Deutsche Bank Einigung im US-Hypothekenstreit offenbar in Sicht

Die Deutsche Bank soll im Streit mit den US-Behörden über Hypothekengeschäfte vor einer Einigung stehen. Laut Insidern beträgt das Bußgeld mehr als zwei Milliarden Euro.

Die Deutsche Bank soll kurz vor einer Einigung mit den US-Behörden stehen. Quelle: REUTERS

Deutsche-Bank -Chef John Cryan kommt beim Ausmisten einem wichtigen Etappenziel näher. Er kann darauf hoffen, eine der größten Rechtsstreitigkeiten des Instituts zeitnah mit einem Vergleich aus der Welt zu schaffen. In der Debatte um umstrittene Hypothekengeschäfte in Amerika rücke eine Einigung mit den US-Behörden näher, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Strafe, die dabei im Raum stehe, werde Deutschlands größtes Geldhaus nicht überfordern, betonte einer der Insider. Das kam an der Börse gut an. Die Papiere von Deutschlands größtem Geldhaus legten rund fünf Prozent zu und waren damit mit Abstand größter Gewinner im Leitindex Dax.

Laut "Manager Magazin" will das US-Justizministerium dem Geldhaus Anfang kommender Woche ein rund 100 Seiten langes Schreiben mit den Verstößen und einer angedachten Strafzahlung zukommen lassen. Das aufgeführte Bußgeld werde über der Summe von 2,385 Milliarden Dollar liegen, die Goldman Sachs in ähnlicher Angelegenheit im Frühjahr bezahlen musste. Die Deutsche Bank könne die Summe im Zuge von Verhandlungen in den kommenden Wochen allerdings noch drücken. Das Frankfurter Institut wollte sich dazu nicht äußern.

Viele Großbanken haben sich auf dem amerikanischen Immobilienmarkt über Jahre eine goldene Nase verdient. Sie reichten Hypotheken an mittellose Familien aus und blähten damit ihr Kreditgeschäft auf. Die Risiken wurden anschließend an Investoren weitergereicht - in Form von hochkomplexen Anleihen, die den Banken ebenfalls hohe Gebühren in die Kasse spülten. Als der Markt 2007 kollabierte, erwiesen sich diese Bonds als wertlos. Viele der Käufer klagten gegen die Banken.

Vorstandschef Cryan, der seit Sommer 2015 an der Spitze der Bank steht, möchte die größten Rechtsstreitigkeiten möglichst noch in diesem Jahr mit Vergleichen beilegen. Dazu zählen neben dem US-Hypothekenstreit die Geldwäsche-Vorwürfe in Russland und die Affäre um Manipulationen am Devisenmarkt.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa

Viele Investoren machen derzeit auch deshalb einen großen Bogen um die Deutsche Bank, weil sie nicht abschätzen können, welche Strafen auf das Geldhaus in den kommenden Monaten und Jahren noch zukommen. Wenn nun ein großer Fall abgehakt werde, sei das positiv, erklärte ein Händler. "Eine Beilegung des US-Hypothekenstreits für 2,4 Milliarden US-Dollar wäre deutlich billiger als die drei Milliarden Euro, die ich erwartet habe", sagte Analyst Enrico Racioppi vom Broker Hammer Partners. "Es handelt sich also wirklich um gute Nachrichten."

Die Investmentbank Goldman Sachs war in den USA wegen umstrittener Hypothekengeschäfte im April zu einer Zahlung von 5,1 Milliarden Dollar verdonnert worden. Diese setzt sich zusammen aus einem Bußgeld von 2,4 Milliarden Dollar und Entschädigungszahlungen von 1,8 Milliarden Dollar. Hinzu kamen 875 Millionen Dollar, um Rechtsstreitigkeiten mit mehreren anderen US-Behörden aus der Welt zu schaffen. Bei der Deutsche Bank wird der sich abzeichnende Vergleich einem Insidern zufolge anders aufgebaut sein. Das Frankfurter Institut hat in den USA nämlich bereits vor drei Jahren eine Strafe von 1,9 Milliarden Dollar bezahlt, weil es von 2005 bis 2007 beim Verkauf von Hypothekenpapieren an die staatlichen Baufinanzierer Freddie Mac und Fannie May falsche Angaben gemacht haben soll.

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