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Deutsche Bank Die Schlinge um Co-Chef Fitschen wird immer enger

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere Deutsche Bank-Manager wegen möglicher Falschaussagen im Kirch-Prozess - auch gegen Co-Chef Fitschen. Dessen Position wird aufgrund neuer interner Dokumente immer düsterer.

Kirch gegen Deutsche Bank
Der Fall Leo KirchFebruar 2002Rolf Breuer, der Chef der Deutschen Bank, stellte vor 10 Jahren die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe infrage. In einem TV-Interview, dass am 4. Februar bei Bloomberg TV ausgestrahlt wurde, sagt er, nach allem, was man „darüber lesen und hören“ könne, sei der Finanzsektor nicht mehr bereit, „auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“. Quelle: AP
Interview im Wortlaut Quelle: AP
Insolvenz Quelle: AP
Taurus-Holding Quelle: AP
BGH Quelle: dpa/dpaweb
Rücktritt Quelle: REUTERS
Abgewiesen! Quelle: dpa

Vor kurzem hoffte die Deutsche Bank noch, der Fall Kirch könne endlich abgeschlossen werden. Doch die Bank-Manager haben sich offenbar zu früh gefreut. Denn die Staatsanwaltschaft bereitet Anklagen gegen führende Manager der Bank vor, die im Prozess mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch falsch ausgesagt haben sollen. Auch der amtierende Co-Chef Jürgen Fitschen steht unter Verdacht, die Falschaussagen seiner Vorgänger wie Josef Ackermann, Rolf Breuer oder Clemens Börsig gedeckt zu haben. Die Crux: Interne Dokumente belegen nun offenbar, dass Fitschen von den Falschaussagen seiner Kollegen wusste. Für den Co-Chef, der wie kein anderer für den propagierten Kulturwandel des Instituts steht, ist das die unerfreuliche Wendung einer unendlichen Geschichte.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, will die Münchner Staatsanwälte bei einer ihrer Razzien Indizien für dieses Wissen Fitschens gefunden haben. Erst am Dienstag durchsuchten Beamte der Staatsanwaltschaft erneut die Frankfurter Zwillingstürme und sicherten Akten. Das "Handelsblatt" beruft sich auf interne Dokumente, wonach Fitschen bereits im Januar mit den Vorwürfen konfrontiert wurde.

Zentraler Teil der Ermittlungen sind offenbar interne Dokumente der Deutschen Bank, die ergaben, dass die Aussagen der eigenen Leute vor Gericht nicht der Wahrheit entsprachen. Die Rechtsabteilung der Bank bezeichnete die Unterlagen damals als "not helpful" - nicht hilfreich. Auch die Idee zur Zerschlagung des Kirch-Konzerns sollen Teil der "not helpful"-Dokumente gewesen sein. Fitschen behauptet, er habe von diesen Unterlagen auf einer Vorstandssitzung im Februar 2012 zwar erfahren, sie aber nie vollständig gesehen. Er habe auch keine Warnungen der Rechtsabteilung erhalten, dass diese Dokumente kritisch sein könnten.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa

Fitschen soll folglich nicht selber falsch ausgesagt haben, wohl aber die unwahren Aussagen der anderen nicht verhindert haben, für die Staatsanwälte hat Fitschen damit vermuteten Prozessbetrug gedeckt. Fitschen selber ist offenbar weiterhin von seiner Unschuld überzeugt. Zuletzt antwortete er auf Fragen zu den Vorwürfen: "Ich habe weder betrogen noch belogen". Gegen eine Geldbuße würden die Ermittler das Verfahren gar einstellen, Fitschen könnte eine Anklage entsprechend vermeiden. Doch zahlen will der Deutsche Bank Co-Chef nicht. Offenbar könnte die Finanzaufsicht BaFin dann seine Eignung als Vorstand in Frage stellen, das will der Niedersachse vermeiden. Angesichts der neuen Dokumente scheint es mehr als fraglich, ob das die richtige Entscheidung ist.

Insgesamt ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft nicht nur gegen Fitschen, sondern mittlerweile gegen 14 Beschuldigte. Seit Dienstag ist bekannt, dass gegen Rechts- und Personalvorstand Stephan Leithner ebenfalls ermittelt wird. Auch gegen Führungskräfte aus der Rechtsabteilung und Anwälte der Kanzlei Hengeler Mueller, die bis Februar für die Deutsche Bank tätig war, wird ermittelt.

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Erst vor rund fünf Wochen einigte sich die Deutsche Bank mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch auf einen Vergleich in Millionenhöhe. Rund 775 Millionen Euro zahlt die Bank an die Erben, plus Zinsen und einer pauschalen Kostenerstattung, insgesamt waren 925 Millionen Euro fällig. Damit sollte der Vorwurf aus dem Weg geräumt werden, der ehemalige Bankvorstand Rolf Breuer habe mit seinen Interview-Aussagen maßgeblich zur Pleite des Medienkonzerns beigetragen.

Etwas gutes haben die Ermittlungen, denn zumindest für einen ist das Leben in den letzten Wochen etwas ruhiger geworden: Fitschens Vorstandskollege Anshu Jain. Denn bisher war es vor allem der Inder, der in der Schusslinie der Öffentlichkeit stand. Als ehemaligem Leiter des Investmentgeschäfts wollte man ihm den Kulturwandel nicht richtig zutrauen. Er gilt als angezählt, bei einer weiteren Verwicklung in einen Skandal könnte er seinen Posten räumen. Das "Manager Magazin" berichtete vor wenigen Wochen, dass die Bank für diesen Fall bereits über einen möglichen Nachfolger diskutiere. Im Fall Kirch dagegen machte Jain eine gute Figur, er gilt als derjenige, der den Vergleich am Ende vorangebracht hat.

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