Deutsche Bank Achleitners gelungenes Pflichtprogramm

Formfehler zwangen die Deutsche Bank zu einer außerordentlichen Hauptversammlung. Ihr neuer Aufsichtsratschef moderiert das Nachsitzen souverän, so dass den Co-Chefs Jain und Fitschen nur eine Nebenrolle bleibt.

Zum ersten Mal in seiner neueren Geschichte ruft die Deutsche Bank ihre Anteilseigner zu einer außerordentlichen Hauptversammlung in den Frankfurter Stadtteil Höchst zusammen. Quelle: REUTERS

Die Jahrhunderthalle in Höchst ist in blaues Licht getaucht, Tausende Senioren drängen sich am Eingang und im Saal. Die Deutsche Bank hat zu einer außerordentlichen Hauptversammlung geladen. Ein in der Geschichte des Instituts beispielloses Ereignis. "Es ist Pflicht, keine Kür", sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner gleich zu Beginn. Es geht nicht um die Libor-Affäre, nicht um mögliche Bilanzfälschung und auch nicht um die Banker-Bezahlung, sondern ausschließlich darum, Beschlüsse der Hauptversammlung 2012 wie die Wahl von Mitgliedern des Aufsichtsrats und die Bestellung des Wirtschaftsprüfers nachzuholen. Geklagt hatten Anwälte des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch, der die Deutsche Bank und insbesondere deren Ex-Chef Rolf Breuer für seine Pleite verantwortlich machte. Das Landgericht Frankfurt gab ihnen Recht, weil Kirch-Anwalt Franz Enderle beim letzten regulären Aktionärstreffen nicht zu Wort gekommen war. Um Rechtsicherheit zu gewährleisten, entschloss sich die Bank zu dem Treffen. Das sie fünf Millionen Euro kostet.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa

Für den früheren Deutschlandchef von Goldman Sachs und Ex-Allianzvorstand Achleitner ist das außerplanmäßige Treffen eine Premiere. Bei der er eine gute Figur macht. Seinem Vorgänger Clemens Börsig war stets schon zu Beginn und im Lauf des Tages immer mehr anzumerken, dass er von der ganzen Veranstaltung genervt, gar gequält war. Achleitner dagegen bleibt ruhig und freundlich. Selbst eher abseitigen Aktionärsvorträgen, wie der Beschwerde, dass ein mitgebrachter Zollstock den Sicherheitscheck nicht passieren durfte, hört er anscheinend aufmerksam zu.

Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Bank

Dabei kommt ihm zugute, dass die Aktionäre ihn insgesamt pfleglich behandeln. Nach einem knappen Jahr im Amt gilt er noch als Hoffnungsträger. Er soll die Bank zurück zu Anstand, zu einer Kultur von mehr Ethik führen. Als ein Aktionärsvertreter Achleitner bescheinigt, dass er sein Vertrauen habe, lächelt er zufrieden.

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