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Deutsche Bank Der Höllenjob des Anshu Jain

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Der wunde Punkt

Gerüchteweise könnte Cryan Jain ersetzen, sollte der wegen einer Verfehlung stürzen. In Kreisen des Aufsichtsrats heißt es, Jain sitze fest im Sattel. Eine Ablösung war bei den letzten Sitzungen kein Thema. Die kritischsten Fragen müsse sich derzeit Finanzvorstand Stefan Krause anhören. Aber jedem ist klar, dass ein neuer Skandal Jains Ende wäre. Für diesen Fall will die Bank gerüstet sein. Angeblich soll bereits ein Personalberater nach einem externen Kandidaten suchen, der Jain, Fitschen oder gleich beide ersetzen kann.

Fitschens wunder Punkt sind die Ermittlungen wegen angeblicher Falschaussagen im Kirch-Prozess. Er hat bisher nicht definitiv erklärt, dass er bleibt, wenn gegen ihn ein Strafverfahren beginnt. Ob es so weit kommt, dürfte sich bald entscheiden. Intern gilt die Situation als „kompliziert“.

Kirch gegen Deutsche Bank
Der Fall Leo KirchFebruar 2002Rolf Breuer, der Chef der Deutschen Bank, stellte vor 10 Jahren die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe infrage. In einem TV-Interview, dass am 4. Februar bei Bloomberg TV ausgestrahlt wurde, sagt er, nach allem, was man „darüber lesen und hören“ könne, sei der Finanzsektor nicht mehr bereit, „auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“. Quelle: AP
Interview im Wortlaut Quelle: AP
Insolvenz Quelle: AP
Taurus-Holding Quelle: AP
BGH Quelle: dpa/dpaweb
Rücktritt Quelle: REUTERS
Abgewiesen! Quelle: dpa

Jains wunder Punkt sind neun Millionen E-Mails. 300 Experten, darunter 150 externe Anwälte, durchsuchen den elektronischen Schriftverkehr nach Hinweisen auf Manipulationen von Referenzgrößen. Über die Geschehnisse beim Libor gibt es inzwischen Klarheit: „Die Untersuchung ist abgeschlossen, wir wissen genau, was passiert ist“, heißt es in hochrangigen Kreisen der Bank. Es handele sich um Verfehlungen Einzelner. Mit dem Abschluss aller Verfahren rechnen die Verantwortlichen nicht vor Ende des Jahres, wenn die Aufseher in den USA und Großbritannien ihr Strafmaß verkündet haben.

Treiber statt Getriebener

Schluss ist dann noch lange nicht. Anzeichen für eine Schrauberei am Goldpreis gibt es bisher nicht. Im Vorstand und bei den Aufsehern gilt vor allem die mögliche Manipulation von Devisenkursen wegen der Größe des Marktes als heikel. Die Untersuchungen sind noch am Anfang. Im Fall eines Händlers für argentinische Peso gibt es klare Indizien für eine Absprache. Ob er aber wirklich einen Manipulationsversuch gestartet hat, ist nicht klar.

Sollte sich ein Beleg für ein direktes Mitwissen oder gar eine Anstiftung durch Jain finden, wäre er sofort erledigt. Enge Mitarbeiter glauben das nicht. „Sein moralischer Kodex ist so streng, dass es schon fast irritierend ist“, betont einer. Aber kommt es wirklich darauf an, ob sich irgendwo die eine Mail findet, die ihn überführt? Jain hat als Ober-Investmentbanker über Jahre alles getan, um sein Geschäft auszubauen. Er war kein Getriebener, sondern Treiber. Und damit bei allen Irrwegen vorne dabei.

In seiner Amtszeit zogen Vertriebstruppen los, um komplexe Derivate an Kommunen zu verticken, die deren Finanzplanung ruinierten statt sanierten. Der Aufstieg zu einem der größten Spieler auf dem Markt für verbriefte US-Immobilienkredite schwacher Bonität war vor allem Jains zweifelhaftes Verdienst. Hier drohen weiter die höchsten Strafzahlungen. Intern gilt es schon als Erfolg, dass sich die Bank in einem Verfahren kürzlich auf eine Strafe von 1,4 Milliarden Euro geeinigt hat, während die Bank of America wenig später fast zehn Milliarden Dollar zahlen musste.

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