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Commerzbank, IKB & Co. Krisenbanken misslingt Befreiungsschlag

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Die toxischen Papiere der Hypo Real Estate

Die Hypo Real Estate hinterließ nach ihrem Untergang ein Horrorkabinett voll mit toxischen Papieren. Quelle: dapd

Ein Befreiungsschlag ist von der neuen Strategie nicht zu erwarten. Die Investoren der Bank zumindest scheinen wenig überzeugt von dem neuen Konzept und die seit der Finanzkrise von starken Kursverlusten gebeutelte Aktie konnte nicht einmal von den kürzlich aufgetauchten Gerüchten über Stellenstreichungen im Zuge der geplanten Kostensenkung profitieren. Das, obwohl Ankündigungen von Sparmaßnahmen und Personalabbau durch Unternehmen oft für steigende Kurse sorgen.

Die Commerzbank hat zudem mit schwerwiegenden Altlasten aus ihrer Historie zu kämpfen. Die Brocken sollen abgebaut werden, ganze Geschäftsbereiche aus der aufgelösten Tochter Eurohypo werden eingestellt. Das trifft die Staatsfinanzierung sowie die Finanzierung von gewerblichen Immobilienprojekten. Auch die Kredite an Reedereien und Schiffsfonds aus der ehemaligen Schiffsbank-Tochter sind zum Abbau freigegeben. Neugeschäft in diesen Segmenten wird es nicht mehr geben, das Institut muss nun tonnenweise Geschäftsvolumen über Bord werfen. Das soll wertschonend erfolgen, also nicht durch verlustträchtige Notverkäufe, sondern größtenteils durch warten auf die restlichen Zins- und Tilgungszahlungen für die milliardenschweren Forderungen und Kredite.

Die Steuerzahler tragen über ihre Beteiligung mit an den Risiken der gewaltigen internen Bad Bank mit notleidenden Krediten und Randgeschäft. Eine Gelegenheit zum verlustfreien Ausstieg bietet sich angesichts des niedrigen Aktienkurses derzeit nicht, denn der Staat ist zu Preisen eingestiegen, die weit über dem aktuellen Niveau lagen.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Hypo Real Estate

Von der untergegangenen Hypo Real Estate hat Deutschland ein Horrorkabinett toxischer Papiere geerbt, die in der öffentlich-rechtlichen Abwicklungsanstalt FMS Wertmanagement endgelagert werden. Immerhin konnte die tapfere Mannschaft unter Chef-Abwickler Christian Bluhm das Portfolio von ursprünglich rund 175 Milliarden Euro auf rund 155 Milliarden Euro schrumpfen. Zu den Altlasten gehören dabei nicht nur notleidende Engagements, sondern auch relativ gesunde Kredite und Anlagen, von denen sich die Hypo Real Estate aus strategischen Gründen getrennt hat.

Im Portfolio befinden sich aber auch gefährliche Problempapiere wie Studienkredite an arbeitslose US-Absolventen, Finanzierungen von Immobilien im erdbebenbedrohten Tokio, Anleihen zur Absicherung von Unwetterrisiken oder Engagements beim überdimensionierten Inselbauprojekt Dubai World. Die Restrisiken für den Steuerzahler sind unklar. Schätzungen gehen von einem Abschreibungsbedarf in Höhe von 50 Milliarden Euro aus – weit größere Lasten als bei Auslagerung der HRE-Wertpapiere in die ausgegliederte Bad Bank FMS Wertmanagement berücksichtigt wurden. Verluste, die über das Haftungspolster der Abwicklungsanstalt hinausgehen, muss Finanzminister Wolfgang Schäuble jederzeit ausgleichen.

Befreit von den Altlasten soll sich die Nachfolgerin der untergegangenen Hypo Real Estate fit für eine Privatisierung machen. Unter dem Namen Deutsche Pfandbriefbank konzentriert sie sich vor allem auf gewerbliche Immobilienfinanzierungen und besorgt sich mit als sicher geltenden Pfandbriefen Geld am Markt. Zusätzlich sollen aber auch private Einlagen von Sparern eingeworben werden.

Die Chancen für den Einstieg eines privaten Investors stehen indes schlecht. Auch die Commerzbank hat für ihre Immobilientochter Eurohypo keinen Käufer gefunden und musste das Institut daher abwickeln.

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