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Deutsche Bank Der Achleitner-Nachfolger kann mehr als eine Überraschungslösung sein

 Alexander Wynaendts Quelle: PR

Nach moantelanger Spekulation präsentiert die Deutsche Bank den Niederländer Alexander Wynaendts als kommenden Aufsichtsratsvorsitzenden. Die Wahl zeigt, wohin die Reise bei dem Institut gehen soll. Eine Analyse.

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Wer sich da auch nicht sicher ist: Der Name spricht sich Weinänds aus. Gehört hat man ihn bisher kaum. Jetzt muss man ihn sich merken.  

Nur in einer Hinsicht fällt die wichtigste Personalie der deutschen Finanzbranche in diesem Jahr wie erwartet aus. Schon vor Monaten wurde im Umfeld der Deutschen Bank orakelt, dass der Nachname des Nachfolgers von Aufsichtsratschef Paul Achleitner höchstwahrscheinlich mit W beginnen werde. Diese Ankündigung löst die Wahl von Alexander Wynaendts ein. Und doch lässt sie viele Beobachter ratlos zurück.

Denn der 61-jährige Niederländer, der bis zum vergangenen Jahr das in Den Haag ansässige Versicherungsunternehmen Aegon führte, ist in der deutschen Finanzwelt bislang fast vollkommen unbekannt. Wenn über Achleitners Nachfolge spekuliert wurde, tauchte sein Name nie auf. Als Kandidaten galten vielmehr die bereits im Kontrollgremium vertretenen Norbert Winkeljohann, Frank Witter und vor allem Theodor Weimer. Letzteren hätte Achleitner wohl tatsächlich gerne als seinen Nachfolger gesehen. Doch da sich der Chef der Deutschen Börse wenig enthusiastisch zeigte, wurde zuletzt sogar gemutmaßt, Achleitner könne mangels eines geeigneten Nachfolgers allen Bekenntnissen zum Trotz in die Verlängerung gehen. Die wird es nun nicht geben.



Was dann? Selbst digital hat Wynaendts in Deutschland kaum Spuren hinterlassen. Es existiert ein zweiminütiges Video von einem Versicherungskongress des „Handelsblatts“ vor drei Jahren. Dass Wynaendts dort als wichtigsten Schritt zur finanziellen Sicherheit empfiehlt, regelmäßig zu sparen und früh damit anzufangen, lässt kaum Rückschlüsse auf seine Agenda zu.

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    Und so könnten es Skeptiker durchaus für eine Notlösung halten, dass der Niederländer bei der Hauptversammlung im kommenden Jahr zur Wahl vorgeschlagen werden soll. Ihre Zweifel könnten schon bei seiner fachlichen Qualifikation beginnen: Wynaendts Erfahrungen im Banking stammen aus dem vergangenen Jahrhundert, in dem er 13 Jahre bei der niederländischen ABN Amro im Geschäft mit reichen Kunden und im Investmentbanking arbeitete. Und auch wenn Aegon bei Lebensversicherungen zu den großen Anbietern in Europa zählt, ist das Unternehmen nicht annähernd so komplex wie die Deutsche Bank. Aktuell beschäftigt es rund 21.000 Menschen – etwa halb so viele wie die Commerzbank.

    Hinzu kommt, dass Wynaendts kaum für die von Sewing propagierte Rückkehr zu den Wurzeln der Bank steht. Mit den Details deutscher Corporate Governnance und Regulierung dürfte er kaum vertraut, jenseits der Versicherungsbranche weder mit den Repräsentanten der Unternehmen noch der Politik sonderlich vernetzt sein. Dass der frühere PwC-Deutschlandchef Norbert Winkeljohann nun zum stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden aufsteigen soll, könnte da wie ein implizites Eingeständnis dieser Defizite wirken.

    Bei etwas näherer Betrachtung fällt das Urteil jedoch deutlich weniger eindeutig aus. In seiner Amtszeit hat Wynaendts Aegon komplett umgebaut und vor allem digital deutlich vorangebracht. In dem Prozess befindet sich derzeit auch die Deutsche Bank. Wie diese hat auch Aegon eine große US-Tochter. Der schwierige Markt ist dem künftigen Chefkontrolleur aber nicht nur deshalb vertraut. Denn Wynaendts sitzt aktuell in den Kontrollgremien von drei wichtigen US-Konzernen: Der Mobilitätsunternehmen Uber, das Softwarehause Salesforce und die US-Großbank Citigroup gehören in ihren Branche ebenso zu den ersten Adressen, wie die Fluglinie Air France KLM. Auch in deren Aufsichtsrat hat Wynaendts einen Platz.  

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    Damit lässt die Personalie darauf schließen, wohin die Reise bei der Deutschen Bank in den kommenden Jahren gehen soll. In wenigen Monaten wird Sewing eine neue Strategie vorstellen. Mit dieser wird er mehr bieten müssen als abermals verschärfte Sparziele, an denen sich die Bank dann Quartal für Quartal messen lassen muss. Wachstumsperspektiven eröffnen sich allerdings wohl fast ausschließlich abseits der etablierten Geschäftsfelder. Die weitere Digitalisierung und der Ausbau der Aktivitäten in Europa werden die zentralen Themen sein. Wynaendts könnte beide überzeugend verkörpern.

    Der Niederländer ist also eine alles andere als logische Wahl. Und gerade deshalb kann er eine Chance sein.


    Mehr zum Thema: David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, will unabhängig-unbequem sein. Dass er es ist, muss er jetzt beweisen.

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