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Deutsche Bank Der Höllenjob des Anshu Jain

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Die Konkurrenz zieht davon

Darunter leidet einmal mehr der Aktienkurs, der seit Jahren um die 30 Euro stagniert. Das Geschäftsmodell gilt als zu kompliziert, die Kapitalbasis als zu schwach für die weltweiten Ambitionen. Nach dem Stresstest der EZB Ende des Jahres, so die Hoffnung der Führungsspitze, könne sich der Kurs an 50 Euro annähern. Das wäre bitter nötig. Denn die Flaute ist intern ein Stimmungskiller. Die Investmentbanker in New York und London bekommen einen großen Teil ihres Salärs in Aktien. Allmählich werden sie unruhig, wollen auch mal verkaufen, Kasse machen. Die Chance ist bisher ausgeblieben.

Gleichzeitig zieht die Konkurrenz davon. In ihrem Selbstverständnis ist die Bank die Nummer eins in Europa, nach dem Börsenwert steht sie nicht mal mehr unter den ersten 15. Die US-Wettbewerber spielen längst in einer ganz anderen Liga. JP Morgan hat 2013 trotz ebenfalls heftiger Strafzahlungen 13 Milliarden Euro verdient.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa

Symbolhaft für die Kluft sind zwei Auftritte, bei denen Jain im vergangenen Jahr mit JP-Morgan-Chef Jamie Dimon diskutierte. Der steht auch unter Druck, tönt aber trotzdem laut und selbstbewusst, dass Amerika gefälligst stolz auf die Bank sein solle. Dagegen wirkt Jain kleinlaut. Höflich, fast schüchtern gelobt er Besserung und bittet um Geduld. Natürlich werde es dauern, bis die Finanzindustrie das zu Recht verlorene Vertrauen zurückerobert habe.

Allgegenwärtige Skepsis

„Wir sind alle verunsichert“, gibt ein Vorstandskollege zu. „Aber Anshu ist besonders vorsichtig. Jeder wartet auf einen Fehltritt.“ Dabei ist das Ducken eigentlich nicht seine Sache. „Jain ist immer ein absoluter Meinungsführer gewesen“, sagt ein Manager, der jahrelang mit ihm im obersten Führungsgremium der Bank saß. „Es muss ihn schmerzen, dass er von Beginn an in die Defensive geraten ist und den Eindruck kaum noch korrigieren kann.“

Die wichtigsten Stationen der Karriere von Anshu Jain

Die Skepsis ist weiter allgegenwärtig. „Jain hat sehr lange Verantwortung für kritische Geschäfte getragen“, sagt ein Bankenaufseher. „Unabhängig von konkreten Verfehlungen muss sich die Bank fragen, ob so viel personelle Kontinuität ein glaubhaftes Zeichen für Wandel ist.“

Das Jain-Lager versucht tapfer, genau das zu vermitteln. Er kenne die Bank genau und habe genug Erfahrung und Autorität, um andere Banker vom Wandel zu überzeugen. Und schließlich sei jeder Investmentbanker, der in den Vorkrisenjahren Verantwortung trug, auf dem gleichen Irrweg gewesen. Jetzt sei die Branche klüger.

So sieht das auch Paul Achleitner. Der Aufsichtsratsvorsitzende hat Jain früh von jeder direkten Verantwortung für die Manipulation der Libor-Zinssätze freigesprochen und hält weiter treu zu ihm. Achleitner hat die Sitzordnung im Aufsichtsrat so umgestellt, dass dessen Mitglieder nun alphabetisch und nicht mehr nach Arbeitnehmern und Kapital getrennt angeordnet sind. Er legt auch sonst viel Wert auf Balance. Mit dem früheren UBS-Finanzchef John Cryan hat er Jain in dem Gremium einen ebenbürtigen Experten zur Seite gestellt. Beide lieferten sich schon Rededuelle, denen die Kollegen nur mit Mühe folgen konnten, etwa zu einer weiteren Kapitalerhöhung. Cryan war dafür, Jain wollte sie lieber vermeiden, um bessere Argumente für seinen Sparkurs zu haben.

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