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Commerzbank-Aufsichtsratschef Müller "Ich würde die Dresdner Bank wieder kaufen"

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Große Nähe zu Mitarbeitern

Welche Banken wackeln
Welche Banken dringend Geld brauchenDexiaDie Sorge um die Banken ist zurück. Die belgisch-französische Dexia-Bank muss aufgefangen werden, die Deutsche Bank kassiert ihr Gewinnziel und die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Ratings für 15 US-Banken gesenkt. Auch die Deutsche Bank fing sich einen Warnschuss ein: S&P senkte den Ausblick von stabil auf negativ. Die Aktien des Sektors schwanken zwischen Bangen und der Hoffnung auf neue staatliche Hilfen. Ein Gradmesser für die Nervosität der Märkte sind die Kreditausfallversicherungen, im Branchenjargon Credit Default Swaps (CDS) genannt. Mit CDS sichern sich Investoren gegen eine Bankpleite ab. Derzeit müssen sie für eine solche Versicherung wieder hohe Summen zahlen. Wir zeigen Ihnen, für welche Banken besonders tief in die Tasche gegriffen werden muss. Und wie es beim Rating um die Banken steht. Quelle: Handelsblatt Online Quelle: dpa
HSBCDie HSBC hat sich in den vergangenen Wochen vergleichsweise gut gehalten - und auch von der Ratingaktion von Moody's ist die Bank, die stark in Asien aktiv ist, nicht betroffen. Allerdings wird auch die Hongkong and Shanghai Banking Corporation vorsichtiger. Das Geldhaus unterstrich, es gebe Risiken für die weltweite Konjunkturerholung durch die stärkere Regulierung in Großbritannien. Schwierigkeiten macht schon jetzt das Investment-Banking, wo der Gewinn im ersten Halbjahr auf 4,8 Milliarden Dollar sank. Um die Kosten weiter zu drücken, kündigte HSBC zudem die Streichung von 25.000 Stellen bis 2013 an. CDS in Basispunkten: 169,75 Kursentwicklung (3 Monate): - 3,04 Prozent Rating (S&P): A+ (Stand 30.11.2011) Quelle: AP
JP Morgan ChaseWas die HSBC in Europa, ist JP Morgan Chase in den USA. Der Großbank scheinen die neuen Turbulenzen am Finanzmarkt wenig anhaben zu können. Auch im zweiten Quartal überraschte das Institut den Markt mit einem Gewinnanstieg um 14 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar. Zwar profitierte die Bank wie viele Konkurrenten von der Auflösung von Rückstellungen, doch unter dem Strich steht sie deutlich besser da als die Wettbewerber, wie die geringen Risikoaufschläge für Kreditausfallversicherungen zeigen. Die Aktie hat sich mehr oder weniger parallel zum Markt entwickelt, andere Branchengrößen traf es weitaus härter. Doch es gibt auch schlechte Nachrichten: Die Konzernführung rechnet für das dritte Quartal mit einem 30-prozentigen Rückgang der Erträge in den Bereichen Aktien- und Anleihehandel. Diese Segmente hätten im zweiten Quartal für einen Ertragsanteil von 75 Prozent des gesamten Investmentbankings gestanden. CDS in Basispunkten: 168,32 Kursentwicklung (3 Monate): - 17,76 Prozent Rating: A (S&P) Quelle: AP
Deutsche BankAuch Deutschlands größtes Kreditinstitut konnte dem Abwärtsstrudel an den Börsen nicht entkommen. Die Konzernspitze musste eingestehen, dass ihr Gewinnziel von zehn Milliarden Euro in diesem Jahr nicht mehr zu erreichen ist. Die Bestnote behält die Deutsche Bank zwar vorerst. Jedoch hat die Ratingagentur Standard and Poor's den Ausblick von "stabil" auf "negativ" gesenkt. CDS in Basispunkten: 272,17 Kursentwicklung (3 Monate): +4,31 Prozent Rating (S&P): A+ Quelle: dpa
UBS2,3 Milliarden Dollar hat ein Händler der UBS verzockt, das Risikomanagement hatte versagt. Das Image des Schweizer Institut ist angekratzt, es droht eine Herabstufung. Für die Aktionäre war es ein Schock: Der Kurs verlor binnen weniger Tage über zehn Prozent an Wert. Wie geht es weiter? UBS-Chef Oswald Grübel nahm mehr oder weniger freiweillig seinen Hut. Sergio Ermotti, seit 24. September Interimschef und seines Zeichens ehemaliger Uni-Credit-Vize, wurde am 15. November offiziell zum Group-CEO bestellt. Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber übernimmt im Mai 2012 die Spitze des Verwaltungsrats der Schweizer Großbank. CDS in Basispunkten: 220 Kursentwicklung (3 Monate): - 4,38 Prozent Rating: A (S&P) Quelle: AP
Credit SuisseDer Skandal bei der UBS macht auch der Credit Suisse zu schaffen. Das Vertrauen in die Schweizer Banken ist insgesamt gesunken, auch die Aktie des Konkurrenten musste nach Bekanntwerden des Milliardenverlusts Kurseinbußen hinnehmen. Allerdings bewerten Investoren das Risiko bei der CS - gemessen an den CDS - deutlich niedriger als beim Erzrivalen. CDS in Basispunkten: 190 Kursentwicklung (3 Monate): - 5,56 Prozent Rating (S&P): A+ Quelle: dpa
Barclays PLCDie britische Großbank Barclays sieht sich auf dem Weg, die Gewinn- und Sparziele zu erreichen. Das Institut verfüge über eine felsenfeste Kapital- und Liquiditätsposition, sagte Konzernchef Bob Diamond vor Investoren. Das Ziel, jährlich eine Milliarde Pfund einzusparen, werde Barclays übertreffen, sagte Diamond. Zuvor hatte er angekündigt, neben den Einsparungen bis 2013 zusätzliche Einnahmen von sechs Milliarden Pfund pro Jahr zu erreichen. Die Anleger haben die Aktie dennoch massiv verkauft. Moody's sieht allerdings positiver als andere britische Banken. Von den jüngsten Herabstufungen war das Institut nicht betroffen. CDS in Basispunkten: 250,60 Kursentwicklung (3 Monate): +16,08 Prozent Rating (Moody's): A1 Quelle: DPA

Die Mitarbeiter mögen Sie, denn Sie pflegen als Fußballfan, Karnevalist und Bundeswehr-Reservist einen bodenständigen und volksnahen Stil. Martin Blessing dagegen, der ehemalige Unternehmensberater von McKinsey, wirkt manchmal kühl und technokratisch.

Müller: Es wäre doch erschreckend, wenn wir bei der Commerzbank Generation für Generation im einheitlichen Mao-Look auftreten würden. Außerdem bin ich vielleicht nicht ganz so volkstümlich, wie Sie es schildern – und ganz sicher ist Martin Blessing kein Technokrat. Aber er ist ein anderer Typ als ich und das ist auch gut so. Was er zum Beispiel viel besser als ich beherrscht, ist der Umgang mit den neuen Medien...

… also Blessing twittert lieber, während Sie gerade ein klassisches Interview geben?

Müller: ...ja, vielleicht. Aber Spaß bei Seite. Ich bin seit 42 Jahren bei der Commerzbank aktiv und konnte daher zahlreiche persönliche Kontakte in der Belegschaft knüpfen und eine große Nähe zu den Mitarbeitern aufbauen. In dieser Zeit haben wir viele Projekte auf den Weg gebracht, von denen Bank und Mitarbeiter profitieren. Ich denke da etwa an die Beurteilung von Vorgesetzten durch die Mitarbeiter, den Betriebskindergarten oder die Frauenförderung – schon als diese noch nicht in Mode war.

Jetzt sollen bis zu 6000 Stellen wegfallen, nachdem Sie wegen der Integration der Dresdner Bank bereits 9000 Jobs abgebaut haben. Können Sie das Ihren Mitarbeitern nicht ersparen?

Müller: Wir haben in bestimmten Bereichen für unsere Mitarbeiter keine Arbeit mehr und können nicht vernachlässigen, was sich auf dem Markt abspielt. Die Kunden suchen immer seltener Filialen auf, was für alle Banken gilt. Der technische Fortschritt ermöglicht den Kunden mobiles Banking zu jeder Tageszeit und den Banken effizienteres Arbeiten. In unserem Frankfurter Postzentrum etwa versenden wir täglich bis zu 60.000 Briefe, was mittlerweile nur eine Hand voll Mitarbeiter bewerkstelligt, statt zuvor knapp 80 Beschäftigte. Die Nachfrage nach Wertpapieren und Verbraucherkrediten ist auf einem Tiefstand, unsere Zins- und Provisionseinnahmen sind eingebrochen. Wenn ein Autohersteller keine Autos mehr verkauft, versteht jeder, dass Kapazität abgebaut werden muss. Bei Bankdienstleistungen ist das im Moment genauso.

Wie verhält sich eigentlich der Staat als großer Anteilseigner angesichts des Stellenabbaus?

Müller: Der Bund verhält sich wie ein professioneller institutioneller Investor.

Das heißt?

Müller: Der Bund ist mit zwei Mitgliedern im Aufsichtsrat vertreten, die genau hinschauen, was strategisch bei der Bank passiert. Aus der Geschäftsführung hält sich der Staat wie alle anderen Aktionäre aber ganz im Sinn guter Unternehmensführung heraus, obwohl er Großaktionär ist. Er beeinflusst nicht, wie viel Kredit wir an wen vergeben oder welche Personalpolitik wir betreiben. Nach dem Staatseinstieg hat sich für meine Arbeit als Aufsichtsrat nichts geändert. Übrigens ist auch der Politik klar, dass Beamte nicht die besseren Banker sind.

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