Blockchain: Wie Hacker um eine Zukunftstechnologie kämpfen
Endet die Blockchain-Euphorie?
Foto: Getty ImagesBankräuber brauchen heute weder Strumpfmaske noch Waffe. Gute Programmierkenntnisse reichen. Vor zwei Wochen zweigte ein Unbekannter von einer neuartigen Investmentbank im Internet Digitalgeld für mehr als 50 Millionen Dollar ab. Dabei nutzte er eine Lücke im Softwarecode. Den Kurs der als aussichtsreich geltenden Digitalwährung Ether schickte er auf Talfahrt: Binnen zwei Tagen verlor sie 50 Prozent.
Allerdings sorgt eine technische Besonderheit dafür, dass der Angreifer 27 Tage lang nicht auf das Digitalgeld zugreifen kann. Daher liefern sich Programmierer nun einen erbitterten Krieg: Mit verschiedenen Mitteln versuchen sie, dem Räuber die Beute streitig zu machen und den Schaden zu begrenzen.
Der Vorfall ist alles andere als eine Randnotiz für technikaffine Spekulanten. Er wirft kein gutes Licht auf eine der spannendsten Innovationen der Finanzwelt: die Blockchain. Auf dieser Technologie basiert neben Ether auch die bekannteste Digitalwährung Bitcoin. Die Blockchain ist letztlich eine Art dezentrales Kassenbuch, in dem alle Transaktionen bei allen Teilnehmern gespeichert werden. Banken und Finanzdienstleister hoffen, mit der Blockchain Transaktionen schneller, effizienter und sicherer zu machen.
Viele Unternehmen haben bei ersten Blockchain-Experimenten Ethereum, die Software-Plattform hinter Ether, genutzt. Im Januar führten elf Großbanken, darunter Credit Suisse, HSBC und Barclays, einen gemeinsamen Test mit Ether durch. Denn Ether gilt als fortschrittlichere Version des Bitcoin und ist mehr als digitales Geld: Mit ihr lassen sich programmierbare Verträge, so genannte „smart contracts“, erstellen. Diese zahlen beispielsweise automatisch Zinsen aus oder kontrollieren Geldeingänge.
Alternative zum krisenanfälligen Geldsystem
Die Fans von Bitcoin und Ether glauben zudem, dass ihre Geldsysteme – mit festen Regeln und einer festgelegten Geldmenge – eine Alternative zu unserem krisenanfälligen Finanzsystem werden können. Doch durch den 50-Millionen-Dollar-Coup ist das Vertrauen erschüttert.
Dabei betrifft der Vorfall Ether nicht direkt. Tatsächlich traf er einen Anlegerpool, der auf eine Initiative des Ether-Pioniers Christoph Jentzsch aus dem sächsischen Örtchen Mittweida zurückgeht. Der Gründer des Unternehmens Slock.it rief mit einer Gruppe von Mitstreitern die Dezentrale Autonome Organisation (DAO) ins Leben. Es sollte eine Art Risikokapitalfonds ohne Chefs sein, eine Mischung aus Crowdfundingplattform und Investmentbank. Ihre Regeln wurden festgeschrieben in Softwarecode. Wer sich beteiligen wollte, musste in Ether investieren und bekam Stimmrechte, um mitzuentscheiden, was mit dem gesammelten Kapital passiert.
Bis Ende Mai kamen fast 160 Millionen Dollar zusammen. Investoren hofften, so vom Blockchain-Boom zu profitieren. „Niemand hätte erwartet, dass die DAO so eine Größe annimmt“, sagt Jentzsch. Doch so wie große US-Wagniskapitalgeber Millionensummen in Blockchain-Start-ups stecken, hofften offenbar auch viele Investoren, am Hype um Ethereum teilhaben zu können. Schließlich war der Ether-Kurs von einem Dollar zu Jahresbeginn auf mehr als 20 Dollar Mitte Juni gestiegen.
Doch der Erfolg der DAO wurde ihr zum Verhängnis. Denn der dezentrale Fonds basiert auch auf intelligenten Verträgen. Alle Investitionsprojekte sollten in Softwarecode geschrieben werden, spätere Gewinne automatisch ausgezahlt werden. Solch eine Überweisung steckte auch hinter dem jüngsten Vorfall – allerdings ungeplant und lange vor der ersten Investition.
Seither streiten Entwickler und Blockchain-Experten um den Millionen-Hack. Es geht dabei um die grundsätzliche, beinahe philosophische Frage, ob es sich dabei überhaupt um Diebstahl handelt. Oder hat der vermeintliche Angreifer einfach nur das Kleingedruckte ganz besonders genau studiert? Denn bei der Frage, nach welchen Rechtsgrundlagen der dezentrale Fonds agiert, antworteten die Macher gern: „Der Code ist das Gesetz“. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind letztlich quasi im Computercode festgeschrieben. Und streng genommen machte sich der Angreifer beim Ausnutzen einer Softwarelücke nur die, wenn auch unglücklich formulierten, DAO-Regeln zunutze.
Da der Angreifer nicht sofort auf das Digitalgeld zugreifen kann, versuchen jetzt weitere Angreifer, sich mit der gleichen Methode den Rest der 160 Millionen Euro zu sichern.
Platz 18: Japan
Die Sutor Bank hat die 18 wichtigsten Aktienmärkte der Welt im Zeitraum von 20 Jahren untersucht, um herauszufinden, welcher Markt die stärkste Performance hatte. In der Auswertung der Hamburger Privatbank kommt Japan auf den letzten Platz. „Das war durchaus erwartbar“, kommentierte Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung der Sutor Bank, das schlechte Abschneiden Japans. Auf den anderen Plätzen fanden sich allerdings ein paar Überraschungen.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 0,19 Prozent pro Jahr
Foto: dpaPlatz 17: Österreich
Ziemlich oft bergab ging es auch für Anleger am österreichischen Aktienmarkt. Auf 20-Jahressicht schaffte der österreichische MSCI Austria Index immerhin doch noch ein Plus. Schlusslicht war Österreich unter anderem im Jahr 2014. Die Sanktionen gegen Russland belasteten österreichische Banken und Unternehmen, die stark in Russland engagiert sind.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 1,65 Prozent pro Jahr
Foto: dpaPlatz 16: Italien
Der MSCI Italy Index gehört im internationalen Vergleich der Sutor Bank ebenfalls zu den Schlusslichtern. Besonders schlecht lief es für den italienischen Aktienmarkt in den Jahren 2010 und 2011 als die europäische Schuldenkrise aufkam.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 3,99 Prozent pro Jahr
Foto: imago imagesPlatz 15: Singapur
Singapur ist ein beliebter Finanzplatz und verfügt über eine beeindruckende Skyline. Besonders hoch hinaus kamen hier Anleger jedoch nicht. Der MSCI Singapore Index gehört zu den schwächsten innerhalb der vergangenen 20 Jahre.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 5,35 Prozent pro Jahr
Foto: imago imagesPlatz 14: Belgien
In der Gesamtwertung kommt Belgiens Aktienmarkt nur auf den vierzehnten Platz. Allerdings holte der MSCI Belgium Index in den vergangenen Jahren deutlich auf. 2014 schlug er alle anderen Indizes mit einem Plus von 37 Prozent.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 6,8 Prozent pro Jahr
Foto: imago imagesPlatz 13: Frankreich
Der Aktienmarkt der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft schaffte es innerhalb der letzten zwanzig Jahr nicht unter die Top 10 (im Schnitt). Besonders schlecht lief es in den Jahren 2001 (- 18 Prozent) und 2002 (- 33 Prozent). Lutz Neumann von der Sutor Bank betont, dass die Entwicklung eher zufällig erfolgt. Eine belastbare, seriöse Vorhersage sei unmöglich, erklärt die Privatbank.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,15 Prozent pro Jahr
Foto: imago imagesPlatz 12: Norwegen
Der norwegische Aktienmarkt erlebte einen legendären Boom im Jahr 2009: Der MSCI Norway Index stieg um sagenhafte 81 Prozent. 2014 gehörte er allerdings zu den schwächsten Märkten, mit einem Minus von elf Prozent.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 7,31 Prozent pro Jahr
Foto: ImagoPlatz 11: Deutschland
An der Frankfurter Börse waren zwar in den vergangenen Jahren öfter die Bullen los, doch langfristig betrachtet ist der deutsche Aktienmarkt nicht einmal unter die Top 10 gekommen. Sein bestes Jahr feierte der MSCI Germany Index im Jahr 2003 – mit einem Plus von 36 Prozent. 2012 (+ 28 Prozent) und 2013 (+ 26 Prozent) ging es ebenfalls deutlich aufwärts. Besonders schlecht lief es für den deutschen Aktienmarkt nach dem Platzen der Dotcom-Blase. 2001 ging es um 18 Prozent abwärts und 2002 um sogar 43 Prozent.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,42 Prozent pro Jahr
Foto: imago imagesPlatz 10: Vereinigtes Königreich
Seinen heftigsten Absturz innerhalb der letzten zwanzig Jahre erlebte der britische Aktienmarkt im Jahr 2008, als im Zuge der Finanzkrise der Markt um 46 Prozent einbrach. Doch direkt im Jahr darauf erlebte der Markt ein Comeback und stieg um 39 Prozent.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,44 Prozent pro Jahr
Foto: imago imagesPlatz 9: Niederlande
Der niederländische Aktienmarkt erhält hierzulande nicht besonders viel Aufmerksamkeit – er schlug sich allerdings besser als der deutsche. Wie andere europäische Aktienmärkte stürzte er im Jahr 2008 ab, um 2009 wieder in die Höhe zu schießen. 2013 gehörte der MSCI Netherlands Index zu den stärksten Indizes mit einem Plus von 26 Prozent.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,56 Prozent pro Jahr
Foto: imago imagesPlatz 8: Hongkong
Hongkong landet auf Platz acht des Rankings. Die ehemalige britische Kolonie konnte vor allem im Jahr 2014 ein Plus von 19,4 Prozent vorweisen. Für diesen Zeitraum liegt Hongkong sogar auf Platz drei.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +8,19 Prozent
Foto: REUTERSPlatz 7: Australien
Australiens Index war in den letzten Jahren starken Schwankungen unterworfen. 2001 konnte man so zum Beispiel den stärksten Index vorweisen, danach ging es bergab: 2006 fand man sich auf Platz zwölf wieder. 2014 landete man mit 9,8 Prozent wieder auf einem guten achten Platz. Insgesamt reicht das für die letzten 20 Jahre zu Platz sieben.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +9,06 Prozent
Foto: APPlatz 6: USA
In den vergangenen beiden Jahren konnte der MSIC-Index der USA jeweils die Spitzenposition erobern (2014 mit 28,1 Prozent), insgesamt reicht es jedoch nur zu Platz sechs. Das kommt nicht von ungefähr, denn nicht immer stand die USA so gut da: 2004 lag man auf dem letzten Platz des Ranking, es ging nur mühsam wieder bergauf.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +9,57 Prozent
Foto: APPlatz 5: Schweiz
In den vergangenen beiden Jahren lag die Schweiz auf dem siebten Platz, zuletzt mit 13,5 Prozent. Über die letzten 20 Jahre sieht noch besser aus: 9,68 Prozent reichen für Platz fünf.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +9,68 Prozent
Foto: dpaPlatz 4: Spanien
Nur in den Jahren 2003 und 2013 war Spanien in der Spitzengruppe der besten Drei vertreten, dennoch reicht es insgesamt für einen starken vierten Platz. So wies der MSCI-Index im Jahr 2013 ein Plus von fast 26 Prozent auf.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +10,26 Prozent
Foto: REUTERSPlatz 3: Kanada
Kanada landet auf Platz drei. 2005 lag man sogar auf der Spitzenposition – mit einem Plus von 47,3 Prozent.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +10,46 Prozent
Foto: APSchweden: Platz 2
Traditionell stark vertreten ist Schweden. Mit 43,4 Prozent lag das Land im Jahr 2010 auf Platz eins, auch sonst sind die Skandinavier oft in der Spitzengruppe vertreten gewesen.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +11,09 Prozent
Foto: dpaPlatz 1: Dänemark
Auch der Sieger ist Skandinavier: Dänemark. Das Ergebnis sei überraschend, weil Dänemark nicht in einem einzigen einzelnen Jahr auf Platz 1 gestanden habe, sagt Neumann. Doch die Summe an guten Platzierungen hat letztlich zum Spitzenplatz verholfen.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +12,59 Prozent
Foto: dpa
Dann sollte ein so genannter „soft fork“ durchgeführt werden: Damit wäre durch eine kleinere Änderung der Software das Konto mit den entwendeten Millionen dauerhaft eingefroren worden. Mitte vergangener Woche war es soweit, die Ethereum-Entwickler hatten in wenigen Nächten die neue Softwareversion geschrieben. Doch kurz vor der Umstellung tauchte dabei eine neue Lücke auf, die Gegenattacke musste in letzter Minute abgeblasen werden.
Vor dem radikalen Schritt schrecken die Entwickler noch zurück
Nun wird die Zeit langsam knapp. Noch bis zum 14. Juli sind dem Angreifer die Hände gebunden. Die einzig verbleibende Gegenmaßnahme, ihn daran zu hindern dann das Geld abzuziehen, ist so radikal wie umstritten. „Hard Fork“ nennt sich der Schritt: Es wäre eine Änderung der Software, die im Prinzip das System zurücksetzt und so den Angriff rückgängig macht.
Allerdings widerspricht das den ursprünglich erklärten Grundprinzipien. So heißt es auf der Plattform großspurig: „Die DAO ist geboren aus unveränderbarem, unwiderlegbarem und nicht zu stoppendem Computercode“. Doch wenn die Mehrheit der Ethereum-Nutzer zustimmt, ist der Code eben doch veränderbar.
Das Problem ist die unerwartete Größe des Projekts, denn es stecken 14 Prozent allen in Umlauf befindlichen Ethers in der DAO. Sie ist damit für die Blockchain-Jünger, die gern das von Bankenrettungen und Krisen geprägte Finanzsystem kritisieren, selbst „too big to fail“ geworden. Die DAO ist plötzlich für Ethereum so systemrelevant, wie viele Großbanken für das traditionelle Geldsystem. Und so werden auch die ehernen Prinzipien schnell in Frage gestellt. „Wir dürfen uns nicht zu Sklaven des Systems machen“, sagt Jentzsch.
Die Idee des dezentralen Unternehmens ist damit erst einmal gescheitert. „Die DAO wird es in dieser Form nicht mehr geben“, sagt Jentzsch. „Ich hoffe, dass sie komplett rückabgewickelt wird und alle ihre Ether zurückbekommen.“ Endet damit auch die Blockchain-Euphorie?
Eher nicht. „Das ist eine gute Erinnerung daran, dass wir klare Regeln, Standards und Sicherheitstests für die Blockchain benötigen“, sagt Edward Budd, Chief Digital Officer der Deutschen Bank. „Es hat aber keine Auswirkungen auf unsere Pläne und Tests mit der Blockchain-Technologie.“
Die schnelle Reaktion auf den Vorfall könnte die Bedeutung von Ether sogar stärken, glaubt Mervyn Maistry, Blockchain-Experte der Beratung EY. Trotz aller Schwierigkeiten seien die dezentral organisierten Ethereum-Programmierer mit dem Fehler besser umgegangen, als Großkonzerne wie Microsoft mit Softwarelücken. Ähnlich sieht es auch Alex Tapscott, Co-Autor des Buchs „Blockchain Revolution“ und Chef der Beratung Northwest Passage Ventures. „Blockchains sind extrem sicher, besonders im Vergleich mit zentralisierten Computersystemen von Unternehmen wie JP Morgan, Home Depot und zahlreichen anderen, die regelmäßig gehackt werden.“
„Jetzt ist es zwar ein großes Desaster, doch es wird Ethereum mittelfristig stärken und die Entwicklung sicherer machen“, sagt auch Jentzsch. Es wäre viel schlimmer, wenn der Fehler in zwei, drei Jahren aufgefallen wäre und schon viel mehr über die Blockchain gelaufen wäre. Nun können die Entwickler aus den gemachten Fehlern lernen. „Man hätte kleiner anfangen müssen“, räumt Jentzsch ein. Und beispielsweise Obergrenzen für die Ether in einzelnen Verträgen einführen können. Eine weitere Erkenntnis ist es, dass die Werkzeuge, um smart contracts zu schreiben, noch nicht ausgereift sind.
Doch das Ende von Ether auszurufen wäre verfrüht. Im Internet vergleichen viele die „Daokalypse“ mit dem Crash der einst größten Bitcoin-Börse Mt. Gox. Die ging nach Unterschlagungen 2014 insolvent, der Bitcoin-Kurs stürzte ab, und Beobachter riefen das Ende der Cyberwährung aus. Die hat sich längst erholt: Ein Bitcoin kostete zuletzt wieder mehr als 700 Dollar – so viel wie zuletzt vor zwei Jahren.
