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Commerzbank Steuerzahlern droht Milliardenverlust

Bankenrettung: Der Kurssturz der Commerzbank-Aktie im vergangenen Jahr beschert dem staatlichen Bankenrettungsfonds einen Wertverlust in Milliardenhöhe.

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Absturz der Commerzbank-Aktie
Der Absturz der Commerzbank-AktieDie Commerzbank-Aktie erreicht nach eineinhalb Jahren unter ihrem neuen Chef Klaus-Peter Müller einen historischen Tiefstand von 5,87 Euro. Die Bank kämpft gegen Gerüchte, in Schwierigkeiten zu stecken. Die Finanzaufsicht Bafin ermittelt wenige Tage später wegen möglicher Kursmanipulationen durch Investoren, Foto: AP
Die Commerzbank meldet einen Verlust von 372 Millionen Euro für 2002, Foto: dpa
Müller kündigt an, 3100 Stellen zu streichen. Bis dahin hatte die Bank bereits rund 7000 Stellen abgebaut. Zuvor war der Kurs auf 5,58 Euro abgestürzt, Foto: Markus Hintzen für WirtschaftsWoche
Das Sparprogramm greift, die Bank machte 2003 wieder Gewinn: 393 Millionen Euro. 25. Februar 2004 Die Commerzbank übernimmt die in Schieflage geratene Schmidtbank im bayrischen Hof, Foto: dpa
Die Commerzbank übernimmt von Allianz und Deutscher Bank den Immobilienfinanzierer Eurohypo für 4,56 Milliarden Euro, Foto: dpa
Martin Blessing löst Müller an der Spitze ab, der in den Vorjahren Gewinne von 1,6 Milliarden (2006) und 1,9 Milliarden Euro (2007) ausgewiesen hatte. Müller leitet fortan den Aufsichtsrat, Foto: dpa
Die Commerzbank kauft den Konkurrenten Dresdner Bank von der Allianz für 8,8 Milliarden Euro, Foto: dpa

Für die deutschen Steuerzahler fällt die Zwischenbilanz der Commerzbank-Rettung negativ aus. Auch die Rückzahlung großer Teile der Kapitalhilfen sowie eine Abfindung von einer Milliarde Euro an den staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin ändert nichts daran. Grund dafür sind die hohen Kursverluste der Commerzbank-Aktie im vergangenen Jahr. Da das Papier 2011 weit unter die gezahlten Einstiegspreise rutschte, ist der Wert der 25-prozentigen Beteiligung des staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin an dem Kreditinstitut eingebrochen.

Wie viel Staatsgeld steckt noch in der Commerzbank? Der Soffin hatte im Juni 2009 für 1,8 Milliarden Euro ein Viertel der Aktien von Deutschlands zweitgrößter Bank gekauft, um diese vor der Finanzkrise zu retten. Je Aktie legten die Steuerzahler damals sechs Euro auf den Tisch. Später übernahmen die Bankenretter in mehreren Schritten zahlreiche weitere Aktien, um nach diversen Kapitalmaßnahmen der Commerzbank den staatlichen Anteil von 25 Prozent plus einer Aktie konstant zu halten.

Ohne die Bankenretter ging es nicht

Insgesamt hat der Soffin rund 4,7 Milliarden Euro in Aktien der Commerzbank investiert. Die Einstiegspreise sanken dabei sukzessive. An den beiden Schritten der großen Kapitalerhöhung der Commerzbank Mitte des Jahres 2011 beteiligte sich der Soffin im Volumen von 1,4 Milliarden Euro zu 4,25 Euro je Aktie sowie mit 1,3 Milliarden Euro zu 2,18 Euro je Aktie. Auch bei der Wandlung von Hybridanleihen im Januar vor einem Jahr haben die Bankenretter Aktien für 221 Millionen Euro zu 5,61 Euro je Anteilsschein gezeichnet.

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    Zusätzlich zur Aktienbeteiligung hatte der Bankenrettungsfonds der Commerzbank Stille Einlagen im Wert von mehr als 16 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um die Haftungsmasse des von der Finanzkrise betroffenen Instituts zu erhöhen. Die Bank hat das Geld 2011 in einem großen Kraftakt bis auf einen Rest von 1,9 Milliarden Euro weitgehend zurückgezahlt. Der Soffin musste auf Zinsen verzichten, kassierte aber immerhin eine Abfindungszahlung für die Stille Einlage in Höhe von einer Milliarde Euro.

    3 Milliarden Euro Wertverlust

    Ein Schild an einer Commerzbank - Filiale und die Zentrale der Commerzbank AG, aufgenommen in Frankfurt am Main Quelle: dapd

    Dieser Betrag wird von den Wertverlusten der Commerzbank-Aktien jedoch mehr als aufgefressen. Wie hoch fällt der Schaden aus? Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) empfiehlt eine Abschreibung auf Wertpapiere, wenn der Kurs ein halbes Jahr vor dem Bilanzstichtag mehr als 20 Prozent unter dem Anschaffungspreis lag. Ebenso muss abgeschrieben werden, wenn der Kurs zwölf Monate lang mehr als 10 Prozent unter dem Buchwert notierte. Die obersten deutschen Wirtschaftsprüfer haben die Grundsätze für Versicherungsunternehmen entwickelt, gehen aber davon aus, dass diese auch breiter anwendbar sind.

    Wendet Soffin-Chef Christopher Pleister die IDW-Empfehlung auf seinen jüngsten Jahresabschluss an, müsste er die Commerzbank-Aktien auf den deutlich gesunkenen Kurs zum Jahresende 2011 von 1,30 Euro abschreiben. Die Beteiligung schrumpft damit von 4,7 Milliarden Euro auf 1,6 Milliarden Euro. Der Wertverlust von 3,1 Milliarden Euro würde das mit Steuergeld finanzierte Eigenkapital des Rettungsfonds mindern. Vor Aufstellung des Jahresabschlusses äußert sich der Soffin nicht zu diesem Thema. Ob und wie hoch die Commerzbank-Aktien abgeschrieben werden müssen, wird hinter den Kulissen jedoch heiß diskutiert.

    Banken



    Schlechte Aussichten für Steuerzahler

    Fest steht, dass die Aussichten für die Steuerzahler, bei der Commerzbank ohne Verluste oder gar mit Gewinn auszusteigen, sich deutlich eingetrübt haben. Zwar haben die Papiere des Kreditinstituts ihre Verluste des Vorjahrs im Januar teilweise wieder gut gemacht, weil CEO Martin Blessing ankündigte, das Kapitalloch seiner Bank ohne neue Staatshilfen zu stopfen. Doch vom Wert von sechs Euro je Aktie, bei dem die Steuerzahler 2009 zur Rettung eilten, ist der Kurs mit zuletzt rund 1,90 Euro noch meilenweit entfernt.

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