WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen

Citigroup, Bank of America, JP Morgan US-Banken verbuchen deutliche Gewinnrückgänge

Das Schlussquartal 2014 endete für die US-Banken enttäuschend. Vor allem hohe Kosten wegen Rechtsstreitigkeiten und der lahmende Anleihehandel belasten die Bilanzen.

Das Hauptquartier der Bank of America in Boston. Die US-Banken haben schlechte Bilanzzahlen vorgelegt. Quelle: dpa

Für die großen US-Banken hat das Jahr 2014 mit einer herben Enttäuschung geendet. Nach Branchenprimus JP Morgan präsentierten am Donnerstag auch Citigroup und die Bank of America einen Gewinneinbruch im Schlussquartal. Hauptgrund sind weiter schwelende Rechtsstreitigkeiten, die viel Geld verschlingen.

Allerdings lief auch das wichtige Investmentbanking zum Jahresende nicht mehr so rund wie erhofft. Wegen der Turbulenzen an den Börsen blieben viele Anleger in den letzten Wochen lieber in Deckung, im Handel herrschte Flaute. Das dürfte sich auch in den Bilanzen der europäischen Institute zeigen - etwa der Deutschen Bank, die ihre Zahlen Ende Januar vorlegen will.

Bei der Citigroup, die zusätzlich unter hohen Umbaukosten für ihr weltweites Privatkundengeschäft ächzt, brach der Nettogewinn im vierten Quartal um 87 Prozent auf 346 Millionen Dollar ein. Vorstandschef Michael Corbat musste für Sonderbelastungen 3,5 Milliarden Dollar in die Hand nehmen, unter anderem schlug ein teurer Vergleich im Devisenskandal zu Buche. Jetzt will er nach vorne blicken: "Wir haben im vergangenen Jahr einige schwierige Entscheidungen getroffen", erklärte er. "Ich denke aber, dass wir damit so aufgestellt sind, dass 2015 erfolgreich wird."

Bank of America muss 17 Milliarden Dollar Strafe zahlen
Bank of AmericaWankende Großbanken brachten das Weltfinanzsystem 2008 an den Rand des Zusammenbruchs. Dubiose Hypotheken-Deals hatten den Weg dafür bereitet. Doch die Vergangenheit holt die Geldhäuser ein - der Bank of America (BoA) droht nun gar die höchste Strafe aller Zeiten. Dem „Wall Street Journal“ zufolge steht das Finanzinstitut kurz vor einem Vergleich mit dem US-Justizministerium über knapp 17 Milliarden US-Dollar (rund zwölf Milliarden Euro), davon neun Milliarden Dollar in bar. Das wäre der höchste jemals bezahlte Betrag in einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung zwischen der US-Regierung und einem Unternehmen. Bereits im März musste BoA 9,5 Milliarden Dollar nach einer Klage der Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency zahlen. Die US-Behörden sind bei der Bestrafung von Großbanken nicht eben zimperlich - zumindest, wenn es um Geldstrafen geht. Welche Banken ebenfalls Rekordgeldbußen zahlen mussten, erfahren sie auf den folgenden Seiten. Quelle: REUTERS
Goldman SachsDie US-Großbank hat die Finanzkrise trotz viel Kritik an ihren Geschäftsmethoden vergleichsweise gut überstanden. Ende August 2014 handelte das Geldhaus mit den US-Aufsichtsbehörden und den Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac, die im Zuge der Immobilien- und Finanzkrise von der US-Regierung mit insgesamt 187 Milliarden Dollar gerettet werden mussten, einen Vergleich aus. 2005 und 2007 hatte Goldman Sachs den beiden Gesellschaften zusammengeschnürte minderwertige Immobilienkredite verkauft. Laut Einigung muss Goldman diese Papiere für 3,15 Milliarden Dollar zurückkaufen. Damit zahlt die Bank 1,2 Milliarden Dollar mehr, als die Kreditportfolios derzeit wert sind. Quelle: REUTERS
CitigroupDie Citigroup leistet für fragwürdige Hypothekengeschäfte eine sieben Milliarden Dollar schwere Abbitte. Nach Ansicht der US-Justiz hatte die Bank den Käufern verschwiegen, wie schlecht es um die in verbrieften Wertpapieren enthaltenen Hauskredite gestanden habe. Wie die US-Großbank mitteilte, zahlt sie 4,5 Milliarden Dollar an US-Behörden und gewährt zudem Finanzierungshilfen und -erleichterungen für Hausbauer im Wert von 2,5 Milliarden Dollar. Der Vergleich verhagelt der Citigroup das zweite Quartal. In dem Zeitraum verbucht die Bank eine Vorsteuerbelastung von 3,8 Milliarden Dollar. Mit dem Vergleich hätten sich alle anhängigen zivilrechtlichen Hypothekenermittlungen erledigt, erklärte Bankchef Michael Corbat. Der Vergleich erlaube der Bank, sich „auf die Zukunft zu fokussieren, nicht auf die Vergangenheit“. Quelle: dpa
CommerzbankWie die "New York Times" berichtet, droht der Commerzbank wegen mutmaßlicher Verstöße gegen US-Sanktionen eine Geldstrafe von mindestens 500 Millionen Dollar (370 Millionen Euro). Die Commerzbank hatte bereits eingeräumt, dass sie wegen ihrer Geschäfte mit Ländern wie dem Iran im Visier der US-Behörden steht. Wann die Verhandlungen mit den US-Behörden abgeschlossen sein werden, ist noch unklar. Quelle: dpa
Die französische Großbank BNP Paribas steht wegen Sanktionsbruch und Geldwäschevorwürfen im Fokus der US- Justizbehörden. Laut einem Bericht des Wall Street Journal drohen der Bank Bußgelder bis zu einer Höhe von zehn Milliarden Dollar. Die Bank soll Wirtschaftssanktionen gegen den Iran, Sudan, Kuba und andere Länder umgangen haben. Es wäre die zweithöchste Strafe, die je gegen eine Großbank verhängt wurde, die Höchststrafe wegen Geldwäsche lag bislang bei 1,9 Milliarden Dollar. Nachfolgend eine Reihe von Banken, die für verschiedene Vergehen schon Milliarden an Geldbußen zahlen mussten. Quelle: REUTERS
Gegen die britische Großbank Barclays verhängte die britische Finanzaufsicht die erste Geldstrafe wegen Manipulation des Goldpreises. Barclay zahlt 26 Millionen Pfund, überführte Barclays-Händler muss 96.000 Pfund Strafe zahlen und erhielt Berufsverbot. Wegen der Manipulation des Interbankenzinssatzes Libor musste Barclays bereits im Sommer 2012 stolze 290 Millionen Pfund zahlen, umgerechnet 350 Millionen Euro. Der damalige Barclays-Chef Bob Diamond nahm kurz danach seinen Hut. Quelle: REUTERS
Die größte Schweizer Bank UBS zahlt rund 1,4 Milliarden Franken (1,16 Milliarden Euro) und damit die zweithöchste Geldstrafe, zu der eine Schweizer Bank jemals verdonnert wurde. Die UBS hatte zudem im Jahr 2009 wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung von US-Bürgern der Zahlung von 780 Millionen Dollar zugestimmt, dabei aber keine Schuld zugegeben. In Deutschland soll die UBS wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung 200 Millionen Euro Strafe zahlen. Ende 2012 musste die UBS wegen des sogenannten Zockerskandals eine Strafe von 36,7 Millionen Euro zahlen und erhebliche Kontrollauflagen erfüllen. Die Bank wird damit für "System-und Kontrollfehler" bestraft. Zugleich wurden der UBS durch die Schweizer Finanzmarktbehörde FINMA scharfe Kontrollen im Investmentbanking auferlegt. Ohne diese Mängel wären die betrügerischen Transaktionen des Händlers Kweku Adoboli früher entdeckt worden. Quelle: REUTERS

Bei den Anlegern ist die Zuversicht nicht ganz so groß. Die Citi-Aktie verlor an der Wall Street rund zwei Prozent. Papiere der Bank of America notierten ebenfalls zwei Prozent im Minus. Hier war der Quartalsgewinn um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar gesunken.

Vor allem der anhaltend schwache Handel mit festverzinslichen Wertpapieren setzt den Banken zu. Die Aussicht darauf, dass die US-Notenbank Fed noch in diesem Jahr die seit der Finanzkrise historisch niedrigen Zinsen anheben könnte, reicht bislang nicht, um den Markt nachhaltig zu beleben.

Banken brauchen langen Atem

Die Investoren halten lieber die Füße still. Einige Investmentbanken in Europa - etwa die britische Barclays - wollen diese Flaute nicht länger aussitzen und reduzieren das kapitalzehrende Geschäft. Die Deutsche Bank, aber auch die großen US-Häuser, treten diesen Rückzug nicht an. Sie alle brauchen aber einen langen Atem, wie sich nun abermals zeigte.

Bei der Citigroup gingen die Einnahmen in der Sparte um 16 Prozent zurück und damit viel stärker als erwartet. Bei der Bank of America lag das Minus sogar bei 30 Prozent. JP Morgan hatte sich da mit einem Rückgang um 14 Prozent noch recht wacker geschlagen.

Bei der Bank of America, die in den vergangenen Jahren immer wieder hohe Strafen wegen dubioser Hypothekengeschäfte vor der Finanzkrise abdrücken musste, zeigt sich unterdessen Licht am Ende des Tunnels: Hier summierten sich die Kosten für Rechtsstreitigkeiten dieses Mal auf knapp 400 Millionen Dollar.

Im vorangegangenen Quartal waren es noch 5,6 Milliarden Dollar. Ob die Entwicklung nachhaltig in die richtige Richtung geht, soll sich dieses Jahr zeigen. Die schlimmsten Fälle seien beigelegt, erklärte Bankchef Brian Moynihan.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Die Bilanz von Branchenprimus JP Morgan wurde durch Milliardenstrafen für Manipulationen am Devisenmarkt verhagelt. Der Nettogewinn fiel im vierten Quartal unerwartet stark um 6,6 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar, wie das Geldhaus am Mittwoch mitteilte.

Auch im operativen Geschäft lief es nicht rund. Vor allem im wichtigen, aber sehr schwankungsanfälligen Handel mit festverzinslichen Wertpapieren brachen die Einnahmen um fast ein Viertel ein.

An der Wall Street drückten die Zahlen auf die Stimmung. Der JP-Morgan-Kurs büßte 3,5 Prozent ein. Wells-Fargo-Aktien gaben 0,6 Prozent nach. Hier wurden die Gewinnschätzungen der Analysten gerade so erreicht.

JP Morgan hatte im November einer Strafzahlung für ihre Rolle im Skandal um manipulierte Devisenkurse zugestimmt. Dies belastete die Quartalsbilanz nach Steuern mit knapp einer Milliarde Dollar. Das Institut stand dabei aber nicht alleine. Insgesamt müssen sechs Großbanken 4,3 Milliarden Dollar aufbringen. Neben JP Morgan sind dies noch die Schweizer UBS, die Royal Bank of Scotland, HSBC, Citigroup und die Bank of America.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%