Deutsche Bank Ende eines Missverständnisses

Der Rückzug von Anshu Jain und Jürgen Fitschen ist überfällig. Unter dem neuen Chef John Cryan hat die Deutsche Bank nun die Chance auf einen echten Neuanfang.

John Cryan wird Nachfolger von Anshu Jain Quelle: REUTERS

Die Chefs der Deutschen Bank ziehen die Konsequenz – endlich. Der Rücktritt von Anshu Jain und Jürgen Fitschen ist die letztlich unvermeidliche Folge eines grandiosen Scheiterns. Die beiden Banker haben es in den gut drei Jahren ihrer Amtszeit nicht geschafft, eine überzeugende Vision für die Zukunft des mit Abstand wichtigsten deutschen Geldhauses zu entwickeln.

Sie sind vor allem, aber nicht nur an den gewaltigen Lasten der Vergangenheit gescheitert. Hinzu kommt, dass sie die Stärke des Instituts über-, den Eifer der Regulierer unter- und die Entwicklung der Märkte falsch eingeschätzt haben. Als Resultat haben sie ihre anvisierten Ziele deutlich verfehlt.  

Den letzten Ausschlag für den Rücktritt dürfte das erschreckend schwache Abschneiden bei der Hauptversammlung vor drei Wochen gegeben haben.  Dort erhielten die beiden Co-Chefs eine sensationell niedrige Zustimmung von gerade mal 61 Prozent. Falls sie bis dahin noch ernsthaft glaubten, die Bank weiter führen zu können, war spätestens ab diesem Zeitpunkt klar, dass sie das dafür unerlässliche Vertrauen verloren hatten. Indizien für ein Ende ihrer Amtszeit hatte es bereits zuvor gegeben. So war etwa der Aufsichtsrat des Instituts spürbar auf Distanz gegangen.

Bei dem Aktionärstreffen hatte der Vorsitzende Paul Achleitner die Bilanz der Doppelspitze wenig schmeichelhaft als „durchwachsen“ bezeichnet. Wenige Tage zuvor war er im Interview mit der Wirtschaftswoche bereits auf Distanz zu der von ihm zuvor stets gestützten Führung gegangen. Auch nach mehreren Nachfragen hatte er die eigentlich erwartete  Vertrauenserklärung  verweigert und stattdessen lapidar erklärt, dass jeder ersetzbar sei. Wie sich jetzt zeigt, leitete er damit bereits das Ende der Dienstzeit von Jain und Fitschen ein.

Stimmen zum Chefwechsel bei der Deutschen Bank

In die Geschichte der Bank wird diese nun wohl vor allem als großes Missverständnis eingehen. In erster Linie gilt das für Anshu Jain. Das Argument, dass ein Manager, der den Nährboden für die Verfehlungen der Vergangenheit bereitet hatte, besonders gut geeignet sei, diese künftig zu verhindern, war von Anfang an nicht sonderlich überzeugend. Mit jeder neuen Milliardenzahlung, die die Bank für Sünden ihrer Investmentbanker überweisen musste, geriet deren langjähriger Chef Jain immer mehr unter Druck.

Den Makel konnte er nie abschütteln, Jain ist über all die Jahre der Repräsentant  einer unrühmlichen Vergangenheit geblieben, der immer wieder erklären musste, was er wann wie genau (nicht) wusste. Oder hätte wissen können. Dass er immer mal wieder erklärte, wie sehr ihn die Enthüllungen über Manipulationen anwiderten und zuletzt auch die persönliche Verantwortung für diese übernahm, half da wenig.

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