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Christian Sewing Deutsche-Bank-Chef äußert sich zu Geldwäsche-Vorwürfen

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, dessen Vorstandsbüro bei der Razzia in dieser Woche ebenfalls durchsucht wurde, wehrt sich gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Quelle: REUTERS

Als die Büros führender Manager der Deutschen Bank in dieser Woche wegen des Verdachts der Geldwäsche durchsucht wurden, schwieg die Deutsche Bank zunächst. Nun wehrt sich Bank-Chef Christian Sewing gegen die Vorwürfe.

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Deutsche Bank-Chef Christian Sewing stellt sich vor seine der Geldwäsche beschuldigten Mitarbeiter. Sewing sagte „Bild am Sonntag“ laut Vorabbericht: „Das sind zwei Mitarbeiter, die damals mitgeholfen haben, alles rund um den Sachverhalt Panama Papers aufzuarbeiten. Es gilt hier für mich bis zum Beweis des Gegenteils ganz klar die Unschuldsvermutung“. Wenn die Deutsche Bank ihre eigenen Mitarbeiter vorverurteilen würde – insbesondere diejenigen, die Sachverhalte aufarbeiteten –, dann liefe etwas ganz gewaltig schief.

Sewing, dessen Vorstandsbüro bei der Razzia in dieser Woche ebenfalls durchsucht wurde, wehrt sich gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. „Es ist ein Verdacht, hier sollte erst einmal die Unschuldsvermutung gelten“. Er wolle, dass dieser Verdacht so schnell wie möglich aufgeklärt und ausgeräumt werde. „Wir haben seit der Veröffentlichung der Panama Papers 2016 den kompletten Sachverhalt geprüft und dabei eng mit den Aufsichtsbehörden kooperiert. Für uns war der Fall abgeschlossen“.

Nach Angaben der Zeitung war der von den Ermittlungen betroffene Bereich internationales Vermögens-Management unmittelbar Sewing als Privatkundenvorstand unterstellt. Befürchtungen, dass die Ermittlungen sich irgendwann auch gegen ihn richten könnten, erteilte der Bank-Chef eine Absage: „Wir haben die Panama Papers gründlich aufgearbeitet, es gibt unabhängige Gutachten dazu.“

Am Donnerstag und Freitag hatte es Durchsuchungen bei der Deutschen Bank wegen des Verdachts der Geldwäsche gegeben. Bis zu 170 Beamte der Staatsanwaltschaft, des Bundeskriminalamts, der Steuerfahndung und der Bundespolizei hatten unter anderem die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt durchleuchtet und dabei auch Vorstandsbüros ins Visier genommen. Es besteht der Verdacht, dass Mitarbeiter des Geldhauses halfen, sogenannte Off-Shore-Gesellschaften in Steuerparadiesen zu gründen und Gelder aus Straftaten zu waschen. Insgesamt durchsuchten die Ermittler sechs Objekte: Geschäftsräume der Bank in Frankfurt und Eschborn sowie eine Privatwohnung im südhessischen Groß-Umstadt.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft richten sich die Ermittlungen gegen zwei 50 beziehungsweise 46 Jahre alte Mitarbeiter sowie „andere bislang nicht identifizierte Verantwortliche“ des Instituts. Ihnen werde vorgeworfen, pflichtwidrig keine Geldwäscheverdachtsanzeige erstattet zu haben, obwohl seit Beginn der jeweiligen Geschäftsbeziehungen ausreichende Anhaltspunkte dafür vorgelegen hätten.

Wer neben den beiden genannten Mitarbeitern im Fokus steht, konnte die Staatsanwaltschaft bis zum Wochenende nicht sagen. Die Ermittlungen stünden erst am Anfang. „Aktuelle und frühere Vorstände der Deutschen Bank AG zählen nicht zu den Beschuldigten“, heißt es in einem Faktenblatt zu den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, das die Deutsche Bank am Freitagabend verbreitete. „Es gab keine formellen Befragungen von Vorständen.“

„Die Ermittlungsbehörden haben seit Beginn der Durchsuchung bei der Deutschen Bank im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des zugrundeliegenden Sachverhalts sehr rasche und sehr gute Fortschritte erzielt“, wird der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankfurt, Albrecht Schreiber, in einer gemeinsamen Mitteilung der Bank und der Staatsanwaltschaft vom Freitag zitiert. „Die Deutsche Bank kooperiert umfassend. An die Deutsche Bank gestellte Anfragen der Ermittlungsbehörden werden vorbehaltlos beantwortet.“

Die Ermittlungen laufen nach Angaben von Oberstaatsanwältin Nadja Niesen seit August 2018 und erstrecken sich auf einen Zeitraum der Vorgänge von 2013 bis 2018. Im vorliegenden Fall sollen über eine zum Konzern gehörende Gesellschaft mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln allein im Jahr 2016 über 900 Kunden mit einem Geschäftsvolumen von 311 Millionen Euro betreut worden sein. Dabei handelt es sich laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ um die Gesellschaft „Regula Limited“, die im Zuge der „Panama Papers“-Affäre um Steuerschlupflöcher und Geldwäsche weltweit schon länger im Verdacht stand.

Der Verdacht gegen die Mitarbeiter der Deutschen Bank ergab sich laut der Ermittler nach einer Auswertung der Daten der sogenannten Offshore-Leaks und Panama Papers durch das Bundeskriminalamt (BKA). Die „Panama Papers“ waren Journalisten zugespielt und im Frühjahr 2016 veröffentlicht worden. Die Unterlagen der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca enthalten Informationen über Geschäfte mit Briefkastenfirmen.

Die Aktien des Finanzhauses gingen am Freitag erneut auf Talfahrt. Die Anteilsscheine kosteten am Freitag mit 7,99 Euro zwischenzeitlich so wenig wie noch nie. Zum Handelsschluss stand noch ein Minus von knapp 3 Prozent auf 8,06 Euro zu Buche. Damit waren die Aktien der schwächste Wert im nur leicht nachgebenden Leitindex Dax. Seit Jahresbeginn gerechnet summiert sich das Minus nun auf fast 50 Prozent. Kein anderer Dax-Wert ist stärker gefallen.

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