Commerzbank-Aufsichtsratschef geht Kuscheliges Ende für Klaus-Peter Müller

Commerzbank: Der Vorstandsvorsitzende Martin Zielke (links) und der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Klaus-Peter Müller vor Beginn der Hauptversammlung Quelle: dpa

Die Hauptversammlung der Commerzbank verabschiedet den scheidenden Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller mit viel Lob. Über die offenen Baustellen der Bank darf das nicht hinwegtäuschen.

So viel trautes Heim war selten. Schon zum zweiten Mal in Folge darf sich Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller auf der Hauptversammlung über eine Tafel „Merci“-Schokolade freuen. Ein Kleinaktionär überreichte Müller den süßen Dank für dessen Jahre als Chefkontrolleur der Bank. Andere übermittelten schöne Grüße und bekannten sich als „Fan“.

„Danke für alles Gute, was Sie gemacht haben. Das schlechte vergessen wir und wünschen alles Gute für weiteres Leben“, nutzte eine Aktionärin ein kenianisches Sprichwort zum Dank.

Auch Vorstandschef Martin Zielke sparte nicht am Lob. „Die Bank mit ihrer besonderen Kultur trägt Ihre Handschrift“, erklärt der Commerzbank-Chef. Und selbst kritische Aktionärsvertreter finden nur wohlwollende Worte für Müller, der nach zehn Jahren aus dem Aufsichtsrat der Commerzbank ausscheidet und durch den ehemaligen Risikovorstand der Bank, Stefan Schmittmann, ersetzt wird.

Das ist der neue Commerzbank-Aufsichtsratschef Schmittmann
Commerzbank Aufsichtsratsvorsitzender Stefan Schmittmann Quelle: dpa
Commerzbank Aufsichtsratsvorsitzender Stefan Schmittmann Quelle: dpa
Commerzbank Klaus-Peter Müller Quelle: dpa
Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Quelle: dpa
Commerzbank Martin Zielke und Klaus-Peter Müller Quelle: REUTERS
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main Quelle: dpa
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main Quelle: dpa

Ob des vielen Lobes gibt sich Müller geschmeichelt. „So viele Fans habe ich ja in den vergangenen Jahren nicht gehabt“, sagt der intern KPM genannte Aufsichtsratschef. So spiegelt denn der Aktienkurs die plötzliche Euphorie der Aktionäre auch nicht wider. Mehr als 90 Prozent ihres Werts verlor die Aktie seit Mai 2008, als Müller Chefkontrolleur wurde. Gravierende Tiefschläge gehen auf sein Konto. So kaufte Müller vor der Finanzkrise erst den Immobilienfinanzierer Eurohypo und übernahm dann auch noch die Dresdner Bank. Das Ende ist bekannt, der Bund musste die strauchelnde Commerzbank mit Staatsgeld retten und hält weiterhin rund 15 Prozent der Anteile an der Bank.

Aber es scheint, als hätte Müller mit seiner rheinisch-humorigen Art so manch dividendenfreies Jahr wettgemacht. Dabei hilft ihm allerdings auch die Tatsache, dass die „Freunde in der Taunusanlage“ im Moment deutlich mehr Probleme haben, wie ein Aktionärsvertreter mit Blick auf die Deutsche Bank feststellt.

Tatsächlich kommt es bei Aktionären und Investoren gut an, dass die Commerzbank im Gegensatz zur Konkurrenz offensichtlich eine durchdachte Strategie hat. Das gesteckte Ziel von zwei Millionen neuen Privatkunden bis 2020 scheint dank hoher Willkommensboni für Girokonten nur noch eine Frage der Zeit, die Kosten für die Restrukturierung hat die Bank schon im Jahr 2017 verbucht und deshalb für 2018 erstmals wieder eine Dividende angekündigt. Er plane eine „konservative Auszahlung“, sagt Commerzbank-Chef Zielke. Im ersten Quartal habe man den Aufwand dafür entsprechend abgegrenzt. Auch in den nächsten Jahren sollen, wenn möglich, 30 bis 40 Prozent des Gewinns ausgeschüttet werden.

Damit das gelingt, muss die Bank in den nächsten Monaten vor allem profitabler werden und ihre Erträge steigern. Diese seien zu Jahresbeginn stabil gewesen, sagt Zielke. Aber in beiden Kernsegmenten, dem Privat- und Firmenkundengeschäft, war das operative Ergebnis 2017 deutlich gesunken. Zwar funktioniere die Wachstumsstrategie der Bank laut Insidern bisher gut, aber langsam stoße sie dank des gleichzeitig stattfindenden Personalabbaus an Grenzen.

So digitalisieren Banken ihr Geschäftsmodell

Teilweise fehle mittlerweile gar das Personal, um die vielen Neukunden anständig zu betreuen. Ein Problem dabei ist die veraltete IT, die weiteren Synergien im Wege steht. Vor diesem Hintergrund klingen die langfristig angestrebten sechs bis acht Prozent Rendite aufs Eigenkapital sehr ambitioniert. Ohne Sondereffekte sind es aktuell bisher etwas mehr als drei Prozent.
Die Strategie überwachen muss künftig Schmittmann. Nach dem präsidialen Müller sei er deutlich umgänglicher und offener, heißt es im Umfeld des Aufsichtsrats. Ob der 61-Jährige sich im kommenden Jahr auf seiner ersten Hauptversammlung auch über eine Tafel „Merci“-Schokolade freuen darf, dürfte stark davon abhängen, ob die Bank wie angekündigt für 2018 eine Dividende zahlt oder nicht.

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