Chiphersteller Infineon soll Strafzinsen auf Guthaben zahlen

Exklusiv

Immer mehr Unternehmen drohen Strafzinsen auf ihre Bankguthaben. Jetzt hat auch der deutsche Chiphersteller Infineon bestätigt, dass er von Banken mit der Forderung nach Negativzinsen konfrontiert worden sei.

Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender von Infineon Quelle: dpa

Ein Infineon-Sprecher sagte der WirtschaftsWoche, bislang sei es dem Münchner Konzern gelungen, Strafzinsen zu entgehen. Das Unternehmen habe Guthaben zu Banken umgeschichtet, die keine Gebühren berechneten. Zugleich baue Infineon seine Geldbestände ab, etwa durch ein Aktienrückkaufprogramm sowie die laufende Übernahme des US-Konkurrenten International Rectifier.

Beim hessischen Industriezulieferer Norma Group haben Banken die Höhe der Guthaben inzwischen begrenzt. Von Negativzinsen sei Norma aber noch nicht betroffen, sagte ein Sprecher der WirtschaftsWoche. Im September hatte die Baumarktkette Hornbach von Negativzinsen berichtet, angedroht wurden sie zudem Dax-Unternehmen wie E.On und der Deutschen Lufthansa.

Privatanleger kommen bislang ungeschoren davon. Das werde auf absehbare Zeit auch so bleiben, meinen Finanzexperten. "Für Privatanleger erwarte ich Negativzinsen erst, wenn die EZB den Einlagenzinssatz noch weiter senkt, etwa auf minus 0,5 Prozent", sagt Oliver Mihm, Chef der auf Retailbanking spezialisierten Beratung Investors Marketing in Frankfurt, der WirtschaftsWoche. Relevant wäre das in erster Linie für Kunden der Vermögensverwaltung mit Guthaben ab rund einer Million Euro.

Nach Einschätzung von Mihm wird es jedoch zuerst Firmenkunden treffen, weil bei diesen wegen der höheren Einlagen der Hebel für die Banken stärker sei. "Am Ende werden auch viele Mittelständler voraussichtlich einen Negativzins zahlen müssen", erwartet Johannes Heckmann, Co-Chef des Oberpfälzer Chemikalienherstellers Nabaltec.

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