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Comdirect-Datenpanne Was Kunden jetzt tun müssen

Durch eine Datenpanne konnten Tausende Kunden der Direktbank Comdirect fremde Konten und Depots einsehen. Anlegeranwalt Dietmar Kälberer erklärt, warum Kunden jetzt aktiv werden müssen und ob sie Schadensersatz verlangen können.

Dietmar Kälberer ist Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht. Quelle: Presse

Tausende Kunden der Direktbank Comdirect konnten am Montagmorgen über Stunden auf fremde Konten zugreifen. Durch den Fehler landeten sie nach dem Einloggen ins Online-Banking nicht auf dem eigenen Konto, sondern sahen die Konto- und Depot-Stände anderer Kunden, wie ein Sprecher der Commerzbank-Tochter einräumte. Auch Umbuchungen, etwa vom Girokonto auf das Depot, seien möglich gewesen, nicht aber Überweisungen auf andere Konten.

"Am Kundenvermögen ließ sich nichts verändern", betonte der Sprecher. Insgesamt hat Comdirect rund zwei Millionen Privatkunden. Wir haben den Berliner Anlegeranwalt Dietmar Kälberer gefragt, welche Folgen der Vorfall für Kunden hat – er sieht Handlungsbedarf.

WirtschaftsWoche: Herr Kälberer, bei der Direktbank Comdirect waren wegen einer Technikpanne fremde Konten einsehbar. Bestehen Schadensersatzansprüche?

Dietmar Kälberer: Grundsätzlich ja, da das Bankgeheimnis verletzt wurde. Nur gibt es ohne Schaden auch keinen Schadensersatz. Und in Deutschland muss ein solcher Schaden in Geld entstanden sein. Schmerzensgeld ist die Ausnahme.

Die wichtigsten Antworten zur Comdirect-Datenpanne

Hier ist wohl vor allem Vertrauen verletzt worden…

Allein dafür, dass der Nachbar nun weiß, dass man ein Aktiendepot hat, gibt es aber grundsätzlich keine Wiedergutmachung in Geld. Dabei kann auch das störend sein. Wir haben insbesondere gerade bei prominenten oder reichen Mandanten das Problem, dass diese natürlich nicht wollen, dass ihre Vermögensverhältnisse und Anlagegeschäfte veröffentlicht werden.

Ein häufiges Thema bei derartigen Datenlecks sind auch immer wieder Befürchtungen im Hinblick auf Finanzämter. Geldflüsse und ähnliches sind ja manchmal für diese Behörde sehr interessant.

Bleibt die Verletzung des Datenschutzes damit folgenlos?

Nein, nicht unbedingt. Fallen Rechtsverfolgungs- oder Kündigungskosten an, können Kunden diese bei der Bank einfordern. Theoretisch könnten Kunden die Bank auch abmahnen und eine strafbewehrte Unterlassungserklärung nebst Erstattung der Anwaltskosten verlangen. Das könnte für die Bank ziemlich teuer werden. Aber Kunden sind erfahrungsgemäß zurückhaltend.

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