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Commerzbank-Aufsichtsratschef Müller "Ich würde die Dresdner Bank wieder kaufen"

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Lehman-Pleite war nicht vorhersehbar

Wie gut ist die Nummer zwei der deutschen Bankenwelt?
Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main Quelle: dpa
 Ein Containerschiff wird im Hamburger Hafen be- und entladen Quelle: dpa
Eine Auszubildende schraubt an einem Motor Quelle: dpa
Das Logo der Dresdner Bank vor dem Gebäude der Commerzbank Quelle: dpa
Anshu Jain, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank Quelle: dpa
Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank AG zu Beginn der Hauptversammlung des Unternehmens Quelle: dpa
Der Kurswert der Commerzbank-Aktie am 9. Januar 2009 Quelle: AP

Hätten Sie mit der Akquisition damals nicht etwas warten sollen – die Finanzkrise zeichnete sich ja schon ab? Die Deutsche Bank hat die Postbank ja auch Schritt für Schritt übernommen statt alles auf einmal.

Müller: Es wäre unverantwortlich gegenüber unseren Aktionären gewesen, hätte ich die Lehman-Pleite vorausgeahnt und die Übernahme trotz dieses Wissens laufen lassen. Aber dieses Wissen fehlte damals. Außerdem läuft eine solche Transaktion nicht nach dem Motto „Wünsch Dir was“. Die Allianz wollte verkaufen, alles oder nichts, und hat nicht gefragt, ob wir das etwas früher machen wollen oder lieber etwas später. Wir mussten handeln, denn es gab auch noch andere ernsthafte Interessenten.

Jetzt haben Sie nach der Übernahme immer noch den Staat an Bord. War es das wert?

Müller: Ja, denn die Commerzbank hat heute doppelt so viel Eigenkapital und deutlich mehr Kunden wie vor der Fusion. Zudem haben wir unser internationales Geschäft beträchtlich ausgeweitet und wickeln jetzt 30 Prozent des deutschen Außenhandels ab. Die Finanzierung von mittelständischen Unternehmen erzielt Rekordergebnisse, die Investmentbank ist profitabel.

Zugegeben, ihr Geschäft mit exportstarken deutschen Unternehmen läuft. Jedoch  muss die Commerzbank Staatsanleihen sowie notleidende Immobilienkredite aus der untergegangenen Eurohypo in Milliardenhöhe entsorgen, die Schiffsfinanzierung stellt sie komplett ein.

Müller: Beim Kauf der Eurohypo 2005 konnte sich keiner vorstellen, dass einmal Zweifel an der Zahlungsfähigkeit von Mitgliedern der Eurozone entstehen würden. Doch 2011 mussten wir unsere Griechenlandanleihen plötzlich weitgehend abschreiben – kurz vorher hatte die Politik uns noch gebeten, unsere Bestände zu halten. Eine solche Entwicklung hat es zuvor nicht gegeben. Die Staatsschuldenkrise hat die Commerzbank stärker erwischt als andere Institute.

Machen Sie auch deshalb so lange weiter, um zu beweisen, dass Ihre strategischen Entscheidungen als Vorstands- und Aufsichtsratschef richtig waren?

Müller: Es läuft doch auch jetzt schon vieles gut, wie das Mittelstandsgeschäft oder die Investmentbank. Im Privatkundenbereich leiden wir genauso wie Sparkassen und Volksbanken unter den  niedrigen Zinsen. Alle Banken können die Einlagen ihrer Kunden derzeit kaum noch gewinnbringend anlegen, weil das Zinsniveau aufgrund der expansiven Geldpolitik auf einem Tiefpunkt ist.

Also müssen Sie vielleicht doch nicht so viele Jobs streichen wie derzeit geplant?

Müller: Vor den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern kann ich nichts zum Umfang des Stellenabbaus sagen. Der hängt auch davon ab, welche Reformen wir umsetzen können. Martin Blessing hat einmal treffend auf den Punkt gebracht, dass die Commerzbank mit ihren starren Öffnungszeiten selbst mancher Behörde noch hinterherhinkt. Wir müssen dringend kundenfreundlicher werden und auch am späteren Abend öffnen. Es gehört aber zur Kultur der Commerzbank, Stellenabbau sozialverträglich vorzunehmen. Mich würde sehr wundern, wenn das diesmal anders laufen sollte.

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