Deutsche-Bank-Chef John Cryan "Wir werden unsere Position weiter ausbauen"

Die Deutsche Bank steht unter Druck wie selten zuvor. Konzernchef John Cryan sieht das Institut grundsätzlich gut aufgestellt - auch wenn noch viel zu tun ist.

"Im Notfall spannt die Regierung ein Sicherheitsnetz"
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Christian Gattiker, Chefstratege und Leiter Research bei Julius Bär Quelle: REUTERS

Die Deutsche Bank beansprucht trotz des Rekordverlusts 2015 und des jüngsten Absturzes ihres Aktienkurses eine führende Rolle. „Ich sehe uns nicht im Verteidigungsmodus“, sagte Deutsche-Bank-Chef John Cryan am Mittwoch bei einer Bankentagung in Frankfurt. „Wir werden unsere Position als Firmenkunden- und Kapitalmarktbank in Europa weiter ausbauen.“

Niemand habe in den vergangenen Monaten „einen ehrlicheren Blick“ auf das Institut geworfen als er, sagte der Brite. „Ich habe einiges entdeckt, was mir nicht gefällt. Wahr ist aber auch: Wir gehen die Veränderungen konsequent an. Wir sind besser als wir momentan von außen wahrgenommen werden.“ Beim letzten großen europaweiten Krisentest der Bankenaufseher 2014 habe die Deutsche Bank als eines der besten Institute abgeschnitten. „Und wir sind seither nicht weniger vorsichtig geworden.“

Cryan bat um Geduld für den unter seiner Führung angestoßenen radikalen Umbau des Dax-Konzerns. „Es geht hier nicht nur um Zahlen, Abläufe und Strukturen, es geht vor allem um Menschen. Um unseren festen Willen, die Deutsche Bank zu alter Stärke zurückzuführen“, sagte Cryan. Er bekräftigte seine Entschlossenheit, in diesem Jahr einen Großteil der juristischen Altlasten auszuräumen.

Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat

Nach einem Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr war die Aktie der Deutschen Bank noch stärker unter Druck geraten. Das Papier verlor - wie andere Banktitel - seit Jahresbeginn massiv an Wert, legte zuletzt aber wieder zu. „Hinter uns - hoffentlich hinter uns - liegen hektische Wochen, die für uns alle in der Branche nicht leicht waren“, sagte Cryan.

Mit dem Verkauf der Tochter Postbank will sich die Deutsche Bank angesichts der derzeit schlechten Stimmung an den Börsen Zeit lassen. „Es ist möglich die Postbank zu verkaufen, die Frage ist nur zu welchem Preis“, sagte Cryan. Deshalb wolle sich die Deutsche Bank bei ihren Verkaufsplänen nicht unter Druck setzen lassen. Ziel bleibe, die Bonner Tochter bis Ende 2017 aus der eigenen Bilanz zu haben. Die Vorbereitungen für die Trennung seien gut unterwegs. Derzeit favorisiert die Deutsche Bank für die Postbank einen Börsengang.

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Bei den Boni für die eigenen Mitarbeiter tritt die Deutsche Bank wie angekündigt auf die Bremse. Nach Informationen des „Handelsblatts“ wird der Prämientopf für die gesamte Bank voraussichtlich um rund 15 Prozent schrumpfen. Für das Jahr 2014 belief sich der gesamte Bonuspool auf 2,7 Milliarden Euro. Gut die Hälfte (52 Prozent) wurde nicht sofort ausbezahlt, sondern aufgeschoben gewährt.

Der Zeitung zufolge müssen nun vor allem die traditionell gut bezahlten Investmentbanker Abstriche hinnehmen - mit bis zu 30 Prozent weniger Bonus. Zudem sollen die 250 wichtigsten Mitarbeiter im Investmentbanking den Löwenanteil ihrer Boni in Form von Aktien bekommen mit einer Haltefrist von fünf Jahren. Die Deutsche Bank wollte sich zu dem „Handelsblatt“-Bericht nicht äußern und verwies auf die Veröffentlichung ihres Vergütungsberichts am 11. März.

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