Deutsche Bank Anleihe-Rückkauf ändert nichts an den Problemen

Der Absturz der Deutschen Bank ist vor allem ein Resultat nervöser Märkte. Aber er ist auch hausgemacht - der milliardenschwere Anleihe-Rückkauf ist vor allem ein symbolischer Akt.

Dunkle Wolken über der Zentrale der Deutschen Bank. Quelle: dpa

Nichts verstört Investoren mehr als ein Nebel, in dem sie stets das Grauen vermuten. Als früherer Finanzvorstand der Schweizer UBS weiß das John Cryan genau. Deshalb hat der Chef der Deutschen Bank schon bei einem seiner ersten öffentlichen Auftritte versprochen, stets ehrlich und offen zu sein und nichts zu versprechen, was er nicht halten kann.

Für die Bank wäre das ein Bruch mit einer schlechten Tradition. Cryans Vorgänger hatten sehr viel angekündigt und wenig umgesetzt. Das Vertrauen der Aktionäre haben sie so schwer und dauerhaft beschädigt.

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Bisher ist es Cryan nicht gelungen, das verlorene Ansehen wieder zu gewinnen. Nur so ist der beispiellose Absturz dieser Woche zu erklären. Der ohnehin lädierte Aktienkurs brach innerhalb von zwei Tagen um 20 Prozent ein, die Prämien für Versicherungen gegen Anleiheausfälle schnellten in die Höhe, das Institut verschickte eine Nachricht an Investoren, in der es seine Zahlungsfähigkeit versicherte und der Chef wandte sich mit Durchhalteparolen an die eigenen Mitarbeiter. All das erinnerte fatal an die finstersten Tage der globalen Finanzkrise im Jahr 2008.

Deutsche Bank stabiler als 2008

Dabei steht die Bank stabiler da als damals. Ihr Eigenkapital hat sie seitdem verdoppelt, die Bilanz reduziert. Tatsächlich ist es vor allem das ungute Gebräu aus niedrigen Zinsen, unsicheren Erträgen, billigem Öl, sich abschwächender Konjunktur und steigenden Kreditausfällen, das Anleger nervös macht und aus Bankaktien fliehen lässt. Die Konkurrenz ist davon ähnlich hart betroffen. Mit der Commerzbank zum Beispiel ging es kaum weniger steil bergab.

Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat

Trotzdem ist die Deutsche Bank ein Sonderfall, und Cryan ist an ihrer aktuellen Misere nicht unschuldig. Dass die Aktionäre auf eine Dividende verzichten müssen, um die Bank weiter zu stabilisieren, können sie verschmerzen.

Doch Cryan ist es bisher nicht gelungen, ihre grundsätzlichen Zweifel zu zerstreuen. Dass die Bank an diesem Freitag ankündigte, eigene Anleihen im Volumen von etwa fünf Milliarden Euro zurückzukaufen, ändert daran nichts. Es ist vor allem ein Akt mit Symbolkraft, der kurzfristig Zweifel an der Stabilität des Geldhauses vertreiben soll. Seine wirtschaftlichen Folgen bleiben überschaubar und ändern nichts an den grundlegenden Problemen der Bank.

Investoren fürchten vor allem, dass die unzähligen Prozesse und Verfahren für die Deutsche Bank so teuer werden, dass sie um eine weitere Kapitalerhöhung nicht herumkommt. Dass Cryan die Rückstellungen Ende des Jahres noch einmal um rund eine Milliarde erhöht hat, hat diese Sorgen verstärkt.

John Cryan hat Hoffnungen zerstört

Zudem hat er so die Hoffnung zerstört, dass nun alle Probleme wirklich auf dem Tisch liegen. Die hatte er geweckt, als er im dritten Quartal Milliarden auf Firmenwerte abschrieb.

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Cryan hat angekündigt, dass er die Bank nicht in erster Linie im Hinblick auf den Aktienkurs, sondern langfristig managen werde. Damit hat er um Geduld gebeten, doch seit dieser Woche ist klar, dass die Märkte die nicht haben. Er muss nun endlich Details liefern. Noch immer sind wesentliche Punkte der künftigen Strategie unklar, die Verhandlungen zum angekündigten Stellenabbau kommen genauso wenig voran wie die Trennung von der Postbank.

Und es fehlt eine Vorstellung davon, wie die Bank künftig ausreichend Geld verdienen will. Sie „zu dem zu machen, was sie sein soll“, wie Cryan seine Vision in der Mitteilung an die Mitarbeiter umschreibt, reicht nicht.

Noch genießt der Vorstandschef das Privileg des Unbeteiligten, der aufräumt, was andere hinterlassen haben. Forderungen nach personellen Konsequenzen konzentrieren sich auf Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Doch erste Kritiker in und um die Bank fragen bereits, ob Cryan als früheres Mitglied des Kontrollgremiums nicht ebenfalls energischer hätte gegensteuern müssen.

Wenn er mehr sein will als eine Übergangslösung, muss er handeln.

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