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Deutsche Bank-Chef Anshu Jains leise Rückkehr auf die Bühne

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit Langem zeigt sich Anshu Jain zahm und einsichtig. Ein anderer Banker ist da deutlich selbstbewusster.

Über Monate hatte der Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, die Öffentlichkeit gemieden. Bei einer Diskussion zur angeblich angeschlagene Beziehung zwischen Unternehmen und Banken, sollte er neben J.P.-Morgan-Chef Jamie Dimon Rede und Antwort stehen. Als Bankenkritiker waren der Münchner-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard und Evonik-Chef Klaus Engel auf dem Podium vertreten.

Was macht eigentlich Anshu Jain? Über Monate hatte der Co-Chef der Deutschen Bank die Öffentlichkeit gemieden. Bis er gestern Abend unmittelbar vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos und zehn Tage vor der eigenen  Bilanz-PK wieder auftauchte. Bei einer Diskussion in einem Luxushotel im verschneiten Taunus sollte er Rede und Antwort stehen, es ging um die angeblich angeschlagene Beziehung zwischen Unternehmen und Banken. Zerrüttet, so machte Jain klar, ist das Verhältnis keineswegs. So berichtete er von einem seiner jüngsten Termine, ausgerechnet in Wuppertal. Dort habe er einen Mittelständler besucht. Der sei in 80 Ländern aktiv und habe ihm versichert, wie wichtig die Leistungen der Deutschen Bank für ihn seien.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa

Jain referiert auch über den von ihm und Jürgen Fitschen propagierten Kulturwandel. Den sieht er als nicht abgeschlossenes, aber deutlich fortgeschrittenes Projekt. Die Exzessjahre der Branche seien der relativ kurze Zeitraum zwischen 2005 und 2007 gewesen. Nun habe sich schon viel zum Guten geändert. Die Banken hätten mehr Kapital und weniger Risiko. Und die Bezahlung der Mitarbeiter sei vernünftiger. Die Deutsche Bank könne es sich sogar leisten, bei dem Thema ein weltweiter Vorreiter zu sein. Denn schließlich sei man nun eines der führenden Institute, während man sich die Rolle vor fünf oder zehn Jahren noch mit Ausschüttungen an die Angestellten erkaufen musste.

Als Bankenkritiker sind der Münchner-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard und Evonik-Chef Klaus Engel auf dem Podium vertreten. Sie erfüllen die Rolle mit Maß. So will sich etwa von Bomhard anders als oft zitiert nie für ein klares Trennbankensystem ausgesprochen haben. Die Banken sollten lediglich gegenüber der Aufsicht beweisen müssen, dass bestimmte Aktivitäten erforderlich seien. In vielen Punkten sind sich die Diskutanten einig. Etwa darin, dass das Vertrauen der Gesellschaft in die Banken erst dann wieder zurückkehre, wenn diese wie andere Unternehmen Pleite gehen könnten. Und dass es einen Unterschied zwischen guter und exzessiver Bezahlung gebe.

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