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Chinesischer Konzern HNA Die Einkaufstour des Milliardärs Chen Feng

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Eine fragwürdige Strategie

Dabei ist keineswegs sicher, wie stabil sein Unternehmen wirklich ist. Zuletzt sind selbst in chinesischen Staatsmedien Zweifel an der Strategie der Gruppe aufgekommen. In den vergangenen Wochen erschienen mehrere Artikel, in denen sie öffentlich die Frage aufwarfen, wie das kleine Unternehmen innerhalb weniger Jahre so groß werden und so viele Zukäufe finanzieren konnte. Das chinesische Wirtschaftsmagazin „21st Century Business Herald“ berichtete Ende April, dass HNA umgerechnet 81 Milliarden Euro Schulden aufgenommen haben soll, um die Zukäufe zu finanzieren. Inzwischen sind alle Artikel, die darüber berichteten, wieder gelöscht.

Tatsächlich ist HNA eine Blackbox. Kaum ein Außenstehender durchschaut, was im Hauptsitz des Konzerns auf der südchinesischen Urlaubsinsel Hainan wirklich vor sich geht. Der unternehmenseigene Wolkenkratzer mit 31 Stockwerken ist einem Garuda nachempfunden, einem geflügelten Fabelwesen aus der asiatischen Mythologie, das auch das Vorbild für das rote Logo von Hainan Airlines ist. Interviewanfragen beantwortet das Unternehmen nicht, Auftritte der Führungsriege sind selten.

Klaus Meyer, Professor an der China Europe International Business School in Shanghai, hat versucht, die Besitzverhältnisse des Unternehmens zu analysieren. Sehr weit ist er nicht gekommen. „An der Spitze steht eine Stiftung namens Hainan Cihang Foundation“, sagt der Experte für chinesische Unternehmen. Diese sei 2013 gegründet worden und halte rund 20 Prozent der Anteile. „Wer diese kontrolliert, lässt sich nicht herausfinden“, sagt er. Die Eigentümerstrukturen seien viel zu verschachtelt, um die wirklichen Machtverhältnisse verstehen zu können. So hält sich die Anekdote, dass Chen 1995 nach New York geflogen ist, um Starinvestor George Soros zu einer Investition von 25 Millionen Dollar in seine Fluggesellschaft zu überreden. Die Summe soll der zehn Jahre später verdoppelt haben. Wer aber die führenden Köpfe hinter der Gruppe sind, ist unklar. Meyer weiß nur: „HNA ist politisch gut vernetzt.“

Kredite von Staatsbanken

Einer der wichtigsten Anteilseigner soll der Sohn eines ehemaligen Mitglieds des Ständigen Ausschusses sein, einem der wichtigsten Organe der chinesischen Regierung. Chen Feng ist zudem seit über zehn Jahren Delegierter des Parteitags der Kommunistischen Partei, der alle fünf Jahre stattfindet und die Führungsspitze des Landes wählt. Die enge Verbindung zur Politik ermögliche es dem Unternehmen, an Kredite von chinesischen Staatsbanken zu kommen, mit denen es das Wachstumstempo aufrechthält.

Auch im Ausland hat HNA bereits Erfahrungen mit der Politik gemacht. Im Januar sorgte das Unternehmen für Furore, als es bei SkyBridge Capital einstieg, dem Hedgefonds des amerikanischen Finanzinvestors Anthony Scaramucci. Der wollte die Firma verkaufen, um unter Donald Trump im Weißen Haus anheuern zu können. Viele Beobachter hielten dies für den Versuch der Chinesen, einen direkten Draht nach Washington zu bekommen. Der Deal sollte deshalb zunächst von einer Ethikkommission geprüft werden, Scaramucci musste daraufhin auf seinen Beraterposten verzichten.

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