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Deutsche Bank Abschied vom allmächtigen Ackermann

Nach Ackermanns Abgang will die Führungsriege wieder zum Team werden. Hinter den Kulissen hat der Wachwechsel bereits stattgefunden.

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Josef Ackermann und Anshu Jain Quelle: REUTERS

Es gibt Gesten, die sind aussagekräftiger als ein paar Zahlen: Etwa, als sich bei der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank die 13-köpfige Runde noch einmal erhebt, um überraschend für ein Gruppenfoto zu posieren. Spontan zieht Risikovorstand Hugo Bänziger seinen Nachbarn Anshu Jain herüber, sodass dieser direkt neben dem scheidenden Bankchef Josef Ackermann zu stehen kommt.

Der gemeinsame Auftritt vor den Fotografen stellt das Symbol für mehr Teamgeist in der Führungsriege der Deutschen Bank dar.

Nach dem Abschied des Alleinherrschers Ackermann bei der Hauptversammlung im Mai wird die designierte Doppelspitze aus Deutschland-Chef Jürgen Fitschen und dem bisher in der Londoner City stationierten Anshu Jain für eine bessere Machtteilung und Kollegialität unter den Vorständen sorgen, wie Kenner des Instituts hoffen.

Ackermann zieht sich aus Siemens-Aufsichtsrat zurück
Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank Quelle: dpa
1996Josef Ackermann verlässt die Schweizer Bank Credit Suisse und wechselt in den Vorstand der Deutschen Bank, wo er zunächst für Kreditrisiken und später für das Investmentbanking zuständig ist. Quelle: rtr
2000Die Investmentbanker verhindern mit Ackermann die Fusion mit der Dresdner Bank. Quelle: AP
September 2000 - Mai 2002Im September 2000 wird Ackermann frühzeitig zum Nachfolger des umstrittenen Rolf Breuer als Vorstandssprecher gewählt. Im Januar 2002 gibt sich die Deutsche Bank gibt eine neue Führungsstruktur, die die Rolle des Vorstandssprechers stärkt. Ackermanns Gegner Thomas Fischer verlässt den Vorstand. Ackermann tritt im Mai 2002 sein Amt als Vorstandssprecher an. Quelle: AP
Juni 2003Der internationale Bankenverband IIF macht Ackermann zu seinem Chef. Quelle: rtr
Januar 2004Ackermann macht zu Beginn des Mannesmann-Prozesses, bei dem er und andere Aufsichtsräte des Mobilfunkkonzerns sich wegen angeblich überhöhter Abfindungszahlungen verantworten müssen, das "Victory"-Zeichen. Das belastet sein Image über Jahre. Im November 2006 wird der Mannesmann-Prozess gegen Zahlung einer Auflage von rund drei Millionen Euro durch Ackermann eingestellt. Quelle: AP
Februar 2005Ackermann kündigt den Abbau von 6400 Arbeitsplätzen trotz eines um 87 Prozent gestiegenen Gewinns an. Quelle: AP

Zudem will sich die Bank stärker auf das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden besinnen, wobei das von Ackermann stark geförderte Investmentbanking an Bedeutung verliert.

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    „Das ist eine Leistung des gesamten Teams“, betonte Ackermann bei der Präsentation der Geschäftszahlen für 2011 oft, auch wenn dies laut offiziellem Manuskript stellenweise nicht vorgesehen war. Lag die ungewohnte Beschwörung des Gemeinschaftsgefühls daran, dass der Konzerngewinn mit 5,4 Milliarden Euro vor Steuern enttäuschend ausfiel?

    Ursprünglich hatte Ackermann einen Rekordgewinn von rund zehn Milliarden Euro angepeilt. Aus dem fulminanten Abschied nach zehn Jahren an der Spitze wurde nichts.

    "Macht Joe glücklich"

    Die Deutsche Bank muss die Ära Ackermann bewältigen und wird danach nicht mehr dieselbe sein. Das wäre gut so. Joe Almighty, der allmächtige Josef, wurde so dargestellt, als sei er wichtiger als das Unternehmen. Andere Vorstandsmitglieder wurden abgeschirmt, sprechen durfte das größte deutsche Kreditinstitut nur mit einer Stimme – und zwar mit der von Ackermann.

    Die an Personenkult grenzende öffentliche Vermarktung des Großen Vorsitzenden war die einzige Säule der Kommunikationsstrategie. „Macht Joe glücklich“, lautete die Losung auf den Fluren der PR-Abteilungen.

    So kam Ackermann trotz eklatanter Kommunikationspannen vergleichsweise gut davon, während die Bank dem Trommelfeuer von Kirch-Prozess und immer neuen Klagen nichts entgegenzusetzen hatte: Die Personal-PR wurde zum Instrument der Machtpolitik, die Bank zur Plattform der Selbstdarstellung. Ihr legendärer Korpsgeist ging dabei verloren.

    Zudem führte Ackermann 2002 bei der Deutschen Bank ein Group Executive Committee nach angelsächsischem Vorbild ein. Die Macht des Vorstands, dessen Mitglieder kollegial entscheiden, schränkte er damit ein. Dem Group Executive Committee unter Ackermanns Regie gehören neben den Vorständen auch die nachgeordneten Leiter großer Geschäftsbereiche an.

    Hier dominierte CEO Ackermann – anders als im Vorstand, wo der Vorsitzende überstimmt werden kann. Mit der neuen Doppelspitze aus Jürgen Fitschen und An-shu Jain wird die Ein-Mann-Show bei der Deutschen Bank jedoch ein Ende haben.

    Josef der Sonnenkönig

    Joes Ackermann Quelle: REUTERS

    Zweifellos hat Ackermann bei seinen Touren rund um den Globus Kontakte in die Politik geknüpft und schaffte es, sich in Szene zu setzen. Er zog mit dem Selbstverständnis eines Sonnenkönigs durch die Welt, der die Türen zu wichtigen Entscheidern öffnet, sodass sein Tross die großen Deals nur noch einzutüten braucht.

    Doch hinter der Fassade begann es zu bröckeln. Mit undurchsichtigen Finanzprodukten wurden Mittelständler geprellt und Stadtkämmerer über den Tisch gezogen. Bei den Betroffenen ruinierte das den Ruf der Bank. Praktiken wie diese mögen zwar zum von Ackermann einst ausgerufenen Ziel von 25 Prozent Eigenkapitalrendite beigetragen haben.

    Doch sie stehen im Widerspruch zu seiner Losung: „Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen.“ Den muss das neue Führungsduo wieder mühsam erarbeiten.

    Der Wachwechsel hat bereits stattgefunden. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos richteten sich alle Augen auf die künftige Doppelspitze. Dort traten Jain und Fitschen in zur Schau gestellter Harmonie auf. Begleitet wurden sie vom künftigen Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner.

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      Noch im Amt aber schon ohne Macht

      Der steht zwar offiziell noch als Finanzvorstand in Diensten der Allianz, wirkte in Davos aber so, als gehöre er schon lange zur Deutschen Bank. Dagegen irrte Ackermann verloren und einsam durch die verwinkelten Gänge – noch im Amt, doch schon ohne Macht. Fragen an ihn drehen sich allenfalls um Themen wie die Umschuldung Griechenlands, bei denen der Bankchef wegen seiner internationalen Posten ein wichtiger Gesprächspartner ist.

      In der Bank herrscht Abschiedsstimmung. Vor allem der Machtkampf mit dem noch amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig, gegen den er sich bei der Suche nach seinem Nachfolger durchsetzen wollte, hat sein Ansehen beschädigt. An Rassismus grenzende Bemerkungen aus seinem PR-Umfeld über Jain, wie „Merkmal des Jainismus ist das Ausmerzen der Schwachen“, schlagen nun auf die Ackermann-Entourage zurück.

      Seine Nachfolger wollen jetzt nicht nur den Teamgeist stärken, sondern das Geschäft wieder stärker am Kunden ausrichten. Wie genau sie sich die Zukunft vorstellen, werden sie intern bei einer Tagung von Führungskräften im April erklären.

      Wohin die Reise geht, zeichnete sich bei der Präsentation der Jahresergebnisse bereits ab. Das klassische Bankgeschäft mit Privatkunden und Unternehmen hat seinen Anteil am Vorsteuerergebnis 2011 laut Zahlen der Bank auf 56 Prozent fast verdoppelt. Das stark eingebrochene Investmentbanking kam nur auf 44 Prozent Ergebnisanteil nach mehr als 70 Prozent im Vorjahr.

      Banken



      Chef-Investmentbanker Jain ertrug die enttäuschenden Zahlen seiner Sparte mit niedergeschlagenem Blick, während er der Übersetzung aus seinem Ohrstöpsel lauschte. Doch er teilt die Strategie der Bank, mehr Unabhängigkeit vom Investmentbanking zu gewinnen. Schneidet er irgendwann wieder besser ab, wird der Ackermann-Nachfolger auch öfter sein typisches verschmitztes Grinsen zeigen.

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