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Deutsche Bank Alles prima hier bei uns!

Deutsche Bank: Alles prima hier bei uns! Quelle: imago images

Die Deutsche Bank hat am Dienstag versucht, Investoren endlich von ihrer neuen Strategie zu überzeugen. Leider zeigt das nur das größte Problem: die Deutsche Bank selbst.

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Die meisten Bundesbürger dürfte es überraschen, aber: Bei der Deutschen Bank läuft es wieder richtig gut, es geht, wie man landläufig so schön sagt, bergauf. Wie bitte? Ausgerechnet bei dem skandalgeplagten Dax-Konzern?

Ja, tatsächlich – zumindest sieht das Deutschlands größtes Geldhaus selber so. Die Banker gaben sich am Dienstag wirklich alle Mühe, ihren Arbeitgeber in ein grelles Licht zu rücken. Es begann am Morgen mit gleich zwei Pressemitteilungen und gipfelte am Nachmittag in einer fünfstündigen Investorenkonferenz. Das konzentrierte Sperrfeuer sollte einzig und allein den Eindruck vermitteln: Jetzt läuft es wirklich bei uns – das sollten Medien, Analysten und Investoren jetzt aber bitte mal kapieren. „In den vergangenen Monaten sind wir bei unserem Umbau in jeder Hinsicht deutlich vorangekommen“, sagte Bankchef Christian Sewing. „Wir liegen in einigen Bereichen sogar über Plan“.

Für die Deutsche Bank ist der Dienstag dieser Woche ein wichtiges Datum: Es war der Tag der Entscheidung nach dem Tag der Entscheidung. Anfang Juli hat die Bank mit dem blauen Logo ihren Umbau vorgestellt, sie will unter anderem 18.000 Vollzeitstellen streichen und die Kosten um 6 Milliarden Euro senken.

Die Reaktionen darauf? Mäßig, der Aktienkurs ist seitdem um fast fünf Prozent eingeknickt, die Aktie kostet mit gut 6,50 Euro so viel wie eine Packung Zigaretten. Bankboss Christian Sewing und seinen Leuten kauft also niemand den Sanierungskurs ab. Bei der Investorenkonferenz möchten die Frankfurter das gerne ändern, indem sie Anlegern einen detaillierten Einblick in ihre Pläne geben. Das große Problem ist bloß: Das Verhalten des Instituts an diesem Dienstag erinnert mal wieder an die unrühmliche Vergangenheit – und belegt, dass sich die Deutsche Bank zu oft selbst im Weg steht, sie manchmal ihr größter Gegner ist.

Um diese Aussage zu verstehen, genügt ein Blick auf eine der Pressemitteilungen der Bank: Darin bekräftigt das Geldhaus allerlei Ziele, aber in Texten für die Medien ist ja oft das interessant, was dort nicht steht – und so ist das auch bei der Deutschen Bank. So äußert sich das Institut in der Pressemitteilung nicht zu ihrem konkreten Ertragsziel, das geschieht erst in einer der Investorenpräsentationen – und das offenbar nicht ohne Grund.

Auf einer der Folien hat die Deutsche Bank jetzt offiziell gemacht, was sie vorher angedeutet hatte: Sie kann das Ertragsziel nicht halten, obwohl es nicht mal ein halbes Jahr alt ist. Statt 25 Milliarden Euro Erträgen will das Geldhaus bis 2022 nur noch 24,5 Milliarden erreichen – und das soll auch nur gelingen, weil die Blaubank gewisse Maßnahmen ergreift, etwa indem sie Minuszinsen an Kunden weitergibt. Ohne diese Initiativen müsste sie das Ertragsziel gar auf 23,8 Milliarden Euro runterschrauben.

Das ist zumindest ein kleiner Knaller: Zwar sind die 0,5 Milliarden Euro weniger Ertrag gemessen an der Größe der Bank nur ein geringer Betrag. Aber der Schritt ist entscheidend für das Vertrauen in den Konzern: Es dürfte jetzt weiter sinken. Das Geldhaus verspricht seit Jahren Dinge, die es nicht halten kann – und räumt die Ziele dann scheibchenweise wieder ab. Investoren hatten gehofft, dass diese Marotte endlich der Vergangenheit angehört.

Seit Juli hat die Deutsche Bank nun versucht, ihre Umbauziele als angemessen und realistisch darzustellen – nur um sie jetzt wieder in Teilen endgültig zu korrigieren. Mit anderen Worten: Wer dem Institut bislang die Umbaupläne nicht abgenommen hat, darf sich jetzt bestätigt sehen. Und dürfte sich auch noch darüber ärgern, dass die Bank die Korrektur nicht offen am Morgen in einer Pressemitteilung kommuniziert, sondern am Nachmittag auf einer Folie.

Die entscheidende Frage ist nun: Wer nimmt dem Geldhaus denn jetzt noch den restlichen Sanierungsplan ab (wenn es überhaupt je einer getan hat)? Selbst Sewing gab am Dienstag zu, dass das Ziel von acht Prozent Eigenkapitelrendite im Jahr 2022 – gemeint ist die wichtigste Kennziffer bei Banken, um zu beurteilen, wie profitabel ein Haus ist – ehrgeiziger sei als zuvor.

Trotzdem tun die Mitarbeiter des Instituts natürlich ihr Möglichstes, um für den neuen Kurs zu begeistern. Am Dienstagmorgen verwies die Bank gegenüber der Presse auf einen Analysten, der die Mitteilungen am Morgen wohlmeinend kommentiert habe. Zwar thematisierte der Mann tatsächlich einige positive Aspekte, bloß: Der Analyst empfahl die Aktie der Bank nicht zum Kauf, sondern riet bloß zum Halten. Das Kursziel hatte er auf sechs Euro taxiert – dabei stand die Aktie an diesem Morgen bei 6,50 Euro. Manchmal haben sie bei der Deutschen Bank dann ja doch noch einen Sinn für die Realität. 

Kürzlich sagte in Frankfurt jemand über das Geldhaus, man dürfe doch nicht auf denjenigen treten, der schon am Boden liegt. Tatsächlich ist das auch gar nicht notwendig: Die Deutsche Bank sorgt schon selbst dafür, dass sie nicht wieder so schnell aufsteht.

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