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Boom der vergangenen Jahre ist vorbei Jetzt kämpfen auch Sparkassen ums Überleben

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In Relation mehr als Ackermann verdient

Ihren Vorständen geht es gut. 2011 kassierte Peter Fröhlich, damals Chef der Sparkasse in Düsseldorf, 664.000 Euro, davon 460.000 Euro als Grundgehalt. In Relation zur Bilanzsumme von 12 Milliarden Euro verdiente er mehr als Josef Ackermann. Der bekam 6,3 Millionen Euro für die Bilanzsumme der Deutschen Bank von 2,2 Billionen. Bei Nachfolger Arndt Hallmann legten die Verwaltungsräte noch mal 100.000 Euro fix drauf. Die Vorstände der Sparkasse Gronau – mit 460 Millionen Euro Bilanzsumme und 120 Mitarbeitern eine der kleinsten im Land – beziehen immerhin noch um die 200.000 Euro Jahresgehalt.

„Goldene Handschläge“ sichern den Vorständen der Stadtsparkasse Düsseldorf zudem für den Fall, dass ihr Vertrag nicht verlängert wird, ein Übergangsgeld bis zur Rente. Einem Vorstand der Sparkasse Sprockhövel garantiert sein Vertrag ein Jahresgehalt als Abfindung, falls er ohne seine Schuld nicht verlängert wird. Das findet sich so bei vielen Sparkassen. In den Geschäftsberichten heißt es, dass sie sich dabei an Empfehlungen der Sparkassenverbände orientieren. Die aber sind geheim.

Genauso wie die Verteilung ihrer Wohltaten. Sparkassen stiften einen Großteil ihrer Erträge für gemeinnützige Zwecke. Mal wird der Dorfkindergarten mit einer Schaukel bedacht, mal die Musikschule mit Instrumenten. Wer wie viel und warum erhält, ist nicht transparent. Gerechtfertigt wird das meist damit, dass man keine Begehrlichkeiten wecken wolle. Der grüne Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer war 15 Jahre Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse Düren und ärgert sich maßlos, dass niemand wissen darf, was mit deren Gewinnen passiert. „Würde das veröffentlicht, würde das Geld anders verteilt.“

Anzahl der Sparkassen und ihrer Filialen seit 1998

Verschwendung statt Ideen

Die wenigen Informationen über die Spendenpolitik der Sparkasse Düren, die an die Öffentlichkeit gelangen, werfen Fragen auf. So etwa die Beziehung zur Entwicklungsgesellschaft Indeland. Die haben der Kreis Düren und einige Kommunen gegründet, um Konzepte für die Tagebaufläche Inden zu entwickeln, wenn dort ab 2030 keine Braunkohle mehr gefördert wird. Eine Million Euro schenkt die Sparkasse der Indeland über fünf Jahre.

Dabei fällt Indeland weniger durch kluge Vorschläge als durch Verschwendung auf. So ließ die Gesellschaft 2008 Herbert Grönemeyer für ein Konzert anreisen. Kostenpunkt: mehr als drei Millionen Euro. Am Ende blieb ein Verlust von 400.000 Euro. Zudem hat sie mit Jens Bröker, einem SPD-Politiker aus dem Kreis Düren, einen hauptamtlichen Geschäftsführer eingestellt – ohne Ausschreibung. Der Fünfjahresvertrag sichert ihm ein Fixgehalt von 150.000 Euro im Jahr, zuzüglich Versicherungen und Dienstwagen. Wenn sein Vertrag ausläuft, schließt sich nahtlos ein Beratervertrag an, der Bröker bis zur Rente 85.000 Euro pro Jahr sichert. Die Spende der Sparkasse macht’s möglich.

Kulturinitiative

Sparkassenchef Herbert Schmidt hält die Zuwendung für eine gute Investition. Die Region müsse sich für die Zeit nach dem Tagebau aufstellen. „Es gehört zu unserem öffentlichen Auftrag, dass wir sie dabei unterstützen.“ Am Tagebau hingen 2000 bis 2500 Arbeitsplätze. Wie Indeland das Geld einsetze, habe er nicht zu entscheiden. Es sei lediglich vertraglich geregelt, dass das Geld der Sparkasse nur für Maßnahmen ausgegeben werden dürfe, die dem Strukturwandel dienten. Brökers großzügiger Vertrag geht für Schmidt in Ordnung.

Von der Sparkasse profitiert auch die Kulturinitiative im Kreis Düren, die die Grünen am Ort mal „als Briefkastenverein zur Verwertung von Spenden der Sparkasse“ bezeichneten. Der CDU-Landrat Wolfgang Spelthahn engagiert sich in der Kulturinitiative. Vorsitzende ist mit Käthe Rolfink eine Parteikameradin. Sie will nicht sagen, wie viel Geld sie von der Sparkasse bekommt. Deren Chef Schmidt sagt lediglich, die Initiative erhalte „keinen sechsstelligen Betrag“. Ihn und den Verein würden Verträge zur Verschwiegenheit verpflichten. Die aber hat er selbst ausgehandelt.

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