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CEO Braun entschuldigt sich Wirecard ändert Zuständigkeiten im Vorstand

Wirecard ändert die Zuständigkeiten in seinem Vorstand. Quelle: REUTERS

Wirecard kämpft seit Monaten mit Manipulationsvorwürfen. Nun verteilt der Zahlungsdienstleister wichtige Zuständigkeiten im Vorstand neu.

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Der mit Manipulationsvorwürfen kämpfende Zahlungsdienstleister Wirecard verteilt wichtige Zuständigkeiten im Vorstand neu. Der von Investoren zuletzt heftig kritisierte CEO Markus Braun werde künftig seinen Schwerpunkt auf strategische Fragen legen und die Verantwortung für die Kapitalmarktkommunikation an den Finanzchef Alexander von Knoop abgeben, teilte das Unternehmen am Freitagabend mit. Ob Wirecard die Finanzmärkte in der Vergangenheit korrekt informiert hat, wird derzeit von der Finanzaufsicht Bafin untersucht. Braun sagte der Mitteilung zufolge: „Ich entschuldige mich bei allen unseren Aktionären, Kunden, Partnern und Mitarbeitern für die Turbulenzen der vergangenen Wochen und Monate.“

Wirecard sah sich in Medienberichten wiederholt dem Vorwurf der Bilanzmanipulation ausgesetzt, den das Unternehmen bestreitet. Die Aufsichtsbehörde Bafin ermittelt seit Anfang 2019 in Sachen Wirecard und untersucht dabei auch, ob der Konzern den Kapitalmarkt rechtzeitig und vollständig über Insiderinformationen informiert hat. Am Freitag gab die Bafin bekannt, sie untersuche neben länger zurückliegenden Vorgängen auch die Kommunikation des Unternehmens im Zusammenhang mit einer Sonderprüfung des Beraters KPMG

„Wir sehen uns den KPMG-Bericht in diesem Zusammenhang vor allem daraufhin an, ob er Aussagen dazu enthält, ob Wirecard möglicherweise veröffentlichungspflichtige Informationen zurückgehalten oder darüber falsch informiert hat“, bestätigte die Sprecherin einen Vorabbericht des „Spiegel“. „Soweit wir Anhaltspunkte dafür finden, erstatten wir auch hierzu Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.“ Bereits im April 2019 hatte die Bafin wegen Leerverkaufs-Attacken Anzeige gegen Investoren und Journalisten erstattet.

Wirecard sah sich in Medienberichten wiederholt dem Vorwurf der Bilanzmanipulation ausgesetzt. Um diese zu entkräften, hatte der Aufsichtsrat im Herbst KPMG mit einer Sonderprüfung beauftragt. Die Vorlage der Ergebnisse verzögerte sich immer wieder, am 28. April wurde der KPMG-Bericht dann veröffentlicht.

Wenige Tage zuvor hatte Wirecard in Pflichtmitteilungen an die Börse zu der Sonderprüfung erklärt, es hätten sich nach derzeitigem Stand keine Belege für die öffentlich erhobenen Vorwürfe der Bilanzmanipulation ergeben. Auch zur Veröffentlichung des KPMG-Berichts erklärte Wirecard, die Wirtschaftsprüfer hätten keine „belastenden Belege“ für die Vorwürfe der Bilanzmanipulation gefunden und es hätten sich keine „substanziellen Feststellungen“ ergeben, die zu einem Korrekturbedarf der Jahresabschlüsse von 2016 bis 2018 führten.

Im veröffentlichen Untersuchungsbericht von KPMG hieß es dagegen, KPMG könne im Bereich Drittpartnergeschäft keine Aussage treffen, dass bestimmte Umsatzerlöse existierten und der Höhe nach korrekt seien; noch sei auch das Gegenteil möglich. Grund für diese Unsicherheit sei, dass sich notwendige Unterlagen im Besitz der Dritt-Partner befänden und deren Bereitschaft gefehlt habe, an der Prüfung mitzuarbeiten. Auch dem Unternehmen selbst warf KPMG im Prüfbericht eine mangelhafte Zusammenarbeit vor. Wirecard habe angeforderte Dokumente teilweise nicht oder erste mehrere Monate nach Anforderung geliefert, vereinbarte Interviewtermine mit wesentlichen Wirecard-internen Ansprechpartnern seien mehrfach verschoben worden.

Die Vorwürfe gegen den Dax-Konzern halten Investoren, Wirecard und die Finanzaufsicht Bafin schon seit über einem Jahr in Atem. Bislang ist die Bafin aber erst gegen Investoren und Journalisten vorgegangen, die sie im April 2019 wegen Leerverkaufs-Attacken bei der bei der Staatsanwaltschaft München I anzeigte. Sie sollen den Aktienkurs manipuliert haben. Zudem hatte die Bafin im Februar 2019 nach einer Achterbahnfahrt der Wirecard-Aktie für zwei Monate Leerverkäufe der Papiere verboten und damit erstmals Wetten auf einen fallenden Kurs einer bestimmten Aktie untersagt. Wegen dieses ungewöhnlichen Schritts sah sich die Bafin massiver Kritik ausgesetzt.

Für Leerverkäufe leihen sich Investoren Aktien und verkaufen sie in der Erwartung, dass der Kurs fällt und sie die Titel billiger zurückerwerben können, um sie danach dem Inhaber zurückzugeben. Das ist zwar üblich und legal, kann aber auch mit kriminellen Hintergedanken geschehen.

Das Unternehmen erweitert außerdem seinen Vorstand. Der Amerikaner James H. Freis werde das neu geschaffene Ressort für Rechtsfragen und die Einhaltung von Verhaltensregeln (Compliance) übernehmen, außerdem werde ein Chief Commercial Officer für sämtliche Vertriebsaktivitäten berufen und das Ressort des Chief Operating Officer unter eine neue Leitung gestellt. Dazu spreche der Aufsichtsrat bereits mit „erfahrenen Manager-Persönlichkeiten“.

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Ein Sondergutachten sollte den Zahlungsdienstleister Wirecard von Betrugsvorwürfen freisprechen. Stattdessen wirft der Bericht neue Fragen auf – und auch Wirecards Buchprüfer EY gerät unter Rechtfertigungsdruck. Lesen Sie die Geschichte hier.

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