Commerzbank Blessing wurstelt immer weiter

Nach den Rückschlägen der vergangenen Jahre hat sich die Commerzbank stabilisiert. Sonderlich rosig sind die Perspektiven dennoch nicht. Das Zukunftskonzept heißt vor allem Sparen.

Es ist zuletzt ziemlich still geworden um die Commerzbank und ihren Chef Martin Blessing. Quelle: dpa

Es ist zuletzt ziemlich still geworden um die Commerzbank und ihren Chef Martin Blessing. Weder hat die Bank Ergebnisprognosen krachend verfehlt, noch gab es neue Gerüchte, dass ein ausländischer Wettbewerber sie kaufen will. Der Aktienkurs dümpelt so dahin. Und während Blessing vor zwei Jahren noch wie ein Chef auf Abruf wirkte, sitzt er nun wieder fest im Sattel.

Das heißt nicht, dass er sorgenfrei losgaloppieren kann. Wenn Blessing am morgigen Donnerstag die Ergebnisse des vergangenen Jahres präsentiert, wird es verhaltene Töne geben. Die Bank ist zwar über den Berg, den Stresstest der EZB hat sie im Herbst souverän bestanden - aber wirklich bergauf geht es deshalb nicht.

In einer Art neuer Normalität wurstelt sich das Management so durch. Es ist ein mühsamer Weg aus vielen kleinen Schritten, der für die Mitarbeiter wegen immer weiterer Einsparungen wenig erbaulich ist.

Die Baustellen des Commerzbank-Chefs
Stellenabbau auf der FührungsebeneDer Streichung von 5200 Stellen quer durch die Bank und in den Filialen folgt nun der radikale Abbau von Führungspersonal: Personalvorstand Ulrich Sieber muss gehen. Der Aufsichtsrat beschloss am 6. November, ihn zum Jahresende von seinem Posten abzuberufen. Verfehlungen wirft sie dem auch für die interne Abbaubank NCA zuständigen Manager nicht vor. Hintergrund ist ein Streit darüber, wie viel Abfindung ihm zusteht. Sieber will gegen die Entscheidung des Aufsichtsrats juristisch vorgehen. Siebers Vorstandskollege Jochen Klösges entgeht seiner drohenden Abberufung durch einen Wechsel zur Hamburger Reederei Erck Rickmers. Nicht nur die beiden Posten im derzeit neunköpfigen Vorstand der Bank will Blessing abschaffen. Auch auf Ebene der zahlreichen Bereichsvorstände sollen Manager wegfallen. Eine Stufe tiefer hat die Bank bereits zahlreiche Posten von Bereichsvorständen gestrichen und will auch die Ebene der Bereichsleiter ausdünnen. Quelle: dpa
Umbau der PrivatkundensparteSie ist Blessings wohl wichtigstes Projekt. 1.200 Filialen und elf Millionen Kunden hat die Sparte. Martin Blessing und sein Privatkundenvorstand Martin Zielke vergleichen die Herausforderungen im Filialgeschäft gern mit der Situation der Printverlage, die ihr Geschäftsmodell für die digitale mediale Zukunft wappnen müssen. Auch Bankfilialen sehen sich mit Kundenschwund konfrontiert, seit Bankgeschäfte über das Internet von zuhause aus oder mit Mobilgeräten sogar unterwegs erledigt werden können. Die Commerzbank will reagieren, indem sie ihre Filialen onlineaffin macht. Quelle: dpa
Besserer ServiceDie Filialen sollen zwar beibehalten werden, doch deren Service soll unabhängiger von den Öffnungszeiten werden. Kunden sollen Standardprodukte wie Girokonten oder Konsumentenkredite auch online abschließen können, ohne dafür eine Filiale aufsuchen zu müssen. Das gilt auch für Baufinanzierungen. Mit einer Servicehotline will die Commerzbank 24 Stunden täglich und sieben Tage die Woche erreichbar sein. Quelle: dpa
Altlasten der EurohypoNeben den aktuellen Umbauaktionen darf der noch ausstehende Rückbau von Altlasten vor allem aus der untergegangenen Ex-Tochter Eurohypo (jetzt Hypothekenbank Frankfurt) nicht in Vergessenheit geraten. Blessing und seine Mannschaft können Erfolge beim Schrumpfen notleidender gewerblicher Immobilienfinanzierungen verzeichnen. Im Juli verkaufte sie gewerbliche Immobilienkredite von fünf Milliarden Euro, sowie das gesamte operative Geschäft der Eurohypo an die US-Großbank Wells Fargo und den Finanzinvestor Lone Star. Doch damit ist es noch nicht getan. Griechische Staatsanleihen hat die Commerzbank zwar aus ihrer Bilanz verbannt, muss aber noch Finanzierungen anderer europäischer Krisenstaaten loswerden. Quelle: dpa
Sorgenkind SchiffsfinanzierungDie Commerzbank sitzt noch auf einem Berg milliardenschwerer Schiffs- und Staatsfinanzierungen. Die wackligen Schiffskredite stehen noch mit einem Betrag von 17 Milliarden Euro in den Büchern (Stand, 8. August 2013). Das Portfolio an Schiffskrediten soll bis 2016 um 40 Prozent reduziert werden. Um hohe Abschläge bei einem Verkauf zu vermeiden, hat sich die Bank dazu entschlossen, einige Schiffe selbst zu betreiben und hierzu die Hanseatic Ship Asset Management gegründet. Quelle: dpa

Noch immer leidet die Commerzbank unter zwar nicht mehr existenzbedrohenden, aber doch erheblichen Altlasten. 36 Milliarden Euro an Finanzierungen von Gewerbeimmobilen und Schiffen waren zuletzt noch übrig, bis Ende 2016 sollen es bloß noch 20 sein.

Das ist realistisch, auch wenn große Befreiungsschläge wie der Verkauf aller spanischen Kredite für Gewerbeimmobilien im Frühjahr 2014 schwerer werden. Wegen der niedrigen Zinsen übernehmen Investoren aber weiterhin gerne auch etwas riskantere Finanzierungen aus den Bankbüchern. Das gilt sogar für die besonders schwierigen Schiffskredite. Hier hat die Bank die Verkaufsbemühungen jedenfalls deutlich intensiviert.

Während sie den Abbau der Altlasten erleichtern, machen die Niedrigzinsen das Kerngeschäft der Bank schwerer. Das gilt vor allem für Privatkunden. Bisher konnte die Bank das Ergebnis zwar stabil halten und die Erträge sogar leicht steigern. Das gelang ihr dadurch, dass sie bis Ende September 30 Prozent mehr Baufinanzierungen abschloss als im Vorjahr. Das dürfte so aber kaum dauerhaft weiter gehen.

Goldman zweifelt an Commerzbank

Die niedrigen Zinsen belasten auch das für die Bank zentrale Geschäft mit Mittelständlern. Auch hier lief es zuletzt stabil. Die Bank hat ihr Kreditvolumen zuletzt zwar noch mal gesteigert, große Zuwächse sind aber schon wegen des enorm gestiegenen Wettbewerbs kaum absehbar. Sie ließen sich allenfalls mit zu günstigen Konditionen teuer erkaufen. Auch so bleibt das Risiko, dass die Commerzbank von einer deutlichen Eintrübung der Konjunktur in Deutschland besonders hart getroffen würde.

Wo Wachstum fehlt, wird gespart. Ein großes Kostenprogramm, das auf einen Schlag tausende Stellen streicht, ist zwar nicht zu erwarten. Die Einsparungen erfolgen aber tröpfchenweise. So fallen in den kommenden Jahren rund 400 Stellen in London weg, fast 400 kommen auch in der Finanzbuchhaltung in Frankfurt hinzu. Viele Stellen werden in nicht an Tarifverträge gebundene Servicegesellschaften ausgelagert. Zudem fällt im Privatkundengeschäft eine komplette Führungsebene weg.

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So wird es erstmal weitergehen. Damit passt sich die Bank an das auf absehbare Zeit schwierige Umfeld an. Sonderlich visionär ist das nicht, aber zumindest sorgt es für Stabilität. Die gibt es wohl auch bei einem der größten Sponsoring-Projekte. Die Bank wird sich wohl bis 2020 die Namensrechte für das örtliche Stadion sichern, der Mittelklasseclub Eintracht Frankfurt weiterhin in der Commerzbank-Arena kicken.

Das passt. Solide Mittelklasse, weg von der Abstiegszone – nach den Turbulenzen der vergangenen Jahren ist das für die Bank und ihren Chef schon ein großer Fortschritt.

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