quelle: Deutsche Bundesbank Quelle: dpa
GroßbankenDeutschlands Großbanken, zu denen die Bundesbank die Commerzbank, die Deutsche Bank, die Deutsche Postbank und Hypovereinsbank zählt, haben die Zahl der Zweigstellen rapide verringert. 7.443 Zweigstellen gab es noch 2014, im vergangenen Jahr waren es nur noch 7.005. Quelle: REUTERS
RegionalbankenDie Zahl der deutschen Regionalbanken – private Kreditinstitute, die mit oder ohne Zweigstellennetz nur in einer bestimmten Region Geschäfte betreiben – verringerte sich von 176 Instituten im Jahr 2014 auf 166 Institute. Im selben Zeitraum wurden 118 Zweigstellen geschlossen, damit gibt es 2016 noch 2.245 Filialen deutscher Regionalbanken. Quelle: dpa
Zweigstellen ausländischer Banken Besser sieht die Bilanz ausländischer Banken aus. Zwar hat sich auch bei ihnen die Zahl der in Deutschland tätigen Institute in den letzten drei Jahren von 115 auf 110 verringert. Gleichzeitig wurde jedoch das Zweigstellennetz ausgebaut. Nun haben ausländische Banken 156 Niederlassungen in Deutschland. 2014 waren es nur 148. Quelle: REUTERS
LandesbankenAuch bei den deutschen Landesbanken ist vieles in Bewegung: Die Institute, die gemeinsam vom jeweiligen Bundesland und den regionalen Sparkassen- und Giroverbänden getragen werden, reduzierten die Zahl der Zweigstellen von 408 auf 384. Knapp 2.000 Beschäftigte mussten in den letzten drei Jahren gehen. Ende 2016 zählte die Bundesbank noch 31.800 Stellen. Quelle: dpa
SparkassenAufmerksam verfolgt wurde in den letzten zwei Jahren der Rückbau des Zweigstellennetzes bei den Sparkassen. Wo früher in jedem noch so kleinen Ortsteil eine Sparkassenfiliale zu finden war, müssen Kunden für eine persönliche Beratung nun häufig bis ins Stadtzentrum fahren. Kein Wunder: Von ehemals 11.951 Zweigstellen sind 2016 nur noch 10.555 vorhanden, also rund 1.500 weniger. Das hatte auch Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahl: Knapp 15.000 Sparkassenmitarbeiter mussten gehen, Ende 2016 waren noch 224.700 Menschen in Voll- oder Teilzeit bei einem öffentlich-rechtlichen Geldinstitut beschäftigt. Quelle: dpa
KreditgenossenschaftenAuch die Zahl der genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken ist leicht gesunken. Die noch 975 Institute (2015: 1.050) bauten gut 100 Zweigstellen ab. Fast 7.000 der ehemals 158.700 Mitarbeiter mussten gehen. Auf den Sparkassen und Kreditgenossenschaften, deren Geschäftsmodelle auf das traditionelle Kreditgeschäft ausgerichtet sind, lastet ein zunehmender Margendruck. Dieser fällt im Vergleich zu den meisten anderen Bankengruppen höher aus, wofür die hohen Anteile der Sichteinlagen von inländischen privaten Haushalten sowie zahlreiche langfristige Wohnungsbaukredite verantwortlich sind, schreibt die Bundesbank in ihrem Bericht. Quelle: dpa
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