Commerzbank Die Latte hängt wieder höher

Der krisengebeutelten Commerzbank geht es besser. Doch das ist nicht allein das Verdienst des Managements unter Martin Blessing.

Die Hauptversammlung der krisengebeutelten Commerzbank dürfte wesentlich entspannter ablaufen als in den letzten Jahren. Quelle: dpa

Die Hauptversammlung von Deutschlands zweitgrößter Bank am Donnerstag dürfte wesentlich entspannter ablaufen als in den zurückliegenden Jahren. Die Aktionärstreffen des mit Staatsgeld aus der Finanzkrise geretteten Dax-Konzerns arteten in der Vergangenheit oft über weite Strecken zu reinen Vorstandsbeschimpfungen aus.

Der Frust der Aktionäre ist verständlich, manche haben nach dem Kurseinbruch und teuren Kapitalerhöhungen mehr als 90 Prozent ihres investierten Kapitals verloren. Neben CEO Martin Blessing stand bei den Hauptversammlungen auch Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller regelmäßig am Pranger, der während seiner Amtszeit als Vorstandschef Altlasten verursacht hatte, mit denen seine Bank noch immer zu kämpfen hat.

Doch seit Anfang des Jahres läuft es nach langer Zeit wieder besser für das Unternehmen: Der Aktienkurs notiert derzeit über zwölf Euro, eine Verdopplung gegenüber dem Tiefstand im Jahr 2013 von unter sechs Euro. Auch die am Mittwoch einen Tag vor der Hauptversammlung veröffentlichten Geschäftszahlen für das erste Quartal 2014 zeigen nach oben. Die Commerzbank erzielte ein Konzernergebnis von 200 Millionen Euro nach einem Verlust von 98 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Marathonmann Blessing, der die Durststrecke mit Schelte durch Eigentümer und Medien mit zusammengebissenen Zähnen durchgestanden hat, sieht sein Haus auf dem richtigen Weg.

Die Baustellen des Commerzbank-Chefs
Stellenabbau auf der FührungsebeneDer Streichung von 5200 Stellen quer durch die Bank und in den Filialen folgt nun der radikale Abbau von Führungspersonal: Personalvorstand Ulrich Sieber muss gehen. Der Aufsichtsrat beschloss am 6. November, ihn zum Jahresende von seinem Posten abzuberufen. Verfehlungen wirft sie dem auch für die interne Abbaubank NCA zuständigen Manager nicht vor. Hintergrund ist ein Streit darüber, wie viel Abfindung ihm zusteht. Sieber will gegen die Entscheidung des Aufsichtsrats juristisch vorgehen. Siebers Vorstandskollege Jochen Klösges entgeht seiner drohenden Abberufung durch einen Wechsel zur Hamburger Reederei Erck Rickmers. Nicht nur die beiden Posten im derzeit neunköpfigen Vorstand der Bank will Blessing abschaffen. Auch auf Ebene der zahlreichen Bereichsvorstände sollen Manager wegfallen. Eine Stufe tiefer hat die Bank bereits zahlreiche Posten von Bereichsvorständen gestrichen und will auch die Ebene der Bereichsleiter ausdünnen. Quelle: dpa
Umbau der PrivatkundensparteSie ist Blessings wohl wichtigstes Projekt. 1.200 Filialen und elf Millionen Kunden hat die Sparte. Martin Blessing und sein Privatkundenvorstand Martin Zielke vergleichen die Herausforderungen im Filialgeschäft gern mit der Situation der Printverlage, die ihr Geschäftsmodell für die digitale mediale Zukunft wappnen müssen. Auch Bankfilialen sehen sich mit Kundenschwund konfrontiert, seit Bankgeschäfte über das Internet von zuhause aus oder mit Mobilgeräten sogar unterwegs erledigt werden können. Die Commerzbank will reagieren, indem sie ihre Filialen onlineaffin macht. Quelle: dpa
Besserer ServiceDie Filialen sollen zwar beibehalten werden, doch deren Service soll unabhängiger von den Öffnungszeiten werden. Kunden sollen Standardprodukte wie Girokonten oder Konsumentenkredite auch online abschließen können, ohne dafür eine Filiale aufsuchen zu müssen. Das gilt auch für Baufinanzierungen. Mit einer Servicehotline will die Commerzbank 24 Stunden täglich und sieben Tage die Woche erreichbar sein. Quelle: dpa
Altlasten der EurohypoNeben den aktuellen Umbauaktionen darf der noch ausstehende Rückbau von Altlasten vor allem aus der untergegangenen Ex-Tochter Eurohypo (jetzt Hypothekenbank Frankfurt) nicht in Vergessenheit geraten. Blessing und seine Mannschaft können Erfolge beim Schrumpfen notleidender gewerblicher Immobilienfinanzierungen verzeichnen. Im Juli verkaufte sie gewerbliche Immobilienkredite von fünf Milliarden Euro, sowie das gesamte operative Geschäft der Eurohypo an die US-Großbank Wells Fargo und den Finanzinvestor Lone Star. Doch damit ist es noch nicht getan. Griechische Staatsanleihen hat die Commerzbank zwar aus ihrer Bilanz verbannt, muss aber noch Finanzierungen anderer europäischer Krisenstaaten loswerden. Quelle: dpa
Sorgenkind SchiffsfinanzierungDie Commerzbank sitzt noch auf einem Berg milliardenschwerer Schiffs- und Staatsfinanzierungen. Die wackligen Schiffskredite stehen noch mit einem Betrag von 17 Milliarden Euro in den Büchern (Stand, 8. August 2013). Das Portfolio an Schiffskrediten soll bis 2016 um 40 Prozent reduziert werden. Um hohe Abschläge bei einem Verkauf zu vermeiden, hat sich die Bank dazu entschlossen, einige Schiffe selbst zu betreiben und hierzu die Hanseatic Ship Asset Management gegründet. Quelle: dpa

Das ist treffend formuliert, denn am Ziel ist die Commerzbank noch nicht. Bis 2016 soll das Geschäftsmodell umgebaut werden, um das Privatkundengeschäft und die Mittelstandsbank zu stärken und Altlasten in Form von Staats- und Schiffskrediten sowie gewerblichen Immobilienfinanzierungen zu reduzieren. Dabei soll die Zahl der Privatkunden von elf auf zwölf Millionen steigen und das Privatkundensegment ein operatives Ergebnis von 500 Millionen Euro erzielen.

Die aktuellen Geschäftszahlen sind ein Schritt in die richtige Richtung. Doch die Erholung der Aktie ist nicht nur der Leistung des Führungsteams unter Martin Blessing geschuldet. Die Commerzbankpapiere wurden im allgemeinen Dax-Boom mit nach oben befördert und könnten schnell wieder absteigen, wenn es mit der Börse wieder nach unten geht.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Immerhin geht der Umbau des Privatkundengeschäfts voran. Die Bank hat dank zusätzlicher Angebote im ersten Quartal die Zahl der Kunden um 43.000 gesteigert, muss aber das Tempo erhöhen, um die Zielmarke an Neukunden rechtzeitig zu erreichen. Das Team um Digitalchef Ole Franke hat den Onlineauftritt und das elektronische Banking grundlegend modernisiert und deutlich komfortabler gemacht.

Für mobile Bankgeschäfte ist seit dieser Woche sogar eine kostenlose App extra für Tabletrechner verfügbar. An der Filialfront dagegen läuft die Modernisierung eher schleppend. In Berlin und Stuttgart hat die Commerzbank Testfilialen eröffnet, die eindrucksvoll zeigen, wie Digitalbanking und persönliche Beratung künftig verknüpft werden können. Doch ob und wann das neue Filialkonzept breit ausgerollt wird, steht noch in den Sternen.

Durch die viel beachteten Werbespots mit ihrer volksnahen Filialleiterin Lena Kuske im Joggingdress hat die Commerzbank bei den Kunden hohe Erwartungen in Sachen Fairness und Zukunftsfähigkeit geweckt. Jetzt legt sie kurz vor der Fußballweltmeisterschaft mit einer Imagekampagne mit der deutschen Nationalmannschaft ebenso sportlich nach.

Die Latte ist also hoch gehängt, der Erfolg aber noch so unsicher wie das deutsche Abschneiden bei der WM.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%