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Deutsche Bank Ackermanns fast harmonischer Abgang

An seinem letzten Arbeitstag als Chef der Deutschen Bank zeigt sich Josef Ackermann stolz und versöhnlich. Die Aktionäre feiern ihn, für den Aufsichtsrat gibt es bei der Hauptversammlung harte Kritik.

Die besten Sprüche von Josef Ackermann
Josef Ackermann Quelle: dpa
Josef Ackermann Quelle: AP
Ackermann Quelle: dapd
Josef Ackermann Anshu Jain Quelle: REUTERS
"Als ich zur Deutschen Bank kam, hatte ich zwei Millionen Mark. Wenn ich heute ein vergleichbares Gehalt hätte, würde ich jeden Respekt verlieren. Man würde sagen: ,Der hat keinen Marktwert'." Josef Ackermann im Mai 2007. Quelle: dapd
Ackermann Quelle: ASSOCIATED PRESS
Josef Ackermann Quelle: dpa

Wenn von der heutigen Hauptversammlung der Deutschen Bank und damit von Josef Ackermann letztem Arbeitstag ein Signal ausgehen soll, dann ist es das der großen Versöhnung. Schon vor dem Beginn lassen sich die Hauptdarstellerin harmonischen Posen ablichten. Erst mal die kommenden Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen, dann der scheidende Chef Josef Ackermann und der scheidende Aufsichtsratschef Clemens Börsig. Und dann alle vier zusammen. Eine gute Bank, so die Botschaft, wird von guten Händen in gute Hände übergeben. Streit, Intrigen, Machtkämpfe? Hier doch nicht.

Bei Jain und Fitschen bleibt die Nähe während der ganzen Veranstaltung Programm. Während die anderen Vorstandsmitglieder stumm vor sich hin starren, tuscheln die beiden immer mal wieder miteinander, lächeln, wirken fast wie schwätzende Schüler im Unterricht. Es scheint zumindest so, als wäre der Abstand zwischen ihren Stühlen kleiner als bei den übrigen. Zwischendurch sind sie sogar mal gemeinsam für eine gute halbe Stunde draußen. Ob sie sich da die neue Strategie überlegen, die die Aktionäre gerne von ihnen hören wollen?

„Ein Jahrzehnt an der Spitze der Deutschen Bank“

Verraten werden sie die an diesem Tag nicht. Es ist schließlich Ackermanns Abschiedsvorstellung. Seine Rede ist mit gut 45 Minuten ungewöhnlich lang, noch einmal lässt er seine Amtszeit Revue passieren, unterteilt sie in die Jahre vor und nach der Krise, wobei sie unter seiner Führung jeweils auf der Gewinnerseite stand. „Ich habe meine Pflicht getan und dem Unternehmen mit meiner ganzen Kraft gedient“, sagt er.

Ackermann zieht sich aus Siemens-Aufsichtsrat zurück
Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank Quelle: dpa
1996Josef Ackermann verlässt die Schweizer Bank Credit Suisse und wechselt in den Vorstand der Deutschen Bank, wo er zunächst für Kreditrisiken und später für das Investmentbanking zuständig ist. Quelle: rtr
2000Die Investmentbanker verhindern mit Ackermann die Fusion mit der Dresdner Bank. Quelle: AP
September 2000 - Mai 2002Im September 2000 wird Ackermann frühzeitig zum Nachfolger des umstrittenen Rolf Breuer als Vorstandssprecher gewählt. Im Januar 2002 gibt sich die Deutsche Bank gibt eine neue Führungsstruktur, die die Rolle des Vorstandssprechers stärkt. Ackermanns Gegner Thomas Fischer verlässt den Vorstand. Ackermann tritt im Mai 2002 sein Amt als Vorstandssprecher an. Quelle: AP
Juni 2003Der internationale Bankenverband IIF macht Ackermann zu seinem Chef. Quelle: rtr
Januar 2004Ackermann macht zu Beginn des Mannesmann-Prozesses, bei dem er und andere Aufsichtsräte des Mobilfunkkonzerns sich wegen angeblich überhöhter Abfindungszahlungen verantworten müssen, das "Victory"-Zeichen. Das belastet sein Image über Jahre. Im November 2006 wird der Mannesmann-Prozess gegen Zahlung einer Auflage von rund drei Millionen Euro durch Ackermann eingestellt. Quelle: AP
Februar 2005Ackermann kündigt den Abbau von 6400 Arbeitsplätzen trotz eines um 87 Prozent gestiegenen Gewinns an. Quelle: AP

Damit diese Leistung allen im Gedächtnis bleibt, feiert ein Heftchen von 42 Seiten Umfang „ein Jahrzehnt an der Spitze der Deutschen Bank“. In dem erklären Prominente wie Henry Kissinger, Roland Berger, Mathias Döpfner und Frank Elstner, was für ein toller Kerl der Schweizer ist. Dazu gibt es auch ungewohnt private Fotos: Ackermann mit Frau und Tochter im Kino, Ackermann im Ferrari, Ackermann im Skiurlaub. „Danke, Joe!“ heißt es auf den ersten Seiten in Riesenlettern.

Das sagen auch die Aktionäre. Denen hat Joe eigentlich nicht viel Freude gemacht, der Kurs der Aktie liegt nicht höher als bei seinem Amtsantritt, die Dividende ist auch in diesem Jahr mickrig. Aber, und das ist wohl Trost genug: Andere Bankeigentümer hat es in den vergangenen Jahren noch weit schlimmer erwischt. Ackermann selbst kann sich da eine Spitze gegen die Commerzbank nicht verkneifen. „Wir alle können zusammen stolz sein, auf das was wir gemeinsam erreicht haben“, lobt er. Die Mehrzahl der Aktionäre erhebt sie sich klatschend von ihren Sitzen.

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