Deutsche Bank Achleitner - ein ehrgeiziger Macher

Mit Allianz-Mann Paul Achleitner soll ein ehrgeiziger Macher die Deutsche Bank kontrollieren. Zahllose deutsche Kleinanleger verbinden mit dem Ackermann-Ersatz böse Erinnerungen.

Allianz-Mann Paul Achleitner als Ackermann-Ersatz Quelle: dpa

Josef Ackermann hat sich nichts anmerken lassen. Gewohnt routiniert spulte er anlässlich der Euro Finance Week vor der in Frankfurt versammelten Finanzelite seine Rede über neue Geschäftsmodelle von Banken ab. Andere prominente Redner dagegen zeigten Textunsicherheiten. Nichts deutete darauf hin, dass im Laufe des Tages eine Meldung bekannt werden würde, die Deutschlands größte Bank gründlich durcheinanderwirbeln sollte – mit gravierenden Auswirkungen auf Ackermanns persönliche und berufliche Zukunftspläne.

Wie das Innenleben des Bankers hinter seinem auf die Großleinwand projizierten Pokerface aussah, lässt sich nur vermuten. Wahrscheinlich dürfte selbst der stressgewohnte Ackermann unter Starkstrom gestanden haben, denn Münchner Staatsanwälte hatten zuvor Büros des Konzernchefs sowie weiterer Spitzenkräfte der Deutschen Bank durchsucht. Der größte Teil des Publikums ahnte zu diesem Zeitpunkt jedoch nichts davon und lauschte andächtig, was der Gast über die Zukunft der Bankenwelt zu verkünden hatte.

Ackermann zieht sich aus Siemens-Aufsichtsrat zurück
Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank Quelle: dpa
1996Josef Ackermann verlässt die Schweizer Bank Credit Suisse und wechselt in den Vorstand der Deutschen Bank, wo er zunächst für Kreditrisiken und später für das Investmentbanking zuständig ist. Quelle: rtr
2000Die Investmentbanker verhindern mit Ackermann die Fusion mit der Dresdner Bank. Quelle: AP
September 2000 - Mai 2002Im September 2000 wird Ackermann frühzeitig zum Nachfolger des umstrittenen Rolf Breuer als Vorstandssprecher gewählt. Im Januar 2002 gibt sich die Deutsche Bank gibt eine neue Führungsstruktur, die die Rolle des Vorstandssprechers stärkt. Ackermanns Gegner Thomas Fischer verlässt den Vorstand. Ackermann tritt im Mai 2002 sein Amt als Vorstandssprecher an. Quelle: AP
Juni 2003Der internationale Bankenverband IIF macht Ackermann zu seinem Chef. Quelle: rtr
Januar 2004Ackermann macht zu Beginn des Mannesmann-Prozesses, bei dem er und andere Aufsichtsräte des Mobilfunkkonzerns sich wegen angeblich überhöhter Abfindungszahlungen verantworten müssen, das "Victory"-Zeichen. Das belastet sein Image über Jahre. Im November 2006 wird der Mannesmann-Prozess gegen Zahlung einer Auflage von rund drei Millionen Euro durch Ackermann eingestellt. Quelle: AP
Februar 2005Ackermann kündigt den Abbau von 6400 Arbeitsplätzen trotz eines um 87 Prozent gestiegenen Gewinns an. Quelle: AP
Februar 2006Ackermann übernimmt als erster Chef der Deutschen Bank den Titel Vorstandsvorsitzender, was seine Position nochmals stärkt. Quelle: rtr
2006Die Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank liegt erstmals über dem von Ackermann anvisierten Ziel von 25 Prozent. Quelle: rtr
Ab 2006Ackermann erklärt die Stärkung des Privatkundengeschäfts zum vorrangigen strategischen Ziel. Die Deutsche Bank übernimmt die Norisbank und die Berliner Bank. Quelle: AP
September 2008Die Deutsche Bank steigt bei der Postbank ein. 2010 übernimmt sie die Mehrheit. Quelle: dapd
2008Die Deutsche Bank macht infolge der Finanzkrise einen Verlust von 3,8 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Februar 2009Ackermann verärgert Kanzlerin Angela Merkel, als er erklärt, dass er sich schämen würde, wenn er Staatshilfen annehmen müsste. Zuvor hatte er an dem Konzept mitgewirkt. Quelle: AP
April 2009Ackermanns Vertrag wird bis 2013 verlängert, obwohl er 2010 aufhören wollte. Zuvor hatte sich Aufsichtsratschef Clemens Börsig als Nachfolgekandidat ins Gespräch gebracht. Quelle: rtr
Oktober 2009Die Deutsche Bank übernimmt die angeschlagene Privatbank Sal. Oppenheim. Quelle: AP
Mai 2010Ackermann zweifelt an der Rückzahlungsfähigkeit Griechenlands. Quelle: dapd
Juni 2011Ackermann kann Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber nicht als Nachfolger durchsetzen. Quelle: dpa
Juli 2011Es steht fest: Nach Ackermanns Abtritt als Vorstandschef der Deutschen Bank folgen ihm Anshu Jain (links) und Jürgen Fitschen als Doppelspitze. Joseph Ackermann wird seine beiden Nachfolger aber als Vorsitzender des Aufsichtsrates beaufsichtigen können. Quelle: dpa
14. November 2011Ackermann zieht seine Kandidatur für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank zurück. Seine Begründung: "Die extrem herausfordernden Verhältnisse auf den internationalen Finanzmärkten und im politisch-regulatorischen Umfeld verlangen meine volle Aufmerksamkeit als Vorsitzender des Vorstands der Bank; sie lassen keinen Raum für die zur Realisierung des Vorhabens erforderlichen vielen Einzelgespräche mit Aktionären." Die wahren Gründe dürften andere sein. Ackermann droht ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage im Prozess gegen den mittlerweile verstorbenen Medienmogul Leo Kirch vor dem Landgericht München. Seit dem 8. November hatten Ermittler Razzien in der Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank durchgeführt und dabei auch das Büro Ackermanns untersucht. Sollte es zu einer Verurteilung Ackermanns kommen, drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Quelle: dapd
31. Mai 2012Der scheidende Vorstandschef der Deutschen Bank verlässt das Podium. Der 64-Jährige zieht sich aus dem Unternehmen zurück. Vielen Wirtschaftsfachleuten gilt Ackermanns Rückzug als "Abschied des Jahres". Doch sogleich verspricht Ackermann: „So schnell werden Sie mich nicht los“ - und sagt auch seither gerne öffentlich, was er denkt - wohlwissend, dass klare Worte des einstigen Sprachrohrs der deutschen Finanzbranche Gewicht haben. Quelle: dpa

Am Nachmittag reagierten Ackermanns Arbeitgeber dann mit einer Meldung, in der sie sich gründlich von ihrer ursprünglichen Personalstrategie verabschiedeten. Die geplante Rochade vom Chefsessel an die Aufsichtsratsspitze der Deutschen Bank ist abgeblasen. Der designierte Chefkontrolleur, der das Duo Anshu Jain und Jürgen Fitschen beaufsichtigen soll, heißt nicht mehr Ackermann, sondern Achleitner. Paul Achleitner sitzt als Finanzchef des Versicherungsriesen Allianz an einer der Schlüsselpositionen der deutschen Wirtschaft und kämpft daher in einer Gewichtsklasse, die ihn grundsätzlich für Top-Aufgaben wie den Kontrollposten bei der Deutschen Bank qualifiziert.

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