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Commerzbank Ohne Staat zum großen Geld

5,3 Milliarden Euro sollte die Commerzbank mobilisieren, um den Anforderungen der Bankenaufsicht zu genügen. Anders als befürchtet, schafft es die Bank ohne die Hilfe der Steuerzahler.

Der Absturz der Commerzbank-Aktie
Montag, 11.10.2010  Die Kapitalerhöhung wird vorerst auf Eis gelegt. Angesichts des niedrigen Aktienkurses verzichtet die Commerzbank auf die angedachte Ausgabe neuer Aktien noch im November. "Wenn man das macht, dann muss das auch einen betriebswirtschaftlichen Sinn ergeben", sagt ein Insider.  Bei einem Kurs von sechs Euro rechnete die Commerzbank mit zu geringen Einnahmen. Selbst im besten Fall seien nur gut drei Milliarden Euro drin gewesen, vermuten Experten. Die Ankündigung, die Pläne ruhen zu lassen, wirken am Aktienmarkt aber nur kurzzeitig: Bis Ende November geht es bis auf 5,70 Euro abwärts. Das Bild zeigt die Toiletten auf der Vorstandsetage im Commerzbank-Turm in Frankfurt. Quelle: Reuters
Dienstag, 11.01.2011  Die Commerzbank kündigt für das Schlussquartal schwarze Zahlen an und stellt einen Milliardengewinn für das Gesamtjahr in Aussicht. Doch die Anleger honorieren das nicht, die Commerzbank-Aktie fällt weiter zurück. Es wird immer deutlicher, dass die Commerzbank in einer Art Teufelskreis gefangen ist: Selbst mit positiven Nachrichten gelingt es Bankchef Martin Blessing (Foto) nicht, den bei gut 5,40 Euro vor sich hin dümpelnden Kurs der Commerzbank-Aktie in die Höhe zu treiben. Zu groß ist die Angst der Anleger vor einer milliardenschweren Kapitalerhöhung und damit vor einer Verwässerung ihrer Anteile. Quelle: Reuters
Freitag, 08.04.2011Es geht weiter abwärts: Am Ende des Tages kostet die Aktie nur noch 5,25 Euro. Nach Medienberichten haben Spekulanten mit Leerverkäufen in Milliardenhöhe eine Wette auf einen Kursverfall der Aktie aufgebaut. Dabei leihen sie sich die Aktie von anderen Marktteilnehmern und verkaufen sie in der Hoffnung, das Papier später zu einem tieferen Kurs zurückkaufen zu können. Die Preisdifferenz wäre dann der Gewinn der Spekulanten. Zu diesem Zeitpunkt sind rund 17 Prozent aller Commerzbank-Aktien leer verkauft - viermal mehr als noch Anfang Februar. Dies entspricht Papieren im Wert von 1,2 Milliarden Euro. Allerdings stehen nun kaum noch Aktien zur Leihe zur Verfügung. Quelle: dpa
Freitag, 06.05.2011Hauptversammlung Commerzbank: Die Aktionäre billigen die Kapitalerhöhung. Einige Aktionäre beschimpfen den Vorstand aber als "Hütchenspieler" oder "Kursvernichter". Trotzdem atmet die Börse auf. Die Aktie der Commerzbank steigt deutlich. Quelle: dpa
Freitag, 14.01.2011Trainieren für die Kapitalerhöhung: Im Schnellverfahren sammelt die Commerzbank 626 Millionen Euro durch die Ausgabe neuer Aktien ein. Die Platzierung erfolgt zum Kurs von 5,30 Euro. Die Aktie schließt mit einem Kurs von 5,57 Euro – ein positives Signal der Anleger, die den Kurs in der Folgewoche weiter leicht nach oben treiben. Doch die Mittel werden nicht eingesetzt, um die Staatshilfen zurückzuführen. Vielmehr sollen sie umgehend nachrangige Anleihen - sogenannte Hybride - ablösen. Quelle: dpa
Freitag, 11.03.2011Die Pläne zur Rückzahlung der Staatsmilliarden werden wieder konkreter. Die Bank will ihren Aktionären einen Plan zum Ausstieg des Bundes vorlegen. Gedacht sei an eine Kapitalerhöhung im Volumen von fünf bis sieben Milliarden Euro, heißt es. Zudem könnte die Commerzbank ihre üppige Kapitaldecke um bis zu vier Milliarden Euro ausdünnen. Auf diese Art kämen rund 12 Milliarden Euro zusammen. Die Anleger quittieren die Strategie mit einem Kursverlust von fast drei Prozent auf 5,80 Euro. Quelle: dpa
Mittwoch, 06.04.2011Schluss mit den Gerüchten, jetzt macht die Commerzbank ernst: Die Bank will in mehreren Schritten 14,3 Milliarden Euro am Markt einsammeln. Damit wäre ein Großteil der Staatsbeteiligung getilgt. Die Hauptversammlung, die die Beschlüsse noch absegnen muss, wird vom 18. auf den 6. Mai vorverlegt. Experten wundern sich vor allem über das Volumen der geplanten Kapitalerhöhung. Sie sind überrascht, dass die Bank so viel Kapital aufnehmen will. Und noch eine Überraschung: Die legt Aktie zu, sie steigt zeitweise um 40 Cent auf 5,98 Euro. Am Ende geht sie mit 5,70 Euro aus dem Handel. Doch der Höhenflug nur von kurzer Dauer. Quelle: Reuters

Stresstest, die zweite: Bis zum 30. Juni muss die Commerzbank eine Kernkapitalquote von neun Prozent erreichen. Dadurch sollen die Einlagen der Sparer bei einer erneuten Bankenkrise abgesichert werden. Die europäische Bankenaufsicht EBA erwartete deshalb 5,3 Milliarden Euro in den Tresoren der Bank. Dass der Noch-Chef Martin Blessing diesen Bedarf ohne Hilfe des Staates decken kann, stand lange Zeit in Frage. Jetzt sieht es aber so aus, als könnten sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und der Bankenrettungsfonds Soffin entspannt zurücklehnen. Das Geldinstitut ist sich sicher, aus eigener Kraft sogar 6,3 Milliarden Euro bereitstellen zu können. Das entspräche einer Kernkapitalquote von mehr als elf Prozent.

Auch auf die Möglichkeit, die stillen Einlagen des Hauptaktionärs Allianz umzuwandeln, müsse man nur noch im Notfall zurückgreifen. "Mit den eingeleiteten Maßnahmen haben wir bereits zum Jahresende 2011 knapp 60 Prozent der EBA-Kapitalanforderung erfüllt", sagte Blessing. So habe man den Kapitalbedarf zum 31. Dezember 2011 auf rund drei Milliarden Euro auf 2,3 Milliarden Euro reduziert.

Was der Commerzbank geholfen hat

  • die Minimierung von Risikorücklagen. Bis Ende des vergangenen Jahres verringerte das Geldinstitut diese um mehr als 17 Milliarden Euro. Das kann mitunter ein verlustreiches Geschäft sein: Private Equity-Gesellschaften, die sich auf Ankäufe von Kreditpaketen spezialisiert haben, kaufen teils deutlich unter Nennwert.
  • Die Reduzierung der Risikoaktiva reduzierte allerdings auch den Kapitalbedarf: 17 Milliarden weniger bei den Risikopositionen bedeuten zeitgleich rund 1,6 Milliarden Euro weniger Kernkapitalbedar2. außerdem verringerte die Commerzbank die Kapitalabzugspositionen, was ihren Bestand um weitere 200 Millionen Euro erhöhte.

Bis zum Stichtag am 30. Juni will Blessing durch eine Fortsetzung der Maßnahmen weitere 3,3 Milliarden Euro Kernkapital zusammen bekommen. Wir haben "noch Potenzial, um unsere harte Kernkapitalquote weiter zu stärken", sagte er. Und Finanzvorstand Eric Strutz pflichtet bei: "Wir haben nicht vor, zusätzliche öffentliche Mittel in Anspruch zu nehmen."

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