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BankenstreitHessens Sparkassen liebäugeln mit NordLB-Ausstieg

Nach den Sparkassen im Osten haben nun auch die in Hessen-Thüringen signalisiert, aus der NordLB aussteigen zu wollen. Der dortige Präsident Stefan Reuß sieht verschiedene Szenarien.Bloomberg und Stephan Kahl 19.06.2023 - 11:52 Uhr

Jetzt auch Hessen-Thüringen: Immer mehr Sparkassenverbände wollen ihre Anteile an der NordLB aufgeben.

Foto: imago images/Ralph Peters

„Wir könnten uns durchaus vorstellen, unsere über die Fides-Gesellschaften gehaltenen NordLB-Anteile abzugeben, sollte Niedersachsen ein entsprechendes Angebot vorlegen“, erklärte Reuß in einem Bloomberg-Interview.

Interessant finde er zudem die Idee, eine Herauslösung der Braunschweigischen Landessparkasse (BLSK) aus der NordLB zu prüfen. Die deutschen Sparkassen könnten „die BLSK übernehmen und im Gegenzug ihre NordLB-Anteile an Niedersachsen abgeben

Hintergrund der Äußerungen ist ein Streit der NordLB-Eigner um die künftige Ausrichtung der Landesbank, die nach ihrer Milliardenrettung wachsen möchte. Niedersachsen, das 58 Prozent der Anteile hält, steht hinter der NordLB, während die Sparkassen außerhalb Niedersachsens skeptisch sind, weil sie neue Risiken befürchten.

Seit der Rettung ist der bundesweite Sparkassen-Sektor, darunter die Sparkassen in Hessen, über die so genannten Fides-Gesellschaften mit 24% an der NordLB beteiligt. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hatte unlängst mit der Aussage überrascht, er wünsche sich zwar eine Einigung der Träger.

Sollte dies nicht möglich sein, dann gebe „es auch die Möglichkeit, eine solche Partnerschaft freundschaftlich und einvernehmlich zu beenden“.

Was als Drohung gedacht war, weckt Interesse

Was er damit meinte, sagten weder er noch das Finanzministerium. Er erweckte aber den Eindruck, dass er den Sparkassensektor notfalls aus dem Eigentümerkreis herauskaufen wolle. Was vielleicht als Drohung gedacht war, ist für viele Sparkassen offenbar eine durchaus interessante Idee.

Schon vor zwei Wochen hatte der Präsident der Ost-Sparkassen, Ludger Weskamp, im Bloomberg-Interview erklärt, er könne sich eine Abgabe der NordLB-Anteile vorstellen. Zudem wurde im Sektor ein konkreter Plan zur Herauslösung der BLSK erarbeitet.

Nach einer solchen Transaktion würden die Fides-Gesellschaften des Sparkassen-Sektors dann nicht mehr an der NordLB beteiligt sein, sondern stattdessen rund 88 Prozent an der neuen BLSK halten. 

Entsponnen hatte sich der Streit der NordLB-Eigentümer am Wunsch der Bank, eine neue Banksteuerungs-IT einzuführen, die einigen Sparkassen als zu teuer erscheint. „Die Helaba führt gerade eine neue Banksteuerung ein. Daher können wir ganz gut die benötigten Größenordnungen beurteilen“, sagte Reuß, dessen Sparkassen die Mehrheit an der Helaba halten. 

Zudem forderte er Weil auf, konkreter zu werden: „Es wäre sehr hilfreich, wenn Niedersachsen klar und deutlich sagt, was es mit der NordLB vorhat. Hier ist der Ministerpräsident unklar geblieben.“

Bei einer NordLB-Komplettübernahme durch Niedersachsen müsste die Bank konsequenterweise auch das Sicherungssystem der Sparkassen verlassen, sagen Reuß und andere im Sektor. Eine Hürde ist das nicht. „Das wäre für die Sparkassen kein Neuland“, erklärte Reuß. Bei der ehemaligen Landesbank HSH Nordbank wurde soetwas bereits umgesetzt.

Milliarden-Abschreibung

Zuversichtlich ist Reuß bei den Wertpapier-Eigenanlagen seiner knapp 50 Sparkassen, nachdem diese im vergangenen Jahr rund 1,3 Milliarden Euro abschreiben mussten. Das Prognosesystem „legt den Schluss nahe, dass es 2023 Zuschreibungen geben dürfte“, sagte er. „Nach derzeitigem Stand gehen wir von einer Größenordnung von 160 Millionen Euro aus.“

Dass sich bei den Immobilien-Eigenanlagen ein neuer Brandherd entwickeln könnte, glaubt der Präsident nicht. Es gebe keine Anzeichen für größere Wertberichtigungen. Der Verband deutscher Pfandbriefbanken hatte im Mai angesichts steigender Zinsen vom stärksten Preisabfall bei Immobilien in Jahrzehnten berichtet.

Auch das Immobilien-Kreditgeschäft bereite ihm noch keine Sorgen. Die Sparkassen hätten ausreichend Vorsorge getroffen und es deute derzeit nichts auf eine Häufung von Ausfällen hin. Dasselbe gelte bei Firmenkrediten.

Mehr Zusammenarbeit bei den Landesbanken

Mit Blick auf ein mögliches Sparkassen-Zentralinstitut zeigte sich Reuß erneut als Befürworter. „Für die Sparkassen würde eine Landesbank reichen, zumal die Anzahl der Sparkassen in den vergangenen Jahren auf rund 350 gesunken ist“, sagte er. Ob die DekaBank Bestandteil eines Zentralinstituts sein solle, müsse man in der Gruppe diskutieren.

Reuß gestand ein, dass die zuletzt guten Bilanzzahlen der Landesbanken nicht gerade helfen, Konsolidierung voranzutreiben. Er warb dafür, die Position der Stärke zu nutzen, um hier Weichen für die Zukunft zu stellen. 

„Wir sollten die Zusammenarbeit der Landesbanken vorantreiben“, sagte er. „Nicht alle Landesbanken müssen alles machen. Man könnte sich anschauen, ob es beispielsweise im Immobilien- oder auch im Kapitalmarktgeschäft Lösungen gibt, von denen alle Seiten profitieren.“ Zuletzt hatte sich die Helaba bereits mit der LBBW auf die Bündelung bestimmter Geschäfte verständigt.

Dass die DekaBank, die den Sparkassen ganz gehört, ausgerechnet jetzt ihr Privat-Banking ausbaut und damit in Konkurrenz zur Helaba-Tochter Frankfurter Bankgesellschaft tritt, sieht Reuß gelassen. „Man darf das Thema nicht überbewerten. Der Markt ist groß genug für beide“, sagte er.

Parallel verwieß Reuß auf den Mangel an Arbeitskräften. Die zunehmenden Engpässe auf dem Arbeitsmarkt bekämen die Sparkassen zunehmend zu spüren. Vor allem bei kleineren Häusern sei das ein Problem. Das liege auch daran, dass die Babyboomer aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden.

Hinzu komme, dass immer mehr Mitarbeiter für regulatorische Fragen abgestellt werden müssten. Arbeitskräfte sind „ein Maga-Thema für die Sparkassen“, erklärte Reuß.

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