Commerzbank Staat lässt Blessing Zeit für Konzernumbau

Die Bundesregierung will ihren Anteil an der teilverstaatlichten Bank bis 2016 behalten. Doch dann könnte sie das Paket an einen ausländischen Investor weiter verkaufen.

Bank of America muss 17 Milliarden Dollar Strafe zahlen
Bank of AmericaWankende Großbanken brachten das Weltfinanzsystem 2008 an den Rand des Zusammenbruchs. Dubiose Hypotheken-Deals hatten den Weg dafür bereitet. Doch die Vergangenheit holt die Geldhäuser ein - der Bank of America (BoA) droht nun gar die höchste Strafe aller Zeiten. Dem „Wall Street Journal“ zufolge steht das Finanzinstitut kurz vor einem Vergleich mit dem US-Justizministerium über knapp 17 Milliarden US-Dollar (rund zwölf Milliarden Euro), davon neun Milliarden Dollar in bar. Das wäre der höchste jemals bezahlte Betrag in einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung zwischen der US-Regierung und einem Unternehmen. Bereits im März musste BoA 9,5 Milliarden Dollar nach einer Klage der Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency zahlen. Die US-Behörden sind bei der Bestrafung von Großbanken nicht eben zimperlich - zumindest, wenn es um Geldstrafen geht. Welche Banken ebenfalls Rekordgeldbußen zahlen mussten, erfahren sie auf den folgenden Seiten. Quelle: REUTERS
Goldman SachsDie US-Großbank hat die Finanzkrise trotz viel Kritik an ihren Geschäftsmethoden vergleichsweise gut überstanden. Ende August 2014 handelte das Geldhaus mit den US-Aufsichtsbehörden und den Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac, die im Zuge der Immobilien- und Finanzkrise von der US-Regierung mit insgesamt 187 Milliarden Dollar gerettet werden mussten, einen Vergleich aus. 2005 und 2007 hatte Goldman Sachs den beiden Gesellschaften zusammengeschnürte minderwertige Immobilienkredite verkauft. Laut Einigung muss Goldman diese Papiere für 3,15 Milliarden Dollar zurückkaufen. Damit zahlt die Bank 1,2 Milliarden Dollar mehr, als die Kreditportfolios derzeit wert sind. Quelle: REUTERS
CitigroupDie Citigroup leistet für fragwürdige Hypothekengeschäfte eine sieben Milliarden Dollar schwere Abbitte. Nach Ansicht der US-Justiz hatte die Bank den Käufern verschwiegen, wie schlecht es um die in verbrieften Wertpapieren enthaltenen Hauskredite gestanden habe. Wie die US-Großbank mitteilte, zahlt sie 4,5 Milliarden Dollar an US-Behörden und gewährt zudem Finanzierungshilfen und -erleichterungen für Hausbauer im Wert von 2,5 Milliarden Dollar. Der Vergleich verhagelt der Citigroup das zweite Quartal. In dem Zeitraum verbucht die Bank eine Vorsteuerbelastung von 3,8 Milliarden Dollar. Mit dem Vergleich hätten sich alle anhängigen zivilrechtlichen Hypothekenermittlungen erledigt, erklärte Bankchef Michael Corbat. Der Vergleich erlaube der Bank, sich „auf die Zukunft zu fokussieren, nicht auf die Vergangenheit“. Quelle: dpa
CommerzbankWie die
Die französische Großbank BNP Paribas steht wegen Sanktionsbruch und Geldwäschevorwürfen im Fokus der US- Justizbehörden. Laut einem Bericht des Wall Street Journal drohen der Bank Bußgelder bis zu einer Höhe von zehn Milliarden Dollar. Die Bank soll Wirtschaftssanktionen gegen den Iran, Sudan, Kuba und andere Länder umgangen haben. Es wäre die zweithöchste Strafe, die je gegen eine Großbank verhängt wurde, die Höchststrafe wegen Geldwäsche lag bislang bei 1,9 Milliarden Dollar. Nachfolgend eine Reihe von Banken, die für verschiedene Vergehen schon Milliarden an Geldbußen zahlen mussten. Quelle: REUTERS
Gegen die britische Großbank Barclays verhängte die britische Finanzaufsicht die erste Geldstrafe wegen Manipulation des Goldpreises. Barclay zahlt 26 Millionen Pfund, überführte Barclays-Händler muss 96.000 Pfund Strafe zahlen und erhielt Berufsverbot. Wegen der Manipulation des Interbankenzinssatzes Libor musste Barclays bereits im Sommer 2012 stolze 290 Millionen Pfund zahlen, umgerechnet 350 Millionen Euro. Der damalige Barclays-Chef Bob Diamond nahm kurz danach seinen Hut. Quelle: REUTERS
Die größte Schweizer Bank UBS zahlt rund 1,4 Milliarden Franken (1,16 Milliarden Euro) und damit die zweithöchste Geldstrafe, zu der eine Schweizer Bank jemals verdonnert wurde. Die UBS hatte zudem im Jahr 2009 wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung von US-Bürgern der Zahlung von 780 Millionen Dollar zugestimmt, dabei aber keine Schuld zugegeben. In Deutschland soll die UBS wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung 200 Millionen Euro Strafe zahlen. Ende 2012 musste die UBS wegen des sogenannten Zockerskandals eine Strafe von 36,7 Millionen Euro zahlen und erhebliche Kontrollauflagen erfüllen. Die Bank wird damit für

Seit die kriselnde Commerzbank wieder einen Erholungskurs eingeschlagen hat, mehren sich die Gerüchte über einen baldigen Ausstieg des Staates. Der Bankenrettungsfonds Soffin hält nach milliardenschweren Kapitalspritzen im Zuge der Finanzkrise 2008 immer noch 17 Prozent der Aktien an Deutschlands zweitgrößter Bank. Doch so schnell wird sich Berlin wohl nicht zurückziehen. Stattdessen soll Bankchef Martin Blessing bis 2016 Zeit bekommen, den Umbau der Bank in Ruhe abzuschließen. Das erläuterte ein Vertreter des Bundesfinanzministeriums im Gespräch mit dem Manager Magazin und bekräftigte damit Aussagen des Ministeriums gegenüber der WirtschaftsWoche aus dem Frühjahr.

Danach will die Bundesregierung nicht länger als nötig Eigentümerin der Commerzbank bleiben und hat auch keine Vorbehalte gegenüber ausländischen Investoren. Die Bank müsse laut Ansicht des Ministeriums nach einem Eigentümerwechsel ihren Konzernsitz nicht einmal mehr in Deutschland haben. Eile hat der Bund mit einem Ausstieg aber schon allein deshalb nicht, weil er bei einem Verkauf der Commerzbankanteile zum aktuellen Börsenkurs milliardenschwere Verluste verbuchen müsste. Aus Sicht des Steuerzahlers macht es daher durchaus Sinn, dem Management unter CEO Blessing Zeit für Umstrukturierungen und den Abbau von Altlasten einzuräumen. Eine gesunde Bank könnte sich zu einem besseren Preis verkaufen lassen.

Als Interessenten für den Kauf der Commerzbank werden verschiedene Kandidaten gehandelt. Die Schweizer Großbank UBS soll vor allem auf das deutsche Mittelstandsgeschäft ein Auge geworfen haben, während die Privatkundensparte zur spanischen Santander passen könnte. Wegen dieser unterschiedlichen Interessensschwerpunkte wäre auch eine Zerschlagung der Commerzbank in Mittelstands- und Privatkundensegment denkbar. Für eine chinesische Bank wäre der Kauf von Commerzbankanteilen ebenfalls eine Möglichkeit, in den begehrten deutschen Markt einzusteigen. Das Bundesfinanzministerium bestätigte, dass es immer wieder mal Gesprächsanfragen möglicher Investoren gebe, ohne Namen von Unternehmen zu nennen.

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Offiziell wurden Pläne zum Einstieg bei der Commerzbank bisher aber stets verneint, zuletzt von der französischen Société Générale. Als Hindernis bei einer Übernahme gelten dabei immer weniger die schrumpfenden Altlasten aus der abgewickelten Ex-Tochter Eurohypo, dafür bereitet die wegen niedriger Zinsen kriselnde Privatkundensparte aus Sicht potenzieller neuer Eigentümer Sorgen.

Allerdings: Blessings Umstrukturierungen konzentrieren sich besonders stark auf das Privatkundengeschäft. Mit einem massiven Stellenabbau, moderneren Filialen und einem starken Onlinebanking soll die Profitabilität wieder hergestellt werden. Wenn der Plan glückt, ist die Bank auch wieder attraktiv für einen privaten Investor.

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